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04.12.2016 11:55 Uhr - Europameisterschaft - red

"Fühlen uns richtig gut vorbereitet" - Biegler und seine Ladies starten heute in die EM

Mit dem Spiel gegen den WM-Zweiten Niederlande starten das deutsche Team am heutigen Sonntag in die Europameisterschaft in Schweden - sport1.de überträgt ab 18.20 Uhr im Livestream. Die Ziele scheinen auf den ersten Blick zurückhaltend: 2006 standen Clara Woltering und Anna Loerper mit den deutschen Handballerinnen bei der EM in Schweden noch im Halbfinale und wurden am Ende Vierter. Zehn Jahre danach fallen die Ziele der beiden Routiniers mit dem deutlich verjüngten DHB-Team deutlich bescheidener aus: Bei den Titelkämpfen an gleicher Stätte soll zumindest der Einzug in die Hauptrunde gelingen. Nötig ist dafür Platz 3 in der Gruppe. Ein gelungener Auftakt gegen den WM-Zweiten Niederlande wäre ein wichtiger Schritt, danach warten der Olympia-Zweite Frankreich und zum Abschluss der WM-Vierte Polen.

Der vielleicht größte Hoffnungsträger steht an der Seitenlinie: Trainer Michael Biegler. Nach dreißig Jahren im Männerhandball soll der die deutschen Frauen spätestens bei der Weltmeisterschaft 2017 im eigenen Land wieder in die Weltspitze führen, die EM in Schweden ist eine Zwischenstation auf dem Weg dorthin - zumal das Team große Personalsorgen plagen: In seinem ersten Turnier als Bundestrainer fehlen Biegler Stammkräfte wie Nadja Nadgornaja (schwanger), Shenia Minewvskaja oder Xenia Smits (beide verletzt). Auf Susann Müller, WM-Torschützenkönigin von 2013, verzichtet er freiwillig.

Dafür setzt der 55-Jährige ganz auf die Jugend: In Emily Bölk (18) und Alicia Stolle (20) stehen zwei Talente vor ihrem ersten Turnier im Frauenbereich, die 2014 mit der Jugend-Auswahl WM-Silber gewannen. "Wir wollen in die Hauptrunde, aber nicht, um irgendein konkretes Ergebnis zu erreichen, sondern um Wettkampfpraxis gegen Topmannschaften für unser großes Ziel zu sammeln", sagte Bundestrainer Michael Biegler. Das große Ziel ist das Halbfinale bei der Heim-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr. Wichtiger Schlüssel auf dem Weg dorthin soll die Begeisterung sein, die in Gesprächen mit Biegler und seinen "Ladies" immer wieder fällt.

"Michael Biegler hat seit seinem Amtsantritt in alle Bereiche viel Bewegung reingebracht", sagte Spielführerin Anna Loerper beispielsweise bereits vor der Abreise nach Schweden. Im Januar dieses Jahres verlor Biegler seinen Job als Trainer des Männer-Bundesligisten HSV Hamburg, weil dieser Insolvenz anmeldete. Nur zwei Wochen später kündigte der frühere Leichtathlet als Nationaltrainer der polnischen Männer, weil man bei der Heim-EM nach einem desolaten Blackout das eigentlich sicher gewähnte Ticket in das Halbfinale verpasste. Der DHB überzeugte Biegler vom Wechsel in den Frauenbereich, der neue Bundestrainer nahm die Herausforderung und arbeitete sich akribisch in die Materie ein - auch mit vielen Vor-Ort-Besuchen bei den Vereinen.

"Die Ladies haben eine riesen Leidenschaft und eine riesen Fokussierung. In Sachen Leidenschaft, Engagement, Aufnahmefähigkeit und Intensität ist das bislang überragend", lobte der Bundestrainer beim letzten Pressegespräch vor der Abreise nach Schweden, wo es am gestrigen Abend ein letztes Abschlusstraining in der Spielhalle gab.

In den letzten beiden Testspielen gegen EM-Gastgeber Schweden gab es Hochs und Tiefs, am Ende standen zwei Unentschieden zu Buche. "Wir haben zwei gute Tests gegen Schweden hingelegt, in denen wir eine schwache Halbzeit hatten, wo ich zwischenzeitlich dachte, das Schiff könnte leck schlagen. Aber da kamen wir dann mit Bravour wieder raus."

"Es zeigt den Charakter der Mannschaft, dass wir uns da noch einmal zurückgekämpft haben", sah Kim Naidzinavicius das Positive. Auf den Schultern der 25-Jährigen lastet einige Verantwortung: Ursprünglich als dritte Kraft neben Anna Loerper und Kerstin Wohlbold im zentralen Rückraum vorgesehen, wird die Bietigheimerin nach den Ausfällen von Xenia Smits und Shenia Minevskaja vermehrt im linken Rückraum benötigt - neben der gerade nach einem Muskelfaserriss zurückgekehrten defensivstarken Saskia Lang und Ausnahmetalent Emily Bölk. "Ungewohnt ist das nicht wirklich für mich. Ich spiele es auch in Bietigheim immer mal, wir wechseln uns da ganz viel ab", so die Rückraumspielerin, die aber einräumt: "Da muss man sich schon ein bisschen umstellen."

