09.12.2016 12:24 Uhr - Europameisterschaft - Julia Nikoleit

Maura Visser steht mit den Niederlanden in der Hauptrunde: "Einfach glücklich"

Maura Visser im Spiel gegen FrankreichMaura Visser im Spiel gegen Frankreich
Quelle: Michael Schmidt
Nach dem Krimi gegen Frankreich stand Maura Visser in der Mixed-Zone in den Katakomben der Arena Kristianstad und strahlte über das ganze Gesicht. Nach dem 18:17 über den Olympia-Zweiten stehen die Niederlande in der EM-Hauptrunde und nehmen trotz der Auftaktniederlage gegen Deutschland zwei Punkte mit. "Ich kann es kaum glauben", stellte Visser sprachlos fest. "Es war einfach ein großer Kampf - wir haben alle füreinander gekämpft, es war eine tolle Mannschaftsleistung."

Dabei sahen die Niederlande über weite Strecken des Spieles schon wie der sichere Verlierer aus. Die Französinnen führten zur Pause mit 12:7, Alexandra Lacrabere schraubte den Vorsprung kurz nach der Pause noch auf sechs Treffer in die Höhe. Das Team von Helle Thomsen steckte jedoch nicht auf. Angeführt von Visser, die mit fünf Toren beste Werferin war, kämpften sich die Niederlande zurück - auch dank der Paraden von Vissers Mannschaftskollegin Tess Wester.

"Ich weiß nicht, was da passiert ist", zeigte sich Visser selbst überrascht ob der unglaublichen Aufholjagd. "Wir haben einfach gesagt, die zweite Halbzeit kämpfen wir bis zum Umfallen." Das gelang: Nur fünf Tore ließen die Niederlande nach Wiederanpfiff zu und behielten auch in der heißen Schlussphase die Nerven.

"Wir sind wirklich gut zurückgekommen", freut sich die 31 Jahre alte Spielmacherin. "Die erste Halbzeit war noch nicht so, aber wir hatten danach halt nichts mehr zu verlieren. Denn man weiß ja, dass es schwierig wird, wenn man mit null Punkten weiterkommt."

Nun nehmen die Niederlande zwei Zähler mit in die Hauptrunde - ebenso wie Frankreich, das Deutschland besiegte und die DHB-Auswahl, welche die Niederlande bezwang. Alle drei Teams siegten zudem gegen die ausgeschiedenen Polen. "Jetzt noch alles drin", freut sich Visser. "Wir werden von Spiel zu Spiel gucken. Ich denke, wir haben eine richtig gute Abwehr gespielt, aber wir könnten unsere Konter noch besser laufen und einfache Tore machen."

Für die routinierte Visser - eine von sieben Spielerinnen im niederländischen Kader, die in der deutschen Bundesliga auflaufen - ist die Teilnahme an der EM ein unerwarteter Höhepunkt in ihrer Karriere. In den Planung von Ex-Coach Henk Groener, der das Team Oranje bei der vergangenen Weltmeisterschaft zur Silbermedaille führte, spielte die Regisseurin der SG BBM Bietigheim keine Rolle, jahrelang fehlte sie im Aufgebot. Erst die neue Nationaltrainer Helle Thomsen holte Visser zurück, die so nach der Teilnahme an der EM 2010 und dem damaligen 5. Platz wieder bei einem Großturnier aufläuft.

"Ich bin richtig, richtig glücklich, dass ich ein Teil dieser Mannschaft sein darf", erklärte die Spielmacherin strahlend. "Es macht einfach Spaß, mit den Mädels zu spielen." So richtig begreifen kann sie es nicht. "Ich muss das alles erstmal sacken lassen", so Visser weiter. In der Hauptrunde warten nun Schweden, Serbien und Spanien auf die Niederländerinnen. "Wir werden analysieren, was haben wir gut gemacht und was wir besser machen können", blickt die 31-Jährige auf die nächsten Aufgaben voraus - und fügte kurz und bündig an: "Ich freue mich einfach drauf!"