16.12.2016 15:00 Uhr - Europameisterschaft - Björn Pazen, dpa und fcb

"Person der Woche": Torhüterin Clara Woltering zwischen Mastbullen und Handbällen

Clara WolteringClara Woltering
Quelle: sportseye.de
Wenn sie am Samstag von der Europameisterschaft in Schweden zurück nach Hause kommt, warten 250 Mastbullen und 50 Hektar Land auf Clara Woltering. Die Torhüterin der deutschen Handballerinnen ist neben ihrer sportlichen Karriere die Juniorchefin auf dem elterlichen Bauernhof im Münsterland. Im Sommer 2015 kehrte sie nach vier Jahren als Vollprofi in Montenegro wieder in ihre Heimat zurück - nach zwei Champions-League-Titeln (2012 und 2015) mit Buducnost Podgorica.

Nun verbindet die 33-Jährige, die bei Borussia Dortmund spielt und deren Herz auch für die schwarz-gelben Fußballer schlägt, wieder Handball und Landwirtschaft. Für den kompletten Hof reicht ihre Zeit aber nicht. "Weil ich durch die anderen Bereiche des Betriebs sowie den Sport so stark eingebunden bin, haben wir unsere Hühnerställe für 92 000 Masthähnchen derzeit verpachtet", sagt die Agrartechnologin.

Bei der EM in Schweden ist Woltering in der deutschen Mannschaft, die am Freitag um Platz fünf gegen Rumänien spielt, das Aushängeschild. Mit 65 abgewehrten Würfen ist sie laut EM-Statistik die zweitbeste Torfrau nach der für die SG Bietigheim spielende Niederländerin Tess Wester.

"Wenn mir vor dem Turnier jemand gesagt hätte, ihr geht da durch die Hauptrunde und verliert kein einziges Spiel: Top! Hut ab vor den Mädels! Hut ab vor diesem Team, vor dieser Courage, die sie die ganze Zeit gezeigt haben", gibt Woltering das Lob an ihre Mannschaft weiter. "Wir haben nicht locker gelassen. Jetzt noch ein weiteres Spiel zu bekommen, ist sensationell."

Gerade der 28:22-Sieg gegen Schweden hat der Torhüterin gefallen. "Die Konstanz war wirklich lange da", analysiert Woltering. "Man muss sagen, dass die Schweden alles reingeworfen haben. Sie haben es aber nie geschafft, wirklich ranzukommen. Es ist natürlich stark, wenn man so einem Druck dann standhält und dann einfach sein eigenes Ding spielen kann."

Dreimal wurde die Dortmunderin bereits zur besten Spielerin einer Partie gekürt, zuletzt am Mittwoch beim gegen den Gastgeber im letzten Hauptrundenspiel, als sie 16 Würfe abwehrte. "Hat Spaß gemacht", kommentierte sie danach trocken. Als Preise gab es insgesamt drei Sonnenbrillen, zwei Geschirrtücher, zwei Tassen und eine Glaskugel. "Mit Ausnahme der Sonnenbrillen habe ich die Sachen verschenkt", sagt Woltering, die bis 2011 bei Bayer Leverkusen gespielt hatte - und dort die harte Schule des langjährigen Nationaltorhüters Andreas Thiel durchlaufen hatte.

Wie Thiel ist sie auf dem Feld laut, abseits aber eher ruhig: "Natürlich weiß ich, dass ich gerade ein gutes Turnier spiele, aber es werden auch andere Zeiten kommen. Wichtiger ist, dass wir uns als Mannschaft weiterentwickelt haben", sagt Woltering. Neben Kim Naidzinavicius und Anne Hubinger ist sie als dritte Deutsche für die All-Star-Wahl der EURO in Schweden nominiert worden.

Dass sie angesichts der überragenden EM-Leistungen noch einmal zu einem europäischen Topclub wechselt, schließt sie aber aus: "Dann werde ich enterbt. Ich bin meinen Eltern dankbar, dass ich vier Jahre in Montenegro spielen konnte. Der Deal war dann aber auch, dass ich den Hof irgendwann übernehme."

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