"Natürlich ist man erst einmal schockiert, wenn man so kurz vor einem Turnier diese Verletzten hat. Man hat natürlich Mitgefühl mit den Mitspielerinnen, weil man sich gut in die Situation hineinversetzen kann. Wenn man das ganze Jahr für etwas arbeitet und dann wird kurz davor der Traum zerbrochen", beschreibt Naidzinavicius die Lage bei den "Ladies" und betont aber: "Michael (Biegler, Anm.) hat uns klar gemacht, dass das für ihn in der Nationalmannschaft kein großes Thema ist, weil er trotzdem viele gute Spielerinnen hat und einen riesengroßen Topf hat, aus dem er auswählen kann." Loerper betont: "Wir fühlen uns richtig gut vorbereitet. Unser Ziel ist nicht an Ergebnissen festzumachen, sondern, dass wir uns als Mannschaft stabilisieren", erklärte auch die erfahrene Anna Loerper danach.

Einen ersten Fingerzeit dürfte der Start gegen die Niederlande liefern. "Mehr als die Hälfte der Mannschaft kennen wir aus der Bundesliga, aber sie kennen uns natürlich auch genauso gut. Chancenlos sind wir nicht, auch wenn die Niederlande mit WM-Silber 2015 und dem vierten Rang bei Olympia in Rio derzeit auf einer Erfolgswelle schwimmen", sagte Loerper. "Man muss sagen, dass die Niederlande die letzten Turniere sehr gut gespielt haben, sowohl bei der WM wie auch bei Olympia. Aber wir fahren dahin, um das Spiel zu gewinnen und ich glaube, dass wir da auch eine realistische Chance haben", befindet Kim Naidzinavicius. Julia Behnke fügt an: "Die Niederlande sind für ihr Tempospiel bekannt und wir kennen auch viele Spielerinnen aus der Bundesliga. Sie haben auch eine neue Trainerin, mit Maura Visser eine alte, routinierte Spielerin zurückgeholt. Ich denke, wir können uns auf ein spannendes Spiel freuen."

Hinsichtlich des EM-Kaders hatte Biegler einige schwierige Entscheidungen zu treffen: "Aus Konstellationsgründen mussten wir auf Linksaußen auf eine Spielerin reduzieren und das ist Lone Fischer, die die EM spielen wird. Maria Kiedrowski hat überragende Fähigkeiten. Da spielt ein bisschen hinein, dass sie die Stabilität nicht ganz erreichen konnte aufgrund der langen Verletzungszeit. Mir wäre es wichtig gewesen, dass sie mit nach Schweden gereist wäre, aber wir mussten reduzieren, weil wir im rechten Rückraum und am Kreis mit drei Spielerinnen besetzt sind und wir auch Spielerinnen haben, die kurzzeitig über zehn bis fünfzehn Minuten auf der Linksaußenposition aushelfen können", erklärt der Bundestrainer, der vor Ort wie erwartet mit Dinah Eckerle eine der drei Torhüterin auf die Parkposition "17" beorderte.

"Auf Rechtsaußen war Svenja Huber gesetzt, das Paket mit Stella Kramer ist eine Bauchentscheidung. Beide Spielerinnen (Maike Schirmer, Anm.) haben uns recht ähnliche Bilder geliefert. De facto ist es so, dass wir auf der Position um Svenja gut ergänzen zu können auch eine etwas bessere Defensivleistung abrufen müssen. Da hat Stella im Lehrgang extrem zugelegt, so dass beide Spielerinnen auf dem gleichen Niveau sind. Die Mitte Position ist mit Kerstin Wohlbold und Anna Loerper besetzt. Da ist Caroline (Müller, Anm.) sehr entwicklungsfähig, aber da ist auch noch ein bisschen Distanz zu den beiden Spielerinnen. Von den vier im rechten Rückraum eingesetzten Spielerinnen wird Jennifer Rode in Leverkusen bleiben. Jennifer ist mir ganz, ganz wichtig im Gesamtkonzept. Sie ist sehr jung, sie hat gute Fähigkeiten, einen tollen Schuss. Aber das war eine absehbare Sache", so Biegler weiter.

Mit der EM wartet nun die erste Belastungsprobe auf Biegler und das neue Team. Angesicht der schweren Vorrunden-Gruppe wäre der Einzug in die Hauptrunde ein Erfolg. "Natürlich wollen wir in die Hauptrunde einziehen, vorrangig, um dann drei weitere Spiele auf höchstem Niveau mit Hinblick auf 2017 zu haben. Eine EM ist das schwerste aller Turniere, denn es gibt keine leichten Gegner - und du musst alle zwei Tage ran und Vollgas geben", erklärte Biegler, der sich aber auch gelassen zeigte und den Druck von der Mannschaft nimmt: "Ich habe zwei Patronen, einen Fehlschuss habe ich frei. Wenn es bei der EM nicht läuft, kann man mir alle Schuld geben. Ich halte das aus."

Alle Informationen zur EM finden Sie auf der "Landingpage" des Turniers, die Sie über den Punkt in der Kopfzeile aufrufen können.



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