27.05.2017 18:42 Uhr - DHB-Pokal - jun

Krimi mit Siebenmeterwerfen: Metzingen ringt dezimierten THC nieder

Anna Loerper behielt im Siebenmeterwerfen die Nerven Anna Loerper behielt im Siebenmeterwerfen die Nerven
Quelle: Marco Schultz
Der Finalgegner des Buxtehuder SV heißt TuS Metzingen. Das Team von Edina Rott bezwang den Thüringer HC mit 23:22 (20:20, 6:7) im Siebenmeterwerfen. Die beiden Mannschaften lieferten sich einen heißen Fight über 60 Minuten, wobei der personell dezimierte THC den TuSsies bis zur letzten Spielminute alles abverlangte. Das Endspiel um den DHB-Pokal findet am morgigen Sonntag um 13 Uhr in der EgeTrans-Arena in Bietigheim statt.

Der Thüringer HC war mit nur neun Spielerinnen angereist, während Metzingen auf einen Kader von 15 Leuten zurückgreifen konnte. Der erste Treffer der Partie ging auf das Konto von Anna Loerper; die Nationalspielerin brachte die TuSsies mit 1:0 (2.) in Front, nachdem Katrin Engel den Ball kurz zuvor von der Siebenmeterlinie neben das Tor gesetzt hatte.

Im Vergleich zu der vorherigen Partie entwickelte sich dieses zweite Halbfinale eher schleppend, das Spiel lebte mehr von Kampf und Spannung als von schönen Ballstafetten - oder vielen Toren. Nach 14 Minuten stand es beim 4:4 weiterhin unentschieden und als Edina Rott vier Minuten später die Auszeit legte, hatte Loerper einen Angriff zuvor zum 5:5 getroffen. Zwei verworfene Strafwürfe später - einer auf jeder Seite - nahm auch Herbert Müller seine erste Auszeit; es stand immer noch 5:5.

Der THC hatte zwar nicht viele Wechselmöglichkeiten, kontrollierte jedoch das Tempo der Partie und ließ Metzingen nichts ins Laufen kommen. Die TuSsies ihrerseits taten sich gegen die fightende THC-Formation schwer, sodass es ausgeglichen blieb. Das Müller-Team überstand selbst eine doppelte Unterzahl nach Zeitstrafen gegen Schmelzer und Jakubisova unbeschadet und ging durch Engel kurz vor der Pause erneut in Führung. Mit 7:6 für den THC wurden die Seiten gewechselt.

Die zweite Halbzeit begann mit einem Treffer des Thüringer HC - Houette vergrößerte den Vorsprung per Gegenstoß auf 8:6 (32.), doch Kelly Vollebregt sorgte umgehend wieder für den Anschluss. Der THC behauptete seinen knappen Vorsprung jedoch, trotz einer Zeitstrafe gegen Crina Pintea, weiterhin und lag nach einem Treffer von Engel mit 11:9 (37.) in Front. Eckerle hatte zudem eine weitere starke Parade für sich verbuchen können.

In der 38. Spielminute dann der Schockmoment für die Thüringer. Wohlbold blieb nach einem Durchbruch am Boden liegen und verließ schließlich mit schmerzverzerrtem Gesicht, eine Hand auf dem Bauch, das Spielfeld. Für sie kam Pintea am Kreis, während Meike Schmelzer die Spielmacherposition übernahm. Der THC ließ sich jedoch auch davon nicht irritieren. Lydia Jakubisova und Houette erhöhten auf 13:9 (39.). Edina Rott reagierte mit einer Auszeit.

Die Ansprache zeigte Erfolg. Die TuSsies kämpften sich Tor um Tor heran und wussten die offensive Fehler des THC zu nutzen. Das Ergebnis war ein 4:1-Lauf, Nachdem Ina Großmann in der 45. Minute den Anschluss zum 14:13 hergestellt hatte, war es Müller, der die Grüne Karte legte. Seine Mannschaft stemmte sich weiterhin gegen Metzingen; auch Wohlbold war inzwischen auf das Feld zurückgekehrt.

Der Kräfteverschleiß machte sich vor allem an der nachlassenden Konzentration bemerkbar - und jeder Ballverlust des THC wurde von den TuSsies hart bestraft, die nun zunhemend auf das Tempo drückten. So gelang schließlich der Ausgleich: Julia Behnke erzielte nach einem schnell vorgetragenen Konter das 15:15 (49.). Macarena Aguilar Diaz tankte sich auf der anderen Seite jedoch ebenfalls durch und eroberte die Führung zurück (16:15, 50.).

In den folgenden Minuten standen erneut die Torhüter im Fokus: Zunächst parierte Eckerle einen Strafwurf gegen Loerper, dann nahm die extra eingewechselte Wendy Obein ihrer Kontrahentin Schmelzer einen Siebenmeter ab. Da Marlene Zapf kurz darauf von der Linie hingegen die Nerven bewahrte, kam Metzingen erneut zum Ausgleich - und Großmann legte, freigespielt im Konter, das 17:16 für die TuSsies nach (54.). Müller zog sofort die Auszeit.

Der THC-Coach griff nun noch einmal in die Taktikkiste und brachte die siebte Feldspielerin. Mit Erfolg. Engel konnte durchbrechen und ausgleichen. Auf der anderen Seite konterte Tonje Loseth jedoch umgehend mit einem Doppelpack und sorgte mit dem 19:17 (57.) für Jubel im pinken Fanblock. Der THC gab sich jedoch weiterhin nicht geschlagen und stellte den Anschluss noch einmal her.

Als Rott keine zwei Minuten vor dem Ende die letzte Grüne Karte legte, lag ihre Mannschaft mit 20:19 in Front. Durch einen Schrittfehler der Metzingerinnen kam der THC noch einmal in Ballbesitz und glich durch Pintea 40 Sekunden vor dem Ende noch einmal aus. Nun kochten die Emotionen hoch: Metzingen rannte an, verlor den Ball jedoch durch ein Stürmerfoul. Die Sekunden rannen von der Uhr und Schmelzer stieg hoch, doch ihr Tor wurde nicht anerkannt; stattdessen gab es einen letzten Freiwurf. Pintea trat an, doch die TuSsies blockten.

So musste die Entscheidung im Siebenmeterwerfen fallen - und hier wurde Wendy Obein zur Matchwinnerin. Die Torhüterin parierte die letzten beiden Würfe des THC, nachdem Jasmina Jankovic bereits den ersten Wurf abgewehrt hatte. Auch Eckerle konnte einen Wurf halten, doch Anna Loerper behielt beim fünften und letzten TuSsies-Versuch die Nerven, sodass Metzingen mit 23:22 den Einzug ins Finale feiern konnte.