07.05.2017 15:33 Uhr - 2. Bundesliga - PM Vereine, red

Nur sechs Gegentore nach dem Seitenwechsel - Ketsch gegen Lintfort im Rausch

Rebecca Engelhardt (l.) vor Loes VandewalRebecca Engelhardt (l.) vor Loes Vandewal
Quelle: TSG Ketsch
Das Endergebnis deutet darauf hin, dass die TSG Ketsch eine dominante Spielweise darbot. Doch bis zur Pause blieb es spannend. Trotz großer Gegenwehr und Mühe der Gäste des TuS Lintfort sicherten sich die Kurpfalz Bären einen deutlichen 34:18 (15:12)-Erfolg. Besonders in der Schluss-Viertelstunde ließen die Gasgeberinnen keine Zweifel am Sieg aufkommen.

Nach 21 Minuten hieß es in der Ketscher Neurotthalle 9:9, und die Zuschauer sahen dabei ein unterhaltsames Handballspiel zweier offensiv eingestellten Mannschaften. Auch zur Halbzeit war mit 15:12 noch nichts entschieden. Lintfort hatte nach dem Seitenwechsel zunächst einige Startprobleme und konnte erst in der 39. Minute das erste Tor zum 19:13 erzielen.

Beim 19:15 in der 45. Minute parierte Hannah Melching den Strafwurf und auch den Nachwurf von Loes Vandewal und leitete damit einen Sturmlauf der Bären ein, dem Lintfort nichts mehr entgegenzusetzen hatte. Damit war der Abstieg des TuS Lintfort besiegelt, und Trainerin Bettina Grenz-Klein musste leidgeprüft mit ansehen, wie die Gastgeberinnen ihre rasanten Angriffswellen erfolgreich abschlossen.

Bei Ketsch ragte neben Sabine Stockhorst im Tor die gerade erst 20-jährige Rebecca Engelhardt heraus. Als offensive Abwehrspezialistin eroberte sie viele Bälle, im Gegenstoß war sie unaufhaltsam und auf Linksaußen mit variantenreichen Aktionen stets gefährlich. Neben sechs blitzsauberen Toren holte sie noch fünf Siebenmeter heraus.

Auch Carmen Moser wird immer mehr zu einer festen Größe im Ketscher Spiel und steuerte acht sehenswerte Treffer bei. Yvo Roland verwandelte acht von neun Siebenmetern souverän, und Lena Feiniler kommt nach einer langen Verletzungspause wieder in die überragende Form, die sie im Aufstiegsjahr auszeichnete. Trainerin Kate Schneider kommentierte den Kantersieg eher zurückhaltend: "Lintfort hat es uns keineswegs leichtgemacht, und wir mussten alles aufbieten, um die Gegenwehr zu brechen."

Beim Lintforter Team setzte die Holländerin Loes Vandewal die Akzente. Nicht nur gingen mit 11 von 18 Gästetoren die Mehrzahl der Treffer auf ihr Konto, ihr dynamisches Angriffsverhalten setzte die Ketscher Abwehr ordentlich unter Druck. Dagegen blieben ihre Mitspielerinnen recht blass und ließen sich vor allem von Sabine Stockhorst den Schneid abkaufen. In der letzten Viertelstunde feierten die Bärenfans dann lautstark ihre Mannschaft, als die Gäste jede Gegenwehr einstellten und sich in ihr Schicksal fügten.

"Auch rechnerisch ist jetzt für uns alles klar und der Abstieg in die 3. Liga steht für den TuS Lintfort fest", leitet TuS Trainerin Bettina Grenz-Klein die Analyse des drittletzten Spieltages ein. "So, wie wir uns in der Rückrunde verkauft haben, sind wir auch definitiv nicht zweitligatauglich. Die Leistung in der zweiten Halbzeit in Ketsch hat dies ja nun ausdrücklich bestätigt", so die genervte Trainerin weiter.

Am kommenden Sonntag steht schon das letzte Heimspiel der Saison gegen den TV Beyeröhde an. "Da erwarte ich, dass wir im Duell der beiden besten Frauenmannschaften des Handballverbandes Niederrhein, vor unseren Fans eine Reaktion zeigen und eine kämpferische Einstellung zeigen", gibt Grenz-Klein die Richtung für das letzte Heimspiel in der zweiten Bundesliga an. Mit einer desaströsen Bilanz von 2:24 Punkten war ihr Team bisher in der Rückrunde absolut chancenlos.

Die Trainerin erwartet aber, dass sich die Mannschaft wenigstens mit Engagement in den letzten beiden Bundesligaspielen präsentiert und stellt dann eine Aufarbeitung der Pleitenserie in Aussicht. "Wir werden natürlich alles hinterfragen. Aber dabei werden wir auch die Frage beantworten müssen, ob es richtig war, sich schon früh darauf festzulegen, die Mannschaft zusammen zu halten. Offensichtlich hat das dazu geführt, dass einige Spielerinnen nicht mehr ganz bei der Sache sind und die Saison schon abgehakt haben", schließt Bettina Grenz-Klein ihre Bewertung der Niederlage ab, die Spuren beim TuS hinterlassen hat.