16.12.2016 12:00 Uhr - Europameisterschaft - Felix Buß - handball-world.com

"Das funktioniert jetzt einfach": Jenny Karolius im Interview

Jenny KaroliusJenny Karolius
Quelle: sportseye.de
Mit 30 Jahren spielt Jenny Karolius ihre erste Europameisterschaft. Die gebürtige Berlinerin, die seit 2014 für Bayer Leverkusen spielt, spricht mit handball-world.com über ihre Rolle bei den DHB-Ladies, die bisherige Europameisterschaft, das noch anstehende Spiel um den fünften Platz. Auch die Zusammenarbeit mit Bundestrainer Michael Biegler und mit Julia Behnke in Abwehr und Angriff kommt zur Sprache. Für das letzte Hauptrundenspiel gegen Gastgeber Schweden sei die Vorgabe gewesen, "kleine Einheit in der großen Arena" zu sein: Wie das gallische Dorf bei Asterix und Obelix.

Jenny, wie geht es dir nach fast zwei Wochen Europameisterschaft?

Jenny Karolius:
Der Sieg gegen Gastgeber Schweden war ja eine super Krönung, dazu noch vor dieser Kulisse. Da war schon cool. Michael hat uns vor dem Spiel gesagt, dass wir die kleine Einheit in der großen Arena sein werden, sein sollen und bleiben müssen. Wie das gallische Dorf bei Asterix und Obelix. (lächelt) Ich finde, das haben wir gut geschafft. Das hatten wir uns auch wirklich zum Ziel gesetzt, dass wir uns von der Kulisse nicht rausbringen lassen, sondern, dass wir einfach unser Ding machen.

Ihr habt jetzt noch ein Spiel gegen Rumänien. Was bedeutet dir das?

Jenny Karolius:
Das wollen wir zum Ende der Europameisterschaft natürlich auch erfolgreich bestreiten. Ich glaube, die Rumäninnen sind eigentlich ganz gut drauf. Das wird noch mal ein richtiger Kracher. Da müssen wir uns noch mal richtig ins Zeug legen. Das läuft nicht von alleine, sondern da müssen wir noch mal alles reinstecken!

Du spielst gerade deine erste Europameisterschaft und hast bisher 175 Minuten auf dem Feld gestanden, die achthöchste Einsatzzeit im Team. Hast du dir das so ausgemalt?

Jenny Karolius:
Ich war ja schon bei allen Vorbereitungsspielen immer positiv überrascht, dass ich immer so viel gespielt habe. Das hat ja bei meinem Debüt, in der Schweiz, schon angefangen. Ich war bei meinem ersten Länderspiel in der Startaufstellung. (überlegt kurz) Ich musste mich erst einmal darauf einstellen, als Michael mir das damals gesagt hat. Dass ich nun auch hier in Schweden immer anfangen darf, gibt mir sehr viel Selbstbewusstsein.

Ich finde es übrigens super, wie Michael darauf achtet, dass wir nicht verheizt werden. Er wechselt ja sehr viel. Er fragt auch immer, wie es geht, wie es körperlich geht, weil er einfach nicht will, dass wir total ausgebrannt sind am Ende des Turniers. Das ist sehr angenehm. (lächelt)

Wie ist Michael Biegler eigentlich als Trainer?

Jenny Karolius:
Er kommt sehr locker rüber. Er schafft es, uns auf den Punkt zu fokussieren, und dann steht er auf einmal neben dir, macht einen Scherz und lacht dich an. Diese Mischung, auch in seinen Ansprachen, ist ganz besonders: Er fängt ganz normal und leise an, lässt auch mal ein Späßchen einfließen. Und auf einmal wird er so richtig laut und man sitzt da und denkt: ja, ich habe verstanden, worum es jetzt geht. Das schafft er auf den Punkt. Da hilft ihm sicher seine Erfahrung. Auf der Bank wirkt er ja nach außen hin und wieder wie ein Brummbär. Aber der Eindruck täuscht, würde ich sagen.

Wir haben uns im November über deine Rolle im Team unterhalten. Wie beurteilst du die Entwicklung seither?

Jenny Karolius:
Ich habe sie auf jeden Fall besser angenommen (lächelt). Ich habe gemerkt, wie ich von Spiel zu Spiel besser in meine Rolle hineingewachsen bin. In der Abwehr habe ich viel Kontakt zu Michael auf der Bank, damit ich das aufnehmen und gemeinsam mit der Mannschaft umsetzen kann, was er sehen möchte. Das funktioniert jetzt einfach. Ich muss nicht mehr darüber nachdenken. Das ist schon sehr gut geworden.

Mit Julia Behnke teile ich mir die Spielzeit zudem perfekt auf. Es gab zum Beispiel ein Spiel, in dem ich nur Abwehr und sie nur Angriff gespielt hat. Diese Aufteilung kommt uns auch beiden zugute, dass wir Kräfte sparen und uns einfach auf unser Bestes konzentrieren können, um die Mannschaft als ganze voranzubringen.

Du hast gegen Schweden in der Deckung auf Halb gespielt, um Isabell Klein zu "ersetzen"…

Jenny Karolius:
… und um auch Anne Hubinger Pausen zu geben. Das war erst einmal eine neue Situation für mich. Michael hatte mir das vor dem Spiel schon gesagt, dass ich mich darauf einstellen soll. Ich habe mich dann mit der Situation beschäftigt. Man muss ja anders auf Halb agieren als, wie für mich gewohnt, im Mittelblock. Aber da hilft mir meine Erfahrung auch weiter. Ich habe ein gutes Gefühl dafür, wann ich meiner Nebenspielerin helfen muss und zwar so, dass ich meine Gegenspielerin im Auge behalte. Ich finde, das habe ich ganz gut gemacht. Ich arbeite da, wo Michael Biegler mich hinstellt. Dann gebe ich dort mein Bestes.

Linst man schon ein bisschen auf die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr oder ist das momentan bei dir noch kein Thema?

Jenny Karolius:
Für mich ist da noch so weit weg! Wir haben noch so viele Lehrgänge vorher. Wir haben auch noch so viele kleine Ziele, die wir bis dahin erreichen möchten, dass das eigentlich noch ganz weit weg ist.

Gibt es für diese Zwischenziele einen richtigen Zeitplan?

Jenny Karolius:
Michael Biegler hat uns schon einen Ausblick gegeben, wann wir welches Ziel gemeinsam erreichen wollen, bis wann wir welchen Schritt getan haben möchten. Ich gehe davon aus, dass er ein Konzept und einen Zeitplan bis nächsten Dezember hat. Schon in der Vorbereitung und im Turnier hat er immer wieder daran erinnert, dass wir bis zu einem bestimmten Datum bestimmte Dinge draufhaben müssen. Und das scheint ja gut zu funktionieren (lächelt).