11.12.2016 13:30 Uhr - Europameisterschaft - fcb

"Ich habe gemerkt, dass ich diese Rolle für mich annehmen muss" - Kerstin Wohlbold im Interview

Kerstin Wohlbold: "Ich denke, die Spanierinnen werden gegen uns um ihre letzte Chance kämpfen."Kerstin Wohlbold: "Ich denke, die Spanierinnen werden gegen uns um ihre letzte Chance kämpfen."
Quelle: sportseye.de
Bei dem gestrigen 26:19-Sieg der deutschen Frauen-Nationalmannschaft in der Hauptrunde gegen Serbien trug Kerstin Wohlbold mit zwei eigenen Treffern zum Erfolg der DHB-Damen bei. Im Interview sprach die Rückraumspielerin über die neue Unterkunft in Göteborg, über ihre vermeintliche Rolle als "Joker und über die kommenden Spiele gegen Spanien und Schweden.

Kerstin, ihr seid vorgestern zur Hauptrunde nach Göteborg umgezogen. Wie fühlt ihr euch hier?

Kerstin Wohlbold:
Von der Stadt haben wir natürlich noch nichts gesehen, aber Göteborg ist ja deutlich größer als Kristianstad und die Gothia Towers, in denen wir untergebracht sind, sind natürlich schon imponierend. Es ist immer etwas los. Ob das immer so gut ist, wenn man bei einer Europameisterschaft ist, weiß ich nicht. Aber Langeweile entsteht nicht.

Uns bieten sich hier super Bedingungen. Wir laufen durch einen Gang durch, dann sind wir schon in der Halle. Das ist natürlich toll, wenn man nicht in einen Bus einsteigen muss und irgendwo hinfahren muss und wieder aussteigen muss, um in die Trainingshalle oder zum Spielort zu kommen. Normalerweise muss man immer alles mitnehmen und darf ja nichts vergessen. Das ist natürlich super: Wir laufen hier rüber und sind in der Halle. So können wir uns voll konzentrieren. Und auch die Trainingsbedingungen sind super. Man hat einfach kurze Wege, und das erleichtert das Ganze schon sehr.

Zu deiner Rolle im Team: Du kommst jedenfalls häufig von der Bank und warst bisher selten in der Sieben, die anfängt. Es wirkt so, als würde Michael Biegler dich als "Joker" einsetzen…

Kerstin Wohlbold:
(lacht) Ja! Am Anfang war das für mich ungewohnt, weil ich das von zuhause nicht kenne. Aber ich denke, ich habe mich inzwischen in bisschen in diese Rolle reingefunden. Ich bin froh, wenn ich dem Team helfen kann. Und wenn es von alleine läuft, bin ich auch froh. Ich bin halt auch keine 18-jährige Spielerin mehr, die 60 Minuten auf der Platte stehen muss. Es ist für mich vollkommen in Ordnung, dass ich reinkomme, wenn es vielleicht mal nicht so läuft oder wenn eine Mitspielerin eine Pause braucht, dass ich dann einspringe und dann aber auch voll da bin und dem Team helfe.

Das ist natürlich eine andere Rolle, wie ich sie zuhause lebe. Daher muss man erst so ein bisschen reinfinden. Ich habe gemerkt, dass ich diese Rolle für mich annehmen muss. Aber so, wie es jetzt läuft, ist alles perfekt. So kann ich das auch vollkommen annehmen und, ich hoffe, auch richtig umsetzen. Ich versuche, wenn ich reinkomme, zu helfen. Ja, es macht einfach Spaß. Wir sind einfach ein Team. Wir haben einen großen Teamgeist. Das wirkt auch nach außen so. Ich kriege dazu lauter positive Rückmeldungen, dass man uns anmerkt, dass wir eine Mannschaft, ein Team, sind. Das ist natürlich schön zu hören. Aber man spürt es auch innerhalb des Teams.

Michael Biegler wechselt meiner Wahrnehmung nach auch mehr, als andere Trainer. Trägt das auch zu diesem Teamgeist bei?

