22.08.2017 10:00 Uhr - 1. Bundesliga - Martin Granzow-Emden, SG BBM

"Ein neues Kapitel in meinem Leben" - Ein Interview mit Karolina Kudlacz-Gloc

Karolina Kudlacz-GlocKarolina Kudlacz-Gloc
Quelle: sportseye.de
Wäre Karolina Kudlacz-Gloc eine Schriftstellerin, sie hätte in den letzten Monaten wohl so manche Seite ihres persönlichen Lebensbuchs gefüllt. Neben dem Wechsel zur SG BBM Bietigheim, öffnete sich mit der Geburt ihres Sohns vor kurzem ein weiteres ganz neues Kapitel.

Hallo Karolina, Du hast vor sechs Wochen dein erstes Kind zur Welt gebracht. Wie geht´s dir und vor allem: Wie geht´s dem Kleinen?

Karolina Kudlacz-Gloc:
Uns geht es gut. Das Kind wächst immer mehr, wird groß und gesund. Mir geht es auch ganz okay. Ich habe bereits schon wieder etwas angefangen zu trainieren und bin soweit im Plan.

Erzähl uns doch ein wenig über deinen Sohn. Gibt es schon erste Anzeichen auf eine erfolgreiche Handballkarriere in Zukunft?

Karolina Kudlacz-Gloc:
In der Tat ist er wirklich unglaublich stark. Sogar die Ärzte haben gesagt, dass das nicht normal sei. Dadurch, dass ich Handball spiele und mein Mann früher Fußball gespielt hat, gibt es für unseren Sohn quasi keinen anderen Weg, als später auch einmal sportlich zu sein. Ich hoffe sehr, dass Jakub einmal die sportliche Tradition unserer Familie fortführen wird.

Wie sehr beflügelt dich die Geburt deines Sohnes? Meinst du, du kommst noch stärker zurück oder zehrt das auch manchmal an den Kräften, wenn der Kleine nachts mal schreit?

Karolina Kudlacz-Gloc:
Insgesamt bin ich natürlich sehr glücklich. Ich denke auch, dass es allgemein ein guter Zeitpunkt war schwanger zu sein. Natürlich ist so eine Geburt aber auch keine einfache Sache. Da ich bisher noch nie in so einer Situation war, kann ich nicht sagen wie mein Körper das alles wegsteckt. Dennoch bin ich optimistisch und hoffe das alles zu schaffen.

Ein Kind zu bekommen bedeutet auch Verantwortung zu tragen. Wie geht Familie und Profisport zusammen? Wirst du entlastet von deinem Partner Jacek und der Familie?

Karolina Kudlacz-Gloc:
Das ist für uns alle eine komplett neue Situation und eine große neue Herausforderung. Trotz meines Berufs steht aber die Familie im Vordergrund. Ich hoffe mit der neuen Energie, die ich durch die Geburt bekommen habe, alles zu schaffen, mein Leben zu ordnen und sowohl Privates als auch das Berufliches gut zusammenzukriegen.

Du warst seit November 2016 nicht mehr auf dem Feld. Dennoch hast du nach der Geburt ziemlich schnell zu alter Form zurückgefunden. Ich habe gehört du hättest schon wieder so ziemlich das "alte Kampfgewicht". Wie ist dein aktueller körperlicher Zustand?

Karolina Kudlacz-Gloc:
Ja, das ist richtig. Mein Körper hat das alles sehr gut ertragen und eigentlich war ich fast bis zur Geburt im Training. Natürlich war das am Ende kein Wettkampftraining mehr, dennoch war ich bis einen Tag vor der Geburt noch joggen. Ich denke das ist auch der Grund dafür, warum mein Körper nach der Geburt so schnell wieder zurückgekommen ist. Mein Gewicht ist inzwischen wieder wie zuvor. Trotz allem darf man aber nicht zu viel auf einmal machen, da das unter Umständen auch gefährlich werden kann. Mit der Hilfe meines Trainers, in den ich großes Vertrauen habe, hoffe ich jedoch schnellstmöglich wieder auf dem Feld zu stehen.

Die Mannschaft war vergangene Woche im Trainingslager auf Lanzarote und hat erste Vorbereitungen auf die neue Saison getroffen. Wie weit weg bist du noch weg vom Team? Wann kannst du wieder voll mittrainieren und der Mannschaft helfen?

Karolina Kudlacz-Gloc:
Natürlich sind Dinge wie Zweikämpfe noch weit weg von mir. Da muss ich noch warten und diese Bewegungen erstmal wieder ganz langsam üben. Ab nächster Woche stehe ich aber wieder in der Halle und hoffe kein Problem dabei zu haben mich ins Team zu integrieren.

Nach 11 Jahren in Leipzig hast du nochmal eine neue Herausforderung in Bietigheim gesucht. Was waren die Gründe für deinen Wechsel und welche Ziele hast du mit der SG?

Karolina Kudlacz-Gloc:
Das waren viele, viele Stunden Gespräche und Überlegungen, bis es letztlich zur Entscheidung kam. Ich wollte aber unbedingt noch ein bisschen auf höchstem Niveau Handball spielen. Dabei war die Perspektive von allen Angeboten die ich hatte in Bietigheim am besten. Letztlich haben wir uns als Familie dazu entschieden in Deutschland zu bleiben. Mein Mann ist schon zwei Jahre in Deutschland und auch ich habe mich sehr gut an die deutsche Kultur gewöhnt. Bietigheim spielt um die höchsten Ziele in Deutschland und in der Champions League. Das passt auch zu meinen persönlichen Zielen. Ich hoffe daher sehr, hier glücklich zu werden und weiterhin viel Freude am Handball zu haben.

Du bist jetzt 32 Jahre alt. Viele Handballerinnen beenden in diesem Alter so langsam ihre Karriere. Wie lange bist du noch aktiv auf dem Feld und wann wirst du zur "Vollzeit-Mama"?

Karolina Kudlacz-Gloc:
Ich habe derzeit noch viel Spaß mit Handball. Ich bin fit und mein Körper macht weiter mit. Solange ich Spaß habe, möchte ich spielen. Wenn ich merke, dass mein Körper nicht mehr mitmacht und mein Abstand zu den anderen Spielerinnen wächst, werde ich die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Bisher wurde ich aber in jedem Jahr noch besser und noch stärker. Daher freue ich mich darauf meine Erfahrung jetzt endlich bewusst zu nutzen.

Wenn man im Internet nach deinem Namen sucht, stößt man auf eine beeindruckende Vita. Neben vier Pokalsiegen und zwei Meisterschaften in Deutschland hast du unter anderem auch den Supercup gewonnen. Welche Titel sollen mit der SG noch folgen?

Karolina Kudlacz-Gloc:
Bietigheim ist ein neues Kapitel in meinem Leben. Daher schaue ich gar nicht so sehr auf das, was ich bereits erreicht habe. Ich starte bei der SG bei null und möchte deshalb so viel wie möglich gewinnen. Die Mannschaft hat sehr viel Potential und ich freue mich darauf ein kleiner Teil davon zu werden. Ich hoffe auf viele schöne Jahre in Bietigheim.