13.12.2016 17:06 Uhr - Europameisterschaft - Felix Buß

Anna Loerper vor Schweden-Spiel: "Die Müdigkeit haken wir ab!"

Anna LoerperAnna Loerper
Quelle: sportseye.de
Anna Loerper ist die etatmäßige Spielmacherin der deutschen Mannschaft bei dieser Europameisterschaft. Gegen Spanien stand sie phasenweise gemeinsam mit Kerstin Wohlbold, der in Schweden eher eine Jokerrolle zukommt, auf dem Feld. Am Ruhetag, am Dienstagabend ist noch eine Besprechung, trainiert wird am Mittwochmorgen, stellte sich die Metzingerin den Fragen unseres Redakteurs. "Die Müdigkeit haken wir ab!", sei es bedeutsam, einen Tag auszuruhen, um voll fokussiert in das Spiel gegen Schweden zu gehen. "Das ist erst einmal wichtig für das Projekt. Die Mannschaft hat gegen Spanien wieder Charakter gezeigt", sagt Loerper und wendet sich den taktischen Herausforderungen gegen Schweden zu.

Ihr habt, bis auf eine abendliche Besprechung, einen Ruhetag vor dem letzten Hauptrundenspiel. Ist das nach 27 Tagen, die ihr bisher zusammen verbracht habt, nicht merkwürdig?

Anna Loerper:
(Lacht) Naja, wir hatten zwischendurch mal in Leverkusen einen halben Tag frei. Und nach dem Länderspiel in Trier war der Vormittag frei. Ganz so merkwürdig ist es also nicht. Ich denke auch, dass es die richtige Taktik ist, um die Akkus wieder aufzuladen. Das wird jetzt wichtig sein. Man hat gegen Spanien am Anfang gemerkt, dass wir müde waren und dass wir dagegen ankämpfen mussten. Da ist dieser freie Tag, der ja lange geplant war, sicher das richtige Mittel.

Du hast es gesagt: Ihr wirktet gegen Spanien am Anfang ein wenig müde. Ihr habt dieses Spiel aber noch gedreht. Wie wichtig ist das, in Hinblick auf das entscheidende Spiel gegen Schweden?

Anna Loerper:
Erst einmal ist das wichtig für das Projekt. Die Mannschaft hat wieder Charakter gezeigt. Dass wir dieses Spiel unbedingt drehen wollten. Wir sind sicherlich nicht gut ins Spiel gestartet, das ist ganz klar. Aber wir haben dann in der zweiten Halbzeit wirklich alles in die Waagschale geworfen. Fast hätte es noch zu einem Sieg gereicht.

Dementsprechend kann man sagen, dass man in diesem Projekt, in Hinblick auf die Weltmeisterschaft im eigenen Land, wieder einen Schritt weiter sind: Wir können auch solche Spiele am Ende wieder offen gestalten. Was dieser Punkt bringt, das vermag ich noch gar nicht zu sagen. Das kann ich auch gar nicht einschätzen. Wir konzentrieren uns ganz klar auf Schweden, dass wir da unseren Sieg einfahren. Am Ende wird abgerechnet!

Ihr habt in der Vorbereitung zweimal gegen Schweden gespielt. Wie steht ihr inzwischen als Mannschaft da, außer dass ihr vielleicht ein bisschen müde seid?

Anna Loerper:
Also die Müdigkeit haken wir ab! Es ist ja auch natürlich, dass man im Verlauf eines Turniers vielleicht ein, zwei Mal nicht ganz so spritzig ist. Das werden wir ganz schnell wieder ablegen.

Ich denke, wir haben uns seit den Länderspielen im Oktober sehr stark entwickelt: Unsere Abwehr steht deutlich besser, wir haben viel mehr Tiefe drin und eine bessere Schrägstellung. Wir sind kompakter, haben eine bessere Kommunikation und arbeiten besser zusammen.

Wir sind einfach gefestigter in vielen Bereichen. Wir haben immer wieder Aufgaben gestellt bekommen und wir haben uns an diesen entwickelt. Und das über diesen gesamten Turnierverlauf. Das müssen wir Schweden jetzt auch zeigen, dass wir uns als Team so weit entwickelt haben! Dann wird es noch einmal schwieriger, uns zu schlagen. Die Testspiele gingen ja beide unentschieden aus…

Ihr habt gegen Spanien teilweise mit zwei Spielerinnen gespielt, mit Kerstin Wohlbold und dir. Welche Bedeutung hat es, dass das gut funktioniert hat?

Anna Loerper:
Mit Kerstin zusammen zu spielen gegen eine offensive Abwehr hat sicherlich Sinn. Wir sind beide stark im Eins-gegen-Eins, wir sind schneller als unsere großen Shooter. Es ist ja immer dem Gegner geschuldet, welche Formation und welche taktischen Maßnahmen man wählt. Klar haben wir da aber richtig Druck auf die Abwehr gemacht. Dann auch noch gemeinsam mit Isabell als einer kleineren, schnelleren Spielerin haben wir vieles richtig gemacht.

Du hast Isabell Klein erwähnt. Sie hat sich in der Schlussminute gegen Spanien bei einer unglücklichen Aktion verletzt. Kannst du einschätzen, wie es ihr geht?

Anna Loerper:
Sie war am Dienstagmorgen im Krankenhaus und wurde untersucht. Wir müssen die Ergebnisse abwarten. Es hat sie hart getroffen, aber uns als Team auch. Aber ich bin mir sicher, dass wir in unserer Mannschaft so gefestigt sind, dass wir, wenn es denn dazu kommen sollte, diesen Verlust wegstecken können.

Wir hatten schon über den Angriff gesprochen. Schweden ist eine sehr konterstarke und schnell spielende Mannschaft. Was müsst ihr gegen sie besser machen als es gegen Spanien zumindest in der ersten Halbzeit gelungen ist?

Anna Loerper:
Ich finde, es geht nicht immer nur um den Angriff. Natürlich ist „Angriff“ immer auch ein Stück weit Ballverteidigung, dass man den Ball nicht zu oft leichtfertig abgibt. Aber unser Rückzugsverhalten wird entscheidend sein. Wir haben im ersten Testspiel gegen Schweden in der Vorbereitung einen überragenden Rückzug gezeigt. Wir haben wenige Gegenstöße zugelassen. Daran müssen wir uns erinnern und das dann wieder so abrufen!