Kerstin Wohlbold:
Ich glaube, dass viel gewechselt wird, ist auch ganz wichtig! Wenn man so ein Turnier mit voller Power überstehen möchte, ist es ganz wichtig, dass man viel wechselt. Ich glaube, man hat gerade gegen die Serbinnen unseren Vorteil gesehen: Die waren einfach stehend K.O., die waren platt. Die haben wir einfach überrannt, haben sie demoralisiert. Weil wir gut auf sie eingestellt waren. Dann ist es umso schwieriger, wenn man müde wird, gegen so einen Gegner bestehen zu können.

Ich glaube, dass wir das gezeigt haben, dass wir eben noch diese Substanz haben, weil Michael eben auch eine ganz gute Wechseltaktik hat und ein ganz gutes Händchen dafür und weiß, wann er wen bringen muss. Dadurch gibt er auch jeder Spielerin die nötigen Pausen. Ich hoffe, dass wir das weiter durchziehen können, dass wir die Kräfte gut verteilen und somit eben auch über ein ganzes Turnier bestehen können.

Ihr habt jetzt in der Hauptrunde noch zwei schwere Spiele, gegen die Spanierinnen, die wiedererstarkt zu sein scheinen und gegen den Gastgeber, Schweden. Beide Mannschaften stehen eigentlich unter Zugzwang…

Kerstin Wohlbold:
Ich denke, die Spanierinnen werden gegen uns um ihre letzte Chance kämpfen, das Halbfinale zu erreichen. Sie haben natürlich am Samstag gegen Frankreich eine bittere Niederlage hinnehmen müssen. Das ist für sie natürlich auch erst einmal ein Schock. Man muss sehen, wie sie damit umgehen. Wir werden uns auf jeden Fall gut auf sie vorbereiten. Wir haben gegen Frankreich, im Hotel oder in der Halle, die erste Halbzeit der Spanierinnen gesehen und haben ihre Stärken herausgearbeitet: Gerade in der Abwehr waren sie sehr aggressiv, und sie haben auch gute Rückraumschützen ausgepackt. Eigentlich ist ja mehr das individuelle Spiel ihres. Aber da habe ich auch einige gute Würfe aus dem Rückraum gesehen. Wir müssen uns also gut vorbereiten.

Dennoch glaube ich, dass diese Niederlage gegen Frankreich schon noch ein bisschen in ihnen stecken wird. Die war doch sehr bitter und die Chance, im Turnier noch etwas erreichen zu können, ist gering für sie. Wenn wir gegen die Spanierinnen gleich mit voller Power und mit unseren Emotionen angehen, dann hoffe ich, dass wir eine gute Siegmöglichkeit haben werden.

Und im dritten Spiel, gegen die Schweden im eigenen Land, ist es immer schwer. Das ist ganz klar. Egal, ob es noch um etwas geht oder nicht. Schweden will natürlich in jedem Spiel punkten. Wir auch (lächelt). Aber Schweden hat die ganze Halle hinter sich. Es wird im Scandinavium bestimmt von Tag zu Tag auch noch voller. Dann ist es immer schwer. Aber: Es ist auch wunderschön, wenn man vor acht- bis zehntausend Zuschauern spielen darf, das ist für einen Handballer etwas ganz Phänomenales!

In welchen Punkten könnt ihr euch noch verbessern? Ihr habt ja gegen Serbien eine sehr starke Deckung hingestellt…

Kerstin Wohlbold:
In der Abwehr haben wir fleißig gearbeitet, vor jedem Spiel. Wir haben uns die Spielzüge der Gegner angeschaut, wir haben die einzelnen Spielerinnen im Video studiert und wir haben taktisch im Training agiert. Ich glaube, das hat man gegen die Serbien zum ersten Mal so richtig gesehen: Dass wir einfach wussten, was kommt! Wir wussten, was die für eine Taktik an den Tag legen!

Im Angriff gibt es, glaube ich, schon noch einige Potenziale, bestimmten Spielsituationen besser zu nutzen. Wir können bestimmt die zweite Welle noch dynamischer vortragen, wir können bestimmt die erste Welle noch ausbauen. Auch im Angriff werden wir in den nächsten beiden Spielen individuell noch besser performen. Da geht definitiv noch eine Stufe mehr!

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