01.06.2017 17:57 Uhr - 1. Bundesliga - dpa

Leipzigs Abstieg in die 3. Liga - Das Ende einer Ära

Karolina Kudlacz-GlocKarolina Kudlacz-Gloc
Quelle: Sebastian Brauner
Der HC Leipzig war einst das sportliche Aushängeschild der Messestadt - mehrfach Sachsens Mannschaft des Jahres. Doch die Schuldenlast von 1,3 Millionen Euro ist zu hoch. Der HCL erhält keine Lizenz und steigt in die 3. Liga ab.

Einst nannte sich der HC Leipzig gern den FC Bayern des Frauen-Handballs, jetzt endet die Erfolgsgeschichte im Fiasko: Der hoch verschuldete sechsmalige deutsche Frauenmeister HC Leipzig erhält keine Lizenz für die kommende Bundesliga-Saison und steigt in die 3. Liga ab. Das teilte die Handball Bundesliga Frauen (HBF) am Donnerstag mit. Der HCL, bei dem aufgrund der Finanzmisere alle Topspielerinnen von Bord gehen, erfüllte die aufschiebende Bedingung bis zum 31. Mai nicht, hieß es in der HBF-Mitteilung.

Der siebenmalige DHB-Pokalsieger hatte die Lizenz am 19. Mai unter der Bedingung erhalten, das als Grundlage für den 200 000 Euro-Zuschuss der Stadt Leipzig notwendige Sanierungskonzept vollständig zu erfüllen. Das konnte der HCL nach Aussage der HBF aber nicht. Damit kommt das bittere Aus für das einstige sportliche Flaggschiff der Messestadt. Einen Nachrücker für den HCL wird es nicht geben. Somit gehen in der kommenden Saison in der Frauen-Bundesliga nur 13 Teams an den Start.

Wie Manager Kay-Sven Hähner, der sich maßgeblich für die Misere und die Schulden von 1,3 Millionen Euro verantwortlich sieht ("Ich habe meine Anteile daran, dass die Situation so ist, wie sie ist"), der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, prüft der Verein einen Einspruch. "Ein Einspruch ist schwer möglich", sagte der HBF-Vorsitzende Berndt Dugall und ergänzte: "Es ist ein harter Einschnitt für die Frauen-Bundesliga und sehr misslich, aber ich kann es nicht ändern."

Die finanziellen Probleme haben sich über Jahre aufgebaut. Waren die Leipzigerinnen, die mehrmals zu Sachsens Mannschaft des Jahres gewählt wurden, ab ihrem ersten deutschen Meistertitel 1998 das Top-Team der Stadt, kam nach dem Bundesliga-Aufstieg des SC DHfK Leipzig und nicht zuletzt durch Fußball-Bundesligist RB Leipzig massive sportliche Konkurrenz dazu. Zudem blieben die eigenen sportlichen Erfolge weitgehend aus.

Zudem sollen Sponsoren teilweise nicht mehr gezahlt oder ihr Engagement verringert haben. Zudem müssen sich die Kontrollinstanzen des Vereins den Vorwurf gefallen lassen, nicht richtig gearbeitet zu haben. Hähner war bisher alleiniger Entscheider. Bis zuletzt hatte Hähner noch die Hoffnung verbreitet, dass man bis zum 31. Mai das Sanierungskonzept umsetzen kann - was hieß: eine Million Euro aufbringen. Nur so hätte es den benötigten 200 000 Euro Zuschuss aus dem Leipziger Stadtrat, der dort aber umstritten war, gegeben.

Um diesen Betrag zu stemmen, hatte Hähner folgenden Plan: 600 000 Euro sollten von privaten Investoren fließen, 300 000 Euro durch Gläubigerverzichte und 100 000 Euro vom Unterstützerkonto, auf dem Geld gesammelt wurde. Wie die "Bild" berichtete, fehlte fast die Hälfte der erforderlichen Summe davon.

Wie es nun weitergeht, ist unklar. In Shenia Minevskaja, Anne Hubinger, Franziska Mietzner, Karolina Kudlacz-Gloc, Luisa Sturm sowie Saskia Lang verlassen nach dem Saisonende sechs Top-Spielerinnen den Verein. Schon während der Saison waren die Nationalspielerinnen Luisa Schulze und Katja Kramarczyk gegangen. Auch vom Junior-Team haben sich schon zahlreiche Spielerinnen verabschiedet. Somit sind noch zehn, vor allem junge Handballerinnen, übrig. Ob die anvisierten drei Neuzugänge, alles Stand vor der Lizenzentscheidung, verpflichtet werden, ist offen. Genauso der Verbleib von Trainer Norman Rentsch.