07.12.2016 08:26 Uhr - Europameisterschaft - jun

"Clara hatte einen Riesen-Tag": Drei Fragen an ... Anna Loerper

Anna LoerperAnna Loerper
Quelle: Michael Schmidt
Mit 20:22 musste sich die deutsche Mannschaft im zweiten EM-Spiel gegen Frankreich geschlagen geben. "Wir uns das Leben aber selber schwer und bringen Frankreich mit unseren eigenen Fehlern zurück ins Spiel", analysierte Spielmacherin Anna Loerper nach Abpfiff. Die Kapitänin der DHB-Auswahl zog jedoch auch positive Schlüsse aus dem Spiel - und lobte Torfrau Clara Woltering ...

Anna, eine knappe Niederlage gegen Frankreich - was war aus deiner Sicht der entscheidende Faktor, dass es am Ende nicht gereicht hat?

Anna Loerper:
Wir haben es nicht ganz geschafft, in der zweiten Halbzeit unsere Struktur wiederzufinden. Ich denke, die ersten 20 Minuten waren wir sehr strukturiert und sehr diszipliniert. Wir haben bis zur richtigen Chance gespielt, uns in der Abwehr nicht locken lassen und hatten Frankreich so bei einem 8:4. Da wurden sie wirklich nervös, haben durchgewechselt und Abwehrvarianten ausprobiert. Da sprach das Momentum für uns.

Dann machen wir uns das Leben aber selber schwer und bringen Frankreich mit unseren eigenen Fehlern zurück ins Spiel. Ich kann nicht sagen, dass Frankreich mich in der Phase mit irgendetwas überrascht hat, was wir nicht wussten. Wir waren gut vorbereitet.

Dann stand es zur Halbzeit 11:11 und in der zweiten Hälfte haben wir es einfach nicht geschafft, zu diesem strukturierten Spiel zurückzukommen. Wir haben natürlich bis zum Ende gekämpft, das zeichnet uns aus! Dass wir das Spiel am Ende nicht mit vier, sondern mit zwei Treffern verlieren, zeigt ganz klar, dass wir jedes Tor haben wollten. Leider hat es zwischendurch jedoch nicht ganz so gut gepasst, dass wir das noch aufholen konnten.

Die Struktur fehlte ja vor allem im Angriff, oder? Denn 22 Tore zu kassieren, ist gegen Frankreich ja grundsätzlich ein akzeptabler Wert ...

Anna Loerper:
Das stimmt, gerade Clara hatte einen Riesen-Tag und hat eine wahnsinnig gute Leistung gezeigt. Sie hat ganz viele freie Bälle weggenommen. 22 Tore sind natürlich eine sehr, sehr gute Leistung für Abwehr- und Torwartspiel zusammen, aber 20 Tore im Angriff sind deutlich zu wenig. Wir haben viele Chancen ausgelassen, haben aber vor allem auch viele Bälle verloren. Wir haben wie gesagt nicht mehr so strukturiert gespielt und waren nicht mehr geduldig genug, um da mehr Tore zu machen.

Was könnt ihr aus dem Spiel in die Partie gegen Polen mitnehmen?

Anna Loerper:
Die gute Anfangsphase. Frankreich ist Vize-Olympiasieger - es ist Wahnsinn, dass wir da nur mit zwei Toren verlieren. Wir arbeiten jetzt weiter aufgabenorientiert. Es war von Anfang an unsere Prämisse, als wir ins Turnier reingegangen sind und davon weichen wir auch nicht ab. Auch Niederlagen werden uns ein Stück weit weiterbringen. Keiner von uns hat erwartet, dass wir hier mit 6:0-Punkten durchmarschieren. Dem sind wir uns bewusst und so können wir aus unseren Fehlern lernen und ich bin mir auch sicher, dass wir eine gute Aufarbeitung und eine gute Vorbereitung machen werden. Dass wir gegen Polen gut gerüstet ins Spiel gehen werden.