20.08.2016 22:00 Uhr - Olympische Spiele - Christian Ciemalla

Russland bleibt auch in finaler Abwehrschlacht ungeschlagen und holt sich gegen Frankreich Gold

Allison Pineau und Frankreich wurden von Russland ausgebremstAllison Pineau und Frankreich wurden von Russland ausgebremst
Quelle: FFHandball /S.PILLAUD
Russland feiert Gold. Nach einem beeindruckenden Turnier, in dem das Team als einzige Mannschaft verlustpunktfrei durch die Vorrunde marschierte, besiegte die Auswahl von Evgenij Trefilov in einer Abwehrschlacht Frankreich. Russland, das lediglich beim 0:1 zurücklag, bestimmte das Spiel, konnte aber zunächst nicht entscheidend davonziehen. Auch nach dem 10:7 zur Pause kam Frankreich wieder auf, bevor drei Treffer in Serie zum 17:14 eine entscheidende Weiche auf dem Weg zum 22:19-Erfolg stellten. Beste Schützin des Siegers war Anna Vyakhireva, für Frankreich erzielten Allison Pineau und Siraba Dembele ebenfalls je fünf Tore. Prägend waren aber vor allem die Deckungsreihen sowie die Torhüterinnen Tatiana Erokhina sowie auf französischer Seite Amandine Leynaud und im zweiten Abschnitt Laura Glauser.

Bereits in den ersten Aktionen wurde der besondere Druck eines olympischen Finals auf beiden Seiten spürbar: Die ersten Angriffe auf beiden Seiten endeten jeweils mit einer Parade der gegnerischen Torfrau, doch als die Russin Tatiana Erokhina ihren Abwurf in Richtung Mittellinie warf, unterlief Daria Dmitrieva ein Fangfehler - Frankreich eroberte den Ball, setzte zum Gegenstoß an und vollende diesen durch Siraba Dembele. Russland zeigte sich aber wenig beeindruckt: Anna Vyakhireva, Daria Dmitrieva und Polina Kuznetsova drehten den anfänglichen Rückstand in ein 3:1.

Marie Prouvensier und Estelle Nze-Minko brachten Frankreich zwar mit einem Doppelschlag wieder auf 3:3 heran, doch Russland sollte weiter den Ton angeben. Überragende Spielerin in den ersten zehn Minuten war dennoch Amandine Leynaud, die ihre Mannschaft mit sechs Paraden im Spiel hielt. Allerdings überzeugte auch Tatiana Erokhina im ersten Abschnitt, zur Pause sollte sie sogar eine bessere Quote als ihre Gegenüber zu Buche stehen haben. Anteil daran hatte auch die gute russische Deckung, die den französischen Rückraum nicht zur Entfaltung kommen ließ und auch die Anspiele an den Kreis größtenteils im Griff hatte.

Die französische Deckung überzeugte ebenfalls, sie war im gesamten Turnierverlauf die Basis für die Auswahl von Olivier Krumbholz. Die Sbornaja ging derweil immer wieder konsequent auf die kleinen Lücken, die sich boten. Daraus resultieren einige Treffer und insgesamt vier Siebenmeter, von denen die Trefilov-Sieben drei verwandelte. Ein Durchbruch von Daria Dmitrieva ließ den Abstand beim 6:3 dabei erstmals auf drei Tore wachsen.

Frankreich haderte unterdessen mit der Wurfausbeute, auch wenn Allison Pineau einen Treffer setzte. Auf der Gegenseite holte Ekaterina Marennikova den nächsten Siebenmeter heraus, den Ekaterina Ilina verwandelte, und nach einem Schlagwurf aus der Distanz von Irina Bliznova stand ein 8:4 auf der Anzeigetafel.

Frankreich konnte sich von dem Druck aber befreien: Die Westeuropäerinnen holten nun auch einen Siebenmeter und nutzten danach eine Überzahlsituation, um den Anschlusstreffer zum 8:7 zu erzielen. Doch der Ausgleich fiel nicht, auch wenn bei Russland ein Pass im Seitenaus landete: Allison Pineau traf nur den Posten. Stattdessen zog Russland wieder davon: Polina Kuznetsova traf, Tatiana Erokhina parierte und im letzten Angriff vor der Pause sorgte Anna Sen auf Vorlage von Irina Bliznova dann vom Kreis für das 10:7.

