03.06.2017 14:24 Uhr - Weltmeisterschaft - Storyboard, PM

"Man kann in jedem Alter dazulernen" - Katja Kramarczyk im Interview

Katja KramarczykKatja Kramarczyk
Quelle: Ingrid Anderson-Jensen
Seit vielen Jahren gehört Katja Kramarczyk (33) zu den besten deutschen Torhüterinnen. 2012 und 2014 wurde sie zur Handballerin des Jahres gewählt. Im Februar wechselte die 130-fache Nationalspielerin vom HC Leipzig zu Bayer Leverkusen. Im Storyboard-Interview erzählt sie über ihre Eingewöhnung in Leverkusen, ihre prominenten Torhütertrainer und die zurückliegende Bundesligasaison.

Wie lange hat die Eingewöhnung in Leverkusen gedauert?

Katja Kramarczyk:
Gar nicht lange. Ich bin gut aufgenommen worden, kannte ja auch das Trainerteam um Renate Wolf und Andreas Thiel. Es wurde mir leicht gemacht.

Natürlich musste ich mich neu orientieren, was das Spielsystem angeht und wie die einzelnen Spielerinnen in bestimmten Situationen reagieren. Wie ist zum Beispiel ihre Konterverhalten? Das ist für einen Torhüter eine wichtige Frage und das bekommt man in erster Linie im Wettkampf mit. Insgesamt ist das ein Prozess, aber ich denke, er ist ganz gut gelaufen.

Was ist in Leverkusen anders als in Leipzig?

Katja Kramarczyk:
Bei Bayer ist der Kader größer, in Leipzig war er teilweise sehr arg geschrumpft. Ansonsten wird in beiden Vereinen Handball gearbeitet. Ich bin ja immer noch eine gewisse Zeit in Leipzig und trainiere dort auch weiter mit Torwarttrainer Wieland Schmidt.

Was unterscheidet die beiden einstigen Weltklassetorhüter, und was haben sie gemeinsam?

Katja Kramarczyk:
Thiel und Schmidt sind erst einmal im Welthandball große Namen. Von beiden kann ich viel lernen.

Auch wenn Sie, mit Verlaub, im fortgeschrittenen Handball-Alter sind?

Katja Kramarczyk:
Das hat damit nichts zu tun. Man kann in jedem Alter dazulernen. Andreas legt großen Wert auf die Athletik des Torwart-Spiels und baut im Training viele wettkampfähnliche Übungen ein, um auf den Punkt fit zu sein. Wieland hat enorm viele Wurfbilder von einzelnen Spielerinnen im Kopf, analysiert sehr viel und gibt Hinweise, wie entsprechend zu reagieren ist. Ich finde, die Kombination mit den Beiden tut mit sehr gut.

Insbesondere für die Torhüter hat sich einiges verändert, da der siebte Feldspieler nun nicht mehr extra ausgewiesen sein muss. Die Torhüter werden dadurch zu Sprintern, wenn sie aufs Feld zurückkehren. Wie sehen Sie diese neue Regel?

Katja Kramarczyk:
Ein großer Fan bin ich davon nicht. Ich sehe sie als taktische Variante in einer Notsituation, wenn man also ein Tor braucht. Aber sie bringt für den Torhüter natürlich mehr Unruhe, durch das Hin und Her. Nach meinem Gefühl wird der siebte Feldspieler nicht mehr so oft aufs Feld geschickt wie noch zu Beginn der Saison.

Hat sich durch die neue Regel das Torhütertraining verändert?

Katja Kramarczyk:
Schnell möchte man schon sein. Und daher haben wir zu Saisonbeginn in Leipzig auch Sprints von der Bank zurück ins Tor trainiert.

Warum hat Bietigheim in diesem Jahr die Liga so dominiert? Weil sie so stark oder die anderen nicht mehr so stark waren?

Katja Kramarczyk:
Vor allem deshalb, weil sie ein richtig starkes Team sind. Sie haben sehr gut gespielt und sind absolut verdient Meister geworden. Dahinter kommen mit dem THC und Metzingen auch gute Mannschaften. Und Buxtehude ist für mich so etwas wie der Gewinner der Saison, sie haben es richtig gut gemacht. Insgesamt ist das Mittelfeld sicher etwas dichter geworden.

Weil sich dort auch der HCL, die einstige Spitzenmannschaft und Ihr ehemaliger Verein, eingereiht hat?

Katja Kramarczyk:
Die Situation in Leipzig ist ja oft beschrieben worden, und sie war durch die vielen Ausfälle und Verletzungen auch sehr schwierig. Aber man hat gesehen, wie sich die jungen Spielerinnen reingekniet und durchaus gute Leistungen gezeigt haben. Der Verein schwebte lange auf einer rosa Wolke, jetzt muss er sich den Realitäten stellen und daraus seine Philosophie ableiten.

Leverkusen beendet die Saison als Achter. Wie ist dieser Platz zu bewerten?

Katja Kramarczyk:
In der Hinrunde blieb die Mannschaft deutlich unter ihren Möglichkeiten und holte daher wenig Punkte. Woran das lag kann ich nicht sagen, denn da war ich noch nicht dabei. In der Rückrunde haben wir bessere Spiele absolviert, mehr Siege eingefahren und in einigen Spielen auch das wahre Leistungsvermögen der Mannschaft gezeigt. Wenn wir daran anknüpfen, sollte in der nächsten Saison ein besserer Tabellenplatz möglich sein. Das ist auf jeden Fall mein Ziel, und da kann ich bestimmt für die gesamte Mannschaft sprechen.

Die lange Saison endet für die Nationalspielerinnen mit zwei Lehrgängen in Neckarsulm und Aschersleben sowie mit einem Länderspiel gegen Dänemark am 8. Juni in Aarhus. Hätten Sie nicht lieber gleich Ihren Urlaub angetreten?

Katja Kramarczyk:
Ein Lehrgang ist zu diesem Zeitpunkt nicht ungewöhnlich. Für uns ist es gut, noch weiter zu trainieren, weil wir so noch einmal an Details arbeiten können. Wir haben einen breiten Pool von Spielerinnen, zu dem auch viele junge gehören, die sich in diesen Tagen noch einmal anbieten können.

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