11.12.2016 00:43 Uhr - Europameisterschaft - chs

Maura Visser nach Blauer Karte: "Habe so eine Entscheidung noch niemals gesehen"

Maura Visser Maura Visser
Quelle: sportseye.de
Maura Visser hat Geschichte geschrieben. Die Niederländerin der SG BBM Bietigheim hat in der 41. Minute der Hauptrundenpartie gegen Schweden die erste Blaue Karte einer EHF Europameisterschaft gesehen.

"Ich kann nur beschreiben, wie ich die Situation erlebt habe: Der Ball springt aus dem Torraum, ich bekomme ihn zu fassen und möchte ein Tor erzielen. Die Torhüterin geht in die kurze Ecke. Ich treffe sie natürlich im Gesicht, aber sie steht nicht", erklärt Visser im Nachgang der Partie und betont: "Ich habe so eine Entscheidung noch niemals gesehen."

Wenn die Schiedsrichter - nach dem Zeigen der Roten Karte - auch noch die Blaue Karte zeigen, wird ein schriftlicher Bericht in den Spielbericht aufgenommen und die Disziplinarkommission ist für weitere Maßnahmen verantwortlich. "Eigentlich ist die Blaue Karte somit keine Regeländerung, sondern ein zusätzlicher Service - damit alle Leute in der Halle wissen: Ah, da steckt mehr hinter!", erklärte IHF-Schiedsrichterchef Manfred Prause nach der Bekanntgabe des neuen Regelwerks gegenüber handball-world.com und ergänzte: "Die blaue Karte kann von der ersten bis zur sechzigsten Minute gezeigt werden - sie hat mit der Reform der Regel zur letzten Minuten nichts zu tun."

Rote Karte für Kopftreffer werden üblicherweise nur aus sogenannten Standardsituationen vergeben - sei es bei einem Siebenmeter oder direkt ausgeführten Freiwurf. Nach Meinung der kroatischen Schiedsrichter war Vissers Aktion gegen Bundsen gemäß dem Regelwerk "besonders rücksichtslos oder besonders gefährlich" (8.6a).

"Natürlich ist das hart. Wir brauchen sie in unserem Spiel", so ihre Mitspielerin Nycke Groot. "Wir haben genug Spielerinnen, die Handball spielen können und die heute einen guten Job gemacht haben. Von daher warten wir ab, wie es im nächsten Spiel aussieht." Trainerin Helle Thomsen wollte die Situation nicht kommentieren und erklärte: "Ich habe die Situation nicht gesehen."

Visser selbst hofft nun, dass es keine Sperre für den weiteren Turnierverlauf gibt. " Ich weiß nicht, ob der Verband etwas für mich tun kann. Sie werden es vermutlich versuchen. Wir werden sehen, ob ich im nächsten Spiel auflaufen darf", so die Bietigheimerin. In der Hauptrunde treffen die Niederländerinnen noch auf Serbien (12.12.) und Spanien (14.12.). Für den Einzug ins Finalwochenende benötigt der Vizeweltmeister mindestens noch einen Sieg, muss aber auch auf Punktverluste von Deutschland oder Frankreich hoffen.