19.02.2007 19:54 Uhr - 2. Bundesliga Nord - Uwe Meier - cellesche-zeitung.de

Klarer Sieg im Niedersachsen-Derby: SVG Celle demontiert die "Wölfe"

Steuerte sieben Treffer zum Erfolg des SVG Celle bei: Waleria GalouzaSteuerte sieben Treffer zum Erfolg des SVG Celle bei: Waleria Galouza
Quelle: SVG
Mit einer eindrucksvollen Vorstellung nach dem Seitenwechsel hat Handball-Zweitligist SVG Celle den vierten Sieg in Folge verbucht und bleibt damit weiter Tabellenvierter. Beim Garßener 38:25 (15:12)-Erfolg im Niedersachsen-Derby gegen den VfL Wolfsburg hielten die Gäste die Partie nur zwanzig Minuten offen, anschließend setzte sich das druckvollere und schnellere Spiel der Gastgeberinnen durch, die bei einer 4:6-Unterzahl aus einem Rückstand eine Führung machten und anschließend die Partie sicher beherrschten.

Mit einem 38:25 (15:12)-Kantersieg über den VfL Wolfsburg hat Handball-Zweitligist SVG Celle seine Ambitionen eindrucksvoll unterstrichen. Nach dem höchsten Saisonsieg verbleibt die Garßener Mannschaft auf dem vierten Tabellenplatz und damit in der Playoff-Region. Der Kontakt zur Spitze ist hergestellt. Den gilt es zu verteidigen. Dazu wird die SVG-Mannschaft an den kommenden Spieltagen stark gefordert werden. Am Sonnabend reist Celle zum direkten Verfolger und Tabellensechsten TSV Nord Harrislee, der am 18. Spieltag dem Tabellenzweiten TV Beyeröhde beim 31:29-Erfolg die erste Heimniederlage der Saison beibrachte. Eine Woche später kommt es in der HBG-Halle zum Topspiel gegen Tabellenführer SC Greven 09.

Das Spiel gegen den VfL Wolfsburg hat allerdings gezeigt, dass der Garßener Aufwärtstrend anhält. Die Spielerinnen schaffen es mehr und mehr, ihr Potenzial abzurufen. Dennoch sah es am Sonnabend vor 800 Zuschauern in der HBG-Halle vorerst nicht nach einem solch klaren Erfolg aus. Wie schon in der Vorwoche gegen Recklinghausen dauerte es einige Zeit, bis das SVG-Spiel Fahrt aufnahm. Zu einem Teil mag das auch an den von Trainer Martin Kahle vorgenommenen Umstellungen in der Aufstellung im Zusammenhang gestanden haben. In der Anfangsformation hatte er sowohl auf Anja Grüneberg als auch Nina Sass verzichtet, die beide unter der Woche auf Grund gesundheitlicher Probleme nicht trainieren konnten. Zudem fehlte erneut Katrin Loyek (Fußverletzung).  
 
Zwar drückte SVG von Beginn an aufs Tempo, doch waren Abstimmungsprobleme besonders in der Defensive unverkennbar. "Die Abwehrleistung in der ersten Halbzeit hat mir überhaupt nicht gefallen", meinte Celles Torhüterin Turid Arndt. Wohl auch deshalb war von ihr im Spiel ein lautes "jetzt konzentriert euch doch endlich mal" in Richtung ihrer Mitspielerinnen zu hören gewesen. Worte, die allerdings vorerst ungehört blieben. Denn auch im Angriff unterliefen einige technische Fehler. Die Garßener Mannschaft bekam keine Sicherheit in ihre Aktionen. Wolfsburg nutzte die Schwächen, um in Führung zu gehen und diese bis weit in die erste Spielhälfte zu halten. In der 14. Minute hatte SVG-Trainer Martin Kahle beim 7:9 reagiert und in einer Auszeit sein Team umgestellt. Fortan stand die Abwehr besser, doch richtig rund lief es noch immer nicht.

