19.07.2017 12:00 Uhr - 1. Bundesliga - Hans Joachim Steinbach, red

Über Vorbereitung, den HC Leipzig und die Meisterschaft: Herbert Müller im Interview

Herbert Müller startet mit dem THC in die achte BundesligasaisonHerbert Müller startet mit dem THC in die achte Bundesligasaison
Quelle: Hans Joachim Steinbach
In der vergangenen Spielzeit musste der Thüringer HC der SG BBM Bietigheim in der Meisterschaft den Vortritt lassen, doch das ist abgehakt. "Es geht wieder los - wir wollen alles dafür tun, um Bietigheim zumindest zu ärgern", richtet Herbert Müller eine Kampfansage an die Konkurrent. Hans Joachim Steinbach sprach zu Saisonbeginn mit dem THC-Cheftrainer, der sich in positiver Verfassung präsentierte ...

Am Montag seid ihr in die Saisonvorbereitung gestartet. Sind alle gut aus der Sommerpause zurück?

Herbert Müller:
Ich bin gut aus dem Urlaub gekommen und die Mannschaft ist auch vollzählig da. Ich freue mich sehr auf die Mädchen. Wir haben sechs Neue auf sechs Positionen, sozusagen eine neue Mannschaft. Auch die Mannschaft freut sich darauf, den Umbruch anzugehen. Seit der Saison 2013/14 mit Alexandrina Barbosa sind wir das erste Mal stärker als im Vorjahr aufgestellt. Bisher haben wir immer Top-Spielerinnen nach der Saison abgegeben, jetzt haben wir Top-Spielerinnen dazu bekommen. Wir sind definitiv stärker aufgestellt und wollen Bietigheim zumindest ärgern.

Wo liegen die neuen Stärken?

Herbert Müller:
Wir sind nicht nur auf einer, sondern auf etlichen Positionen stärker. Klar haben wir mit Manon Houette und Crina Pintea auch wieder Top-Spielerinnen verloren und das Karriereende von Katrin Engel schmerzt ebenfalls, aber wir haben uns doch super gut ergänzt. Mich freut besonders, dass wir junge, deutsch sprechende Spielerinnen, geholt haben. Das ist ausbaufähig, auch über die nächsten Jahre. Ich finde schon, in diesem Team steckt enormes Potential, wir sind in der Breite stärker und auf manchen Positionen sogar doppelt bis dreifach stark besetzt.

Der Abschied von Katrin Engel kam überraschend, auch für Dich?

Herbert Müller:
Ja schon. Katrin Engel ist eine ganz besondere THC-Spielerin, eine THC-Instanz. Über alle Jahre mit mir hat sie hier großartige Spiele gezeigt und manchen Titel, gerade in den ersten beiden Jahren, erst durch ihre entscheidenden Tore möglich gemacht. Sie hat nach dem Nationalmannschaftslehrgang darum gebeten, sie aus dem Vertrag zu entlassen, weil sie sich nunmehr beruflich und privat anders orientieren möchte. Dieser Bitte sind wir nachgekommen. Sie wird uns natürlich fehlen. Aber Katrin wird noch gebührend verabschiedet, sie bekommt noch ein Abschiedsspiel. Das wird ein besonderes Spiel zu einem besonderen Anlass.

Die Lücke wurde noch vor Saisonbeginn geschlossen?

Herbert Müller:
Ja, wir wussten ja um die Situation in Leipzig und dass Alex Mazzucco noch auf dem Markt war, und wir sind mit ihr schnell einig geworden. Ich bin echt froh, dass sie zu uns gestoßen ist. Sie ist jung, dynamisch, schnell - bringt enorm viel Potential mit und kann auch wieder den Sprung in die Nationalmannschaft schaffen.

Insolvenz und Zwangsabstieg in Leipzig, was sagst Du dazu?

Herbert Müller:
Mir persönlich tut dieser Abstieg ungeheuer leid, für den Frauenhandball in Deutschland, für Leipzig, für die Spielerinnen und Trainer. Die Derbys, die Duelle mit dem HC Leipzig waren doch immer ganz besondere Spiele, mit riesiger Zuschauerresonanz, enormer Spannung. Das war auch eine kurze Auswärtsfahrt, wir werden sie sehr vermissen.

Und der Nachrücker, der HC Rödertal - haben die überhaupt eine Chance in der 1. Liga?