Frankreich gelang der erste Treffer nach Wiederbeginn, doch Russland behielt das Heft fest in der Hand. Als einziges Team bei den Männern und Frauen war die Sieben von Evgenij Trefilov bis zu diesem Finale noch ohne Niederlage, das daraus resultierende Selbstvertrauen war in vielen Situationen zu spüren. Daria Dmitrieva und Polina Kuznetsova antworteten umgehend zum 12:8. Die Equipe Tricolore biss sich weiterhin die Zähne an der russischen Deckung heraus, die immer wieder die richtige Linie zwischen aggressivem Heraustreten und dem Block fand. Doch auch die Sbornaja musste sich jeden Treffer hart erarbeiten, Frankreich blieb in Tuchfühlung und konnte nach dem Steal von Alexandra Lacrabere und dem folgenden Gegenstoß von Siraba Dembele den Abstand auf zwei Tore verringern.

Nach einem Ballgewinn in der Deckung bot sich für Frankreich sogar die Chance auf den Anschlusstreffer, doch diese blieb ungenutzt. Auf der Gegenseite erzielte Anna Vyakhireva das 14:11, weiteren Nutzen aus mehreren erfolglosen Angriffsversuchen der Französinnen konnte die russische Auswahl allerdings nicht ziehen. Im Gegenteil: Der Sbornaja unterliefen vermeidbare Fehler in der Offensive und mit daraus resultierenden Treffern aus dem Tempospiel brachten, wiederum, Allison Pineau und Siraba Dembele ihr Team heran. Die französischen Fans hofften und eine Viertelstunde vor dem Ende konnten sie nach einem weiteren erfolgreichen Versuch von Pineau beim 14:14 den Ausgleich bejubeln.

Im Turnierverlauf hatte sich die russische Auswahl immer wieder aus Schwächephasen befreien können – Dies gelang auch im heutigen Finale. Nach einer Parade von Laura Glauser bot sich der "Grande Nation" zunächst die Chance auf die Führung, doch vielmehr gelang Polina Kuznetsova ein Steal und Marina Sudakova brachte im Gegenstoß ihr Team wieder in Vorlage. Die Partie wurde auch im weiteren Verlauf von den Deckungsreihen dominiert, beide Teams hatten große Schwierigkeiten Treffer aus dem Positionsangriff zu erzielen. Russland gelang dies acht Minuten vor dem Ende durch die Außen Anna Vyakhireva, die mit dem 16:14 an der Vorentscheidung arbeitete.

Russland scheiterte zwar wenig später mit einem Gegenstoß an Laura Glauser, doch der Ball landete im Seitenaus und Vladlena Bobrovnikova erhöhte mit dem folgenden Versuch auf 17:14. Frankreich meldete sich nach einem sehenswerten Anspiel von Camille Ayglon auf Laurisa Landre zurück, die Sbornaja hielt aber Kurs. Evgenij Trefilov nahm die Auszeit, danach ließ sich Anna Vyakhireva auf dem Weg zum 18:15 nicht aufhalten. Eine Parade von Tatiana Erokhina gegen die erst direkt vor dem Finale nachnominierte Tamara Horacek eröffnete unterdessen die Chance zur Vier-Tore-Führung, die Vladlena Bobrovnikova aus dem Rückraum beim 19:15 nutzte.

Frankreich gab sich nicht auf, doch die Zeit lief für die russische Auswahl - spätestens nach dem 20:16 von Daria Dmitrieva vier Minuten vor Spielende. Die Equipe Tricolore ging Risiko, versuchte es mit der siebten Feldspielerin. Die Sbornaja aber hatte weiterhin die passenden Antworten parat - auch ein über das Tor gesetzter Siebenmeter brachte das ungeschlagene Team nicht mehr vom Goldkurs ab. Olga Akopian zerstörte mit dem 21:18 und dem 22:19-Endstand die letzten Hoffnungen der Französinnen, die sich nach einem guten Turnier mit Silber begnügen müssen, dem besten Ergebnis bei einem Olympiaturnier. Gold aber feierte Russland - nach einem beeindruckenden Turnier verdientermaßen.