20.05.2017 14:30 Uhr - 1. Bundesliga - cie

Neckarsulm: Transfercoup sorgt zehn Wochen später für Enttäuschung

Am 6. März vermeldete die Neckarsulmer Sport-Union mit Iveta Luzumova, Kapitänin der tschechischen Auswahl bei der EM in Schweden und zentrale Säule im Spiel des Thüringer HC, einen namhaften Zugang. Gemeinsam mit dem wenig später vermeldeten Verbleib von Alena Vojtiskova hatte der Club auf zwei zentralen Positionen früh die Weichen gestellt. Eine davon scheint nun aber weggebrochen: "Seit rund zwei Wochen strebt Luzumova jedoch keinen Vereinswechsel mehr an", so die Neckarsulmer SU in einer Pressemeldung zu den Vorgängen, die laut der Darstellung des Clubs um zwei parallele Arbeitsverträge sowie die früher bei der HBF eingegangene Vertragsanzeige des Thüringer HC kreisen.

Nach Darstellung des Vereins habe es von Seiten von Iveta Luzumova seit geraumer Zeit Bemühungen gegeben, den Arbeitsvertrag zu kündigen, in der Heilbronner Stimme wird erklärt, dass der Club seit Wochen keinen Kontakt mehr zur Spielerin herstellen konnte. "Die Aussicht, im nächsten Jahr mit dem THC in der Champions League spielen zu können, hat die Spielerin wankelmütig werden lassen und letztendlich umgestimmt", spekulierten die Neckarsulmer in einer Pressemeldung.

Dass der Wechsel doch noch stattfinde, glaubt der NSU-Vorsitzende Rolf Härdtner nicht: "Wenn die Spielerin nicht mehr kommen will, dann bringt es ja nichts, sie zu zwingen." Der Verein werde sich auf die Suche nach einer neuen Spielerin machen, wenn die Frage nach der Klassenzugehörigkeit geklärt sei. Vor dem heutigen letzten Spieltag liegt der Club einen Punkt vor Nellingen und könnte aufgrund der wesentlich besseren Tordifferenz den Klassenverbleib mit einem Unentschieden gegen Metzingen aus eigener Kraft sichern - oder müsste bei einer Niederlage darauf hoffen, dass die am letzten Wochenende im direkten Duell bezwungenen Nellingerinnen in Blomberg nicht doppelt punkten.

Der Klassenverbleib spielte auch eine zentrale Rolle in den Vorgängen um den Wechsel von Iveta Luzumova, der neue Vertrag sollte nur für die 1. Liga gültig sein. Der Verein erklärte, die bei der Ligavereinigung HBF notwendige Vertragsanzeige sei bislang nur deshalb noch nicht erfolgt, da noch keine Sicherheit hinsichtlich der Spielklasse bestehe. Allerdings sieht das Formular der HBF ausdrücklich auch eine solche Einschränkung vor: 1. und 2. Bundesliga sowie untere Ligen können bei dem Punkt "Der Vertrag ist für den Einsatz in den folgenden Ligen abgeschlossen" als zutreffend angekreuzt werden.

Die Vertragsanzeige ist im Bereich des DHB für das Spielrecht entscheidend. Dies regelt Paragraph 33 der Spielordnung: "Der Abschluss eines Vertrages ist der zuständigen Passstelle auf einem Formular der Verbände anzuzeigen. Der Zeitpunkt des Eingangs dieser Anzeige ist für die Erteilung der Spielberechtigung maßgeblich." Absatz zwei verdeutlicht: "Werden der Passstelle mehrere Vertragsanzeigen vorgelegt, ist für die Erteilung der Spielberechtigung diejenige maßgeblich, die zuerst eingegangen ist. Das Datum des Vertrages ist hierbei ohne Belang."

"Es konnte - unter Einbezug von Moral und gegenseitiger Fairness - schießlich niemand ahnen, dass die Spielerin parallel zwei Arbeitsverträge unterzeichnet und der Thüringer HC die Vertragsanzeige vorab stellt", erklärt die Neckarsulmer SU in ihrer Pressemeldung hinsichtlich der nicht bei Vertragsabschluss erfolgten Anzeige bei der Ligavereinigung und bestätigt somit, dass der Ligakonkurrent dem Verein hinsichtlich der Vertragsanzeige zuvor gekommen sei. In Sachen Spielrecht wären damit Fakten geschaffen worden, die Spielleitende Stelle der HBF würde gemäß der Spielordnung des DHB in diesem Fall das Spielrecht für den Thüringer HC erteilen.

Offen hingegen ist die arbeitsrechtliche Frage nach der Gültigkeit des Vertrags, bei der Spielerin und Verein unterschiedlicher Auffassung zu sein scheinen. Für eine Feststellung, ob der erste Vertrag Bestand hat und zur Klärung der sich daraus eventuell ableitenden Konsequenzen, könnten sich die beiden Parteien eventuell vor einem Arbeitsgericht treffen - wie auch im Handball in anderen Fällen bereits geschehen. "Es darf nicht sein, dass man mit den kleinen Neckarsulmern alles machen kann", kündigte der NSU-Vorsitzende Rolf Härdtner in der Heilbronner Stimme jedenfalls an, dass sich der Verein rechtliche Schritte vorbehalte.