Herbert Müller:
Ich freue mich schon, dass es Rödertal gewagt hat, eine Lizenz für die 1. Liga zu beantragen. Jeder Neuling hat es schwer. Sie werden sich noch verstärken, auch mit den restlichen Spielerinnen vom HC Leipzig, die bisher noch nicht gewechselt haben. Wir haben mit dem HC Rödertal sogar eine Kooperation vereinbart, wollen ein wenig zusammenwirken. So wird es zu Saisonbeginn sogar eine Doppelveranstaltung geben. Die Zweite trifft in der 1. Runde des DHB-Pokals auf den Aufsteiger und die erste wird vorher noch ein Freundschaftsspiel gegen die Rödertalbienen spielen. Auch Rödertal hat eine junge hoffnungsvolle Mannschaft mit Zukunft.

Stichwort Saisonbeginn - ihr beginnt gleich mit Champions League, wieder etwas Neues?

Herbert Müller:
Ja, die Saison beginnt in Nordhausen mit dem Qualifikationsturnier für die Champions League. Ein großes Dankeschön an Helmut Peter, der mit der Autogruppe Peter die Ausrichtung des Heimturniers möglich gemacht hat. Das wird ein großes sportliches Event gegen starke Gegner, die auch meine Wunschgegner sind. Über Hypo Niederösterreich brauchen wir nicht zu rätseln, das ist ein großer Name im Frauenhandball Europas. Die haben achtmal die Champions League gewonnen. Die anderen beiden, H65 Höörs HK, schwedischer Meister - unfassbar, dass sie im Finale Sävehof geschlagen haben - und Mecalia Atletico Guardes, spanischer Meister, haben wir noch nie gespielt. Wir wollen sie natürlich bezwingen und uns für die Gruppenphase qualifizieren.

Dort kommt es aber mit der Gruppe C, mit Vardar Skopje, Larvik HK und Budapest ganz schwer?

Herbert Müller:
Die Gruppe ist definitiv gleich wieder zu stark, hammerhart. Die schwerste Gruppe nach der Gruppe Györ mit Rostow/Don. Aber schauen wir mal, ich will gegen starke Teams spielen.

Starke Teams, das trifft auch auf die Ligaspitze zu. Wer spielt um die Meisterschaft?

Herbert Müller:
Definitiv ist die Liga in der Spitze nicht breiter, dafür aber stärker aufgestellt. Bietigheim hat sich noch einmal mit Karolina Kudlacz enorm verstärkt, aber ich tippe mal, mit null Minuspunkten gehen sie nicht durch die Saison. Metzingen tritt noch stärker auf, hat mit Kobyllinska im Rückraum rechts, mit einer Linksaußen von Györ, mit Shenia Minevskaja und auch mit Isabelle Roch im Tor gewaltig aufgerüstet. Aber ich glaube nicht nur an einen Dreikampf, um uns auch mit ins Spiel zu bringen. Wir wollen da oben mitmischen. Die ganze Mannschaft ist heiß. Klar, mit sechs Neuen, mit so einem Riesenumbruch müssen wir erst zu uns finden. Buxtehude wird da auch noch dabei sein. Wenn sie so eine Leistung wie im FINAL4 mal mit Konstanz zeigen, spielen sie um die Meisterschaft mit.

Sind denn alle gesund, alle Verletzten wieder an Deck?

Herbert Müller:
Es ist schon noch differenziert. Jana Krause ist noch in der Reha, wird aber bis zum Saisonbeginn fit. Anika Niederwieser ist voll da, braucht noch Kräftezuwachs, aber die Schulter funktioniert. Iveta Luzumova ist zu 100 Prozent wieder da. Ihre Hand ist ausgeheilt. Bei Beate funktioniert der Finger wieder, das ist ebenfalls ausgeheilt. Der Fuß braucht jedoch weiter eine Sonderbehandlung. Es gibt also für einige Spielerinnen eine differenzierte Vorbereitung. Aber bis zum Saisonbeginn sollten wir alles gesundheitlich fit hinbekommen. Auch Saskia Lang ist auf einem guten Weg, hat ein Rehaprogramm. Wir stehen voll hinter hier und werden abwarten, wie die HBF zum "Dopingvorwurf" entscheidet. Wir sind zu 100 Prozent sicher, dass sich das aufklärt, dass sie nichts "Verbotenes" genommen hat.