Unterzahlspiel bringt die Wende

Als das Berliner Schiedsrichtergespann beim 9:10 (20.) zwei Garßener Spielerinnen innerhalb von 40 Sekunden vom Feld stellte, war der Ehrgeiz der Gastgeberinnen geweckt. Wolfsburg war sich seiner Sache offenbar zu sicher. Dagegen war das SVG-Team hellwach und ließ trotz der Dezimierung keinen Gegentreffer zu. Zudem tankte sich in dieser Phase auf der anderen Seite Nina Sass zwei Mal durch die gegnerische Abwehr und machte mit ihren Treffern aus dem Rückstand eine 11:10-Führung (22.). Das war die Wende. Denn während Celle nachlegte, markierte Wolfsburg zwischen der 17. und 27. Minute nicht einen Treffer und sah sich einem 10:14 gegenüber. Trotz der Garßener Pausenführung war Waleria Galouza mit dem Spiel nicht zufrieden. "Das können wir besser", meinte die 21-Jährige.

Wie viel besser, zeigte das SVG-Team nach dem Seitenwechsel. Wie schon in der Vorwoche beim Auswärtsspiel in Recklinghausen drehte Celle auf. In der Abwehr ließ man nun kaum noch etwas anbrennen und legte damit die Grundlage für das folgende Tor-Festival. Wolfsburg hatte dem Tabellenvierten, der weiter ein hohes Tempo ging und den Vorsprung kontinuierlich ausbaute, nur noch wenig entgegenzusetzen. Offenbar hat die Partie dem VfL zu viel Kraft gekostet. "Da lief für uns alles glatt", sagte Galouza zur SVG-Vorstellung im zweiten Abschnitt und sah den Grund in einem geschlossenen Auftritt des gesamten Teams. Gekonnt spielten die Gastgeberinnen die gegnerische Abwehr auseinander und entwickelten dabei von allen Positionen Torgefahr.

Ab der 51. Minute war beim VfL auch der letzte Funke Moral verschwunden. Garßen kannte kein Erbarmen, drehte noch einmal an der Temposchraube und sorgte damit dafür, dass bei den konditionell am Boden liegenden Wolfsburgerinnen alle Dämme brachen. Weder im Angriff noch in der Abwehr ging bei den Gästen noch etwas zusammen. So war es für SVG ein Leichtes, mit sieben Toren innerhalb von fünf Minuten aus einem 27:20 (51.) ein 34:20 (55.) zu machen und so unaufhaltsam dem höchsten Saisonsieg entgegen- zusteuern. Am Ende war dann auch die im ersten Abschnitt so verärgerte Torhüterin Turid Arndt wieder zufrieden: "Es geht doch."

Trainerstimmen

Andreas Kruse (VfL Wolfsburg): Nach einem solchen Spiel ist es natürlich schwer für mich, etwas zu sagen. Die erste Halbzeit ist aus unserer Sicht noch ganz gut verlaufen. Der Knackpunkt war, dass wir dann sechs Gegentore in Folge kassiert haben. Dennoch war zur Pause alles noch einigermaßen in Ordnung. Doch in der zweiten Halbzeit hatten wir keine Chance mehr gehabt. Ich habe meine Mannschaft nicht mehr wiedererkennen können. Das war für uns die erste richtige Packung in dieser Saison. Das lag sicherlich auch daran, dass wir in der Abwehr zu brav waren. Es ist uns nicht gelungen, fair und aggressiv zu decken.

Martin Kahle (SVG Celle): Im Großen und Ganzen mit bin ich mit dem Spiel zufrieden. In der Anfangsphase haben wir in der Abwehr viel zu passiv gespielt. Da konnten wir froh sein, dass das keine schlimmeren Ausmaße angenommen hatte. Nach der Auszeit wurde unser Spiel langsam besser. Dazu konnten wir das Tempo hochhalten. Wir wussten, dass wir Geduld haben müssen. Letztlich hat sich das ausgezahlt.