14.12.2016 11:00 Uhr - Europameisterschaft - Felix Buß

"Interview der Woche": Dinah Eckerle und die DHB-Ladies wollen "kontrolliert Vollgas geben"

Dinah EckerleDinah Eckerle
Quelle: sportseye.de
Im fünften EM-Spiel hatte sie in der 27. Spielminute ihre Premiere bei einer Europameisterschaft: Dinah Eckerle. Die 21-Jährige war als Reservistin mit dem DHB-Kader nach Schweden mitgereist. "Michael hat von Anfang an gesagt, dass wir alle drei ein wichtiger Teil des Teams sind und dass er uns alle drei auch hier in Schweden haben möchte", war dann gegen Spanien der große Tag für die Torhüterin des Thüringer HC gekommen. Allerdings war der Einsatz von Eckerle mehrere Tage im Voraus geplant. Im Interview spricht sie darüber, wie sie sich auf ihr Debüt vorbereitet hat, wie die drei DHB-Torhüterinnen zusammenarbeiten, welchen Input sie bekommen und worauf es gegen Schweden ankommen wird.

Dinah, Michael Biegler hat gestern erzählt, dass er dir vier Tage vor dem Spiel gegen Spanien schon gesagt hat, dass du spielen wirst. Einige Zeit für Vorfreude …

Dinah Eckerle:
Ich bin ja seit dem Anfang der Vorbereitung mit dabei, habe die zweit Wochen in Leverkusen voll mitgemacht. Michael hat von Anfang an gesagt, dass wir alle drei ein wichtiger Teil des Teams sind und dass er uns alle drei auch hier in Schweden haben möchte. Natürlich hat es mich aber riesig gefreut, als er mir sagte, dass ich eingewechselt werde. Dass ich dann gestern spielen durfte, ist das i-Tüpfelchen.

Hast du denn damit gerechnet, dass du gegen Spanien so große Spielanteile haben würdest?

Dinah Eckerle:
Ehrlich gesagt nein. Clara hat ja im ganzen Turnier überragend gehalten. Ich war deswegen schon überrascht, also Michael am Ende der ersten Halbzeit gemeint hat: "Dinah, mach dich fertig." Aber ich hatte mich die ganze Zeit mental schon darauf vorbereitet, dass das immer passieren kann. Im Handball geht das ja schnell, dass man dann mal eingewechselt wird.

Du hast von mentaler Vorbereitung gesprochen. Kannst du dazu einen kleinen Einblick geben?

Dinah Eckerle:
Man muss es sich im Kopf immer wieder vorstellen, wie es wäre, wenn man eingewechselt wird. Dann kann man mit der Situation schon so ein bisschen umgehen. Auch wenn man vielleicht noch nie in der Situation war.

Es ist ja dein erstes Spiel überhaupt bei einer Europameisterschaft gewesen ...

Dinah Eckerle:
Genau. Das habe ich so ein bisschen probiert, und es hat glaube ich ganz gut geklappt.

Hast du für das Spiel noch viel Video geschaut?

Dinah Eckerle:
Ja. Wir schauen alle drei immer zusammen Videos. Wir haben mit Łukasz Kalwa einen überragenden Videomann dabei, der uns für jede Spielerin immer die Clips zusammenschneidet. Da bereiten wir uns auf jedes Spiel mit vielen Videos vor.

Jan Holpert ist in Schweden auch mit dabei ...

Dinah Eckerle:
Genau. Er ist unser Torwarttrainer. Ich hatte auch schon andere männliche Torwarttrainer. Ich komme damit gut klar. Er hat natürlich auch einen unheimlichen Erfahrungsschatz durch Bundesliga und alles Mögliche. Er gibt das gut weiter.

Und er weiß natürlich, dass wir Frauen körperlich anders aufgestellt sind als die Männer, das muss man schon so sagen. Aber er weiß sehr gut damit umzugehen und gibt uns wertvolle Tipps und hilft uns.

Wie bist du denn mit deiner eigenen Leistung im Spiel gegen Spanien zufrieden?

Dinah Eckerle:
Ich bin schon zufrieden, natürlich. Aber es ist immer noch ein bisschen Wehmut darüber da, dass wir die zwei Punkte nicht mitgenommen haben. Darüber denke ich mehr nach, weil ein Sieg sensationell für uns gewesen wäre. Es ist sehr schade, dass wir nicht zwei Punkte aus diesem Spiel mitnehmen konnten.

Aber wir haben in der zweiten Halbzeit gezeigt, dass wir eine Mannschaft darstellen, die kämpft, die Leidenschaft hat und die alles für unseren Traum gibt. Ich denke, da haben wir gegen Spanien einen weiteren ganz großen Schritt in die richtige Richtung gemacht.

Was ist denn der "Traum" hier bei der EM in Schweden?

Dinah Eckerle:
Der Traum hier in Schweden ist erst einmal, so viele Spiele wie möglich zu machen. Wir haben vor dem Spiel gegen Spanien gesagt, dass wir es unbedingt gewinnen wollen. Dann haben wir dieses Spiel um Platz fünf schon in der Tasche. Das ist uns leider nicht gelungen. Deswegen wollen wir gegen Schweden alles daran setzen, dass wir das verwirklichen können und dass wir dieses Spiel um Platz fünf noch erreichen, gegen einen sehr guten Gegner aus der anderen Gruppe. Und dass wir dort noch einmal 60 Minuten Zeit haben, um uns weiterzuentwickeln.

Worauf wird es denn ankommen gegen Schweden?

Dinah Eckerle:
Ich denke, dass es darauf ankommt, dass wir wieder eine kompakte Abwehr stellen. Das war in den letzten Spielen das kleinere Problem. Im Angriff müssen wir unsere Durchschlagskraft maximieren! Da sind schnelle Tore erforderlich, auch durch unsere Außen. Das wird ganz wichtig sein. So wollen wir ausnutzen, dass die Schwedinnen schon ein wenig angeschlagen wirken.

Tut das manchmal ein bisschen weh, wenn man hinten gut hält und vorne der Ball verloren geht?

Dinah Eckerle:
Es ist eigentlich eher sehr ermüdend, für die ganze Mannschaft. Es ist natürlich unheimlich anstrengend, sowohl für die Abwehr als auch für den Torhüter, den Ball dann wieder zu erkämpfen, egal ob gehalten oder geblockt. Wenn man den Ball vorne leicht weggibt, ist das auch immer ermüdend für die Psyche. Das ist im Spiel gegen Spanien einige Male passiert. Aber wir haben in der Deckung nicht aufgegeben. Das war gut!

Gegen Schweden kommt es nun also darauf an, von Beginn an in der Deckung Vollgas zu geben?

Dinah Eckerle:
Genau. Aber kontrolliert Vollgas! Wir hatten gegen Spanien ein paar Situationen, in denen wir die Bälle weggeschmissen haben. Aber wir haben ein gutes Tempospiel, wir haben sehr gute Außen. Und ich denke, das können wir auch ausnutzen!

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