12.12.2016 17:48 Uhr - Europameisterschaft - Felix Buß - handball-world.com

Klasseleistung von Eckerle ermöglicht DHB-Team Remis gegen Spanien

Dinah Eckerle trug mit sechs Paraden (46 %) zur Punkteteilung beiDinah Eckerle trug mit sechs Paraden (46 %) zur Punkteteilung bei
Quelle: sportseye.de
Gegen die Spanierinnen, die aufgrund des Todes des frühen Nationaltrainers José Antonio Roncero mit einer weißen Armbinde aufliefen, erwartete das DHB-Team ein hartes Stück Arbeit. Übernervös ermöglichte man der Seleccion eine 12:7-Vorlage, fand dann aber kurz vor der Pause besser ins Spiel. Die Aufholjagd mündete zunächst im 14:13 (37.). Spanien schien zurückzuschlagen, agierte jedoch nicht sicher genug, um den Siegeswillen der DHB-Ladies zu untergraben. In einer äußerst umkämpften Schlussphase rang Deutschland Spanien ein 20:20-Remis ab und darf weiter vom Halbfinale träumen. Macarena Aguilar zog in dem Spiel als Rekord-EM-Spielerin mit Marta Mangué gleich. Isabell Klein verletzte sich im Zweikampf.

Wie schon im ersten Hauptrundenspiel gegen die Serbinnen, das am Ende klar gewonnen wurde, verpatzte die deutsche Sieben den ersten Angriff. Kapitänin Anna Loerper glich den ersten Treffer der Ibererinnen aus. Cabral scheiterte danach von der Markierung an Woltering. Svenja Huber patzte beim Siebenmeter ebenfalls, sie warf mit voller Kraft am Tor vorbei. Beide Mannschaften wirkten überaus nervös und leisteten sich einige technische Fehler und schwache Abschlüsse. So stand es nach acht Minuten, Tempogegenstoß Cabral, nach elf Torwürfen gerade einmal 2:2. Cabral legte dann für Spanien nach, doch Anne Hubinger zeigte sich ebenfalls in Wurflaune und egalisierte.

Spanien lauerte in der frühen Phase geschickt auf Ballverluste der Deutschen. Cabral war beim 5:3 (11.) wieder schnell vorne, Michael Biegler zu einer frühen Auszeit bewegte. Die Spanierinnen wussten auch danach gegnerische Torwürfe aus dem Rückraum zu blocken. Das DHB-Team konnte sich derweil auf Clara Woltering verlassen, die den Spielstand dreieinhalb Minuten lang festhielt. Die Nervosität ihrer Vorderleute war, in allen Bereichen, auch im Umschaltspiel, noch immer sehr deutlich zu spüren. Michael Biegler reagierte und schickte "Joker" Kerstin Wohlbold aufs Feld, die mit ihrer energetischen Spielweise für das 6:4 (15.) sorgte. Aber Cabral setzte einen weiteren Nadelstich.

Silvia Navarro glänzte bisher mit vier Paraden bei acht Würfen auf ihren Kasten und stärkte ihren Mitspielerinnen den Rücken. Spanien gelang in der frühen Phase fast alles, seien es ein direkter Ballgewinn nach dem deutschen Abwurf oder leichte Durchbrüche nach gewonnenen Zweikämpfen.

Team Deutschland setzte derweil sogar einen Ballgewinn von Jenny Karolius in den Sand, da Huber den Ball im Gegenstoß mit einem Aufsetzer, der zu einer Bogenlampe wurde, am Tor vorbei schickte. Macarena Aguilar antwortete mit dem 9:5 (20.), Pena erhöhte von der Markierung auf fünf Tore.

Der deutschen Sieben mangelte es an Kommunikation, das "Gut so!" von Clara Woltering nach einem erkämpften Freiwurf war eine Ausnahme. Die Routinerin im Tor war sichtlich unzufrieden damit, wie sich ihre Mitspielerinnen anstellten. Wohlbold wurde ihrer Jokerrolle auch nicht so gut gerecht.

Michael Biegler blieb trotz aller Unzulänglichkeiten ruhig und schien in Gedanken versunken. Dinah Eckerle rückte nach 26 Minuten (12:7) zwischen die Pfosten. Auch Alicia Stolle und Julia Behnke wurden eingewechselt. Hubinger und Bölk verkürzten auf 12:9. Diesen Spielstand hielt Navarro fest.

Spanien hatte es vor der Pause verpasst, eine frühzeitige Vorentscheidung herbeizuführen und stattdessen drei Ballverluste nacheinander verbucht. Die DHB-Auswahl hatte die Fehler genutzt um ins Spiel zu kommen. Die 15 Minuten Unterbrechung der Halbzeit-Pause schienen aber all das Gute bei Schwarz-Rot-Gold wieder zu verwischen. Eine zu defensiv eingestellte Katrin Wohlbold lud Spanien zum Siebenmeter-Werfen ein, Nerea Pena stellte auf 14:9 (31.). Die deutsche Mannschaft zeigte aber Moral, kämpfte sich über die Deckung auf 14:11 heran und feierte jetzt jede gelungene Aktion, wie aus guter Gewohnheit. Huber verwertete ein Siebenmeter-Geschenk zum 14:12 (36.).

Emily Bölk setzte sich beim 14:13 nach einer Finte kraftvoll durch. Es schien ein Strohfeuer zu sein, denn die guten Phasen waren bisher zu kurz, um Optimismus zu verbreiten. Ein 4:0-Lauf der Seleccion, vollendet von Amaia Gonzalez, bedeutete nach 42 Minuten einen 17:13-Rückstand. Die Spanierinnen schienen stets zu wissen, was auf sie zu kam. Die Klasse-Leistung von Dinah Eckerle im Tor beförderte die Mannschaft beim 18:17 (48.) dennoch erneut auf Augenhöhe.

Trotz zweier Fehlwürfe von Behnke blieb es dramatisch. Nach einer guten Abwehraktion von Bölk gegen Mireya Gonzalez erkämpfte die Metzingerin aber den Strafwurf, den Huber zum 19:18 (52.) ummünzte. Und nach einem Fehlwurf von Aguilar egalisierte Naidzinavicius mit einem Wurf ins verwaiste Tor. Eckerle traf zur 19:20-Führung. Spanien leistete sich gegen eine gute Deckung viele individuelle Fehler. Die DHB-Ladies spielten derweil mit zwei Spielmacherinnen, Wohlbold und Loerper. Doch Silvia Navarro hielt die spanischen Hoffnungen aufrecht. Gegen Huber verhinderte sie das 20:21. 56 Sekunden verblieben. Klein ging bei einem Zweikampf zu Boden. Ein Tor fiel nicht mehr.