04.08.2017 13:31 Uhr - 2. Bundesliga - PM TV Beyeröhde

Marieke Köhler im Interview: "Man freut sich über jeden Fortschritt"

Der 14. Januar 2017 war für Marieke Köhler ein einschneidender Tag, die 29-jährige Shooterin des TV Beyeröhde landete im Heimspiel gegen TuS Lintfort nach einem Sprungwurf unglücklich und musste vom Parkett - Diagnose: Kreuzbandriss. "Für viele Sportler in diesem Alter ein Grund, über die Fortführung der Karriere nachzudenken. Und auch bei Marieke Köhler saß der Schock zunächst tief, doch bereits nach kurzer Zeit entschied sie sich fürs Weitermachen", berichtet der Pressedienst des TVB. Mittlerweile ist Köhler wieder im Aufbautraining und hofft auf ein rasches Comeback. Frank Eckhoff  hat Marieke Köhler zu ihrer Verletzung, ihrem Comeback und dem neuen TVB befragt... 

Marieke KöhlerMarieke Köhler
Quelle: TVB
Hi Mieke, wie geht es dir allgemein, was macht dein Knie, wann kannst du wieder ins Training  einsteigen oder gibt es noch Einschränkungen? 

Marieke Köhler: 
Die OP ist am 1. August ja genau fünf Monate her. In der Regel braucht man ja sechs bis neun  Monate. Dafür bin ich schon sehr weit, ich kann natürlich noch nicht voll mitmachen. Ich habe einen  wirklich tollen Physiotherapeuten, ohne den wäre ich glaube ich längst nicht soweit. Man darf sich  nicht in Watte packen und packen lassen. Mir fehlt am linken Bein noch ein wenig Muskulatur und  das braucht seine Zeit. Die handballspezifischen Bewegungen, vor allem unter Körperkontakt stehen  bald an. Da muss ich mich in der Halle herantasten.   

Was ging dir nach der Diagnose durch den Kopf und du wusstest, dass es eine längere Auszeit geben  wird? Denkt man nach mehreren Verletzungen nicht auch schon mal an das Aufhören?  

Marieke Köhler: 
Man kennt seinen Körper und das hat sich diesmal schon anders angefühlt. Ich hatte ja noch nicht so  eine Verletzung in diesem Ausmaß. Die Worte vom Doc nach dem MRT "Kreuzbandriss" waren ein  Schock und ich war in erster Linie einfach traurig. Aber so aufzuhören war für mich nie eine Option.  Ich habe immer gesagt: Diese Verletzung hast du dir als Handballspielerin geholt und als Handballerin  möchte ich auch in die Reha gehen. Außerdem kribbelt es immer noch. Ich habe noch zu viel Spaß am  Handball und es gehört für mich gerade einfach noch zu meinem Leben dazu.  Man kann nie wissen,  wie sich die Dinge noch entwickeln. Aber jetzt aufhören, auf keinen Fall.     

Wie schwer ist es, zuzugucken und wie fühlt es sich an, wenn es wieder losgeht? 

Marieke Köhler: 
Während dem Spiel fiebere ich natürlich mit und habe einfach nur Lust mir das Trikot anzuziehen und  mitzuspielen. Wenn man dann wieder einen Ball in die Hand nimmt und die Übungen  handballspezifischer werden, kriegt man einfach noch mehr Bock. Das macht dann richtig Spaß und  man ist ganz euphorisch. Man macht das dann Schritt für Schritt und freut sich über jeden Fortschritt.  Das ist aber sehr harte Arbeit!   

Wie war für dich der Verlauf der letzten Saison von außen betrachtet, und was erwartest du von der  neuen Saison?

Marieke Köhler: 
Wir haben den Start ein wenig verschlafen und nicht unser ganzes Potential und die Stärken  abgerufen. In der Rückrunde, als ich dann leider mehr Zuschauer war, war das schon eine Mega?  Leistung. Die Mannschaft hat viele Verletzungen, kurzfristige sowie langfristige Ausfälle verkraften  können. Das zeugt schon von einem eingespielten Team mit einer guten Moral. Ich denke die neue  Saison wird sehr spannend. Wir haben einen neuen Trainer, vier gute Neuverpflichtungen. Da hat  sich einiges verändert. Das werden wir positiv ausnutzen!    

Wie beurteilst du die Neuzugänge? Der Konkurrenzkampf ist angekurbelt?

Marieke Köhler: 
  Alle vier sind nette Mädels und ja auch für die meisten keine unbekannten Gesichter. Einige haben  schon zusammen gespielt. Ich glaube, dass wir da einen ganz guten Fang gemacht haben. Klar, neue  Spielerinnen kurbeln den Konkurrenzkampf immer etwas an, weil sich alte Strukturen ändern. Das  wird aber allen gut tun und das ist einfach so im Handballsport.  

Welchen Eindruck hast du von deinem neuen Trainer? 

Marieke Köhler: 
Es ist ja alles noch ganz frisch, bin ja auch noch nicht jede Einheit dabei. Martin ist sehr strukturiert  und äußerst seine Vorstellungen einer Spielkultur deutlich. Außerdem legt er Wert auf ein  Miteinander auch abseits des Feldes durch z.B. das Organisieren von Teambuilding-Maßnahmen.   

Du spielst schon sehr lange Handball, hast viele Vereine durchlaufen. Wie unterschiedlich waren und  sind deine bisherigen Vereine? 

Marieke Köhler: 
Für mein Alter waren es gar nicht so viele. Ich habe in einem großartigen Dorfverein mit sechs das  Handballspielen begonnen, bin dann mit 15 von Borussia Dortmund geholt worden. Da wurde ich,  wenn man so will, ausgebildet bis zu meinem 21 Lebensjahr. Seinerzeit hatte ich schon ein  kurzfristiges Zweitspielrecht beim TV Beyeröhde. Dann war da noch ein Jahr in Greven, habe studiert  und gearbeitet. Das war eine ziemliche Fahrerei und sehr stressig. Zurück zum TV Beyeröhde und ein  Jahr Auszeit in Australien. Neun Monate in Solingen und dann wieder zurück zum TVB. Das war"s.   Der TVB ist ein sehr familiärer Verein. Man kennt die Menschen um sich herum und merkt, dass da  viel Herzblut mitspielt. Das schätze ich sehr!