26.05.2016 19:28 Uhr - Länderspiele - fcb, red

DHB-Team beginnt richtungsweisenden Lehrgang: "Für die WM 2017 Strukturen aufbauen"

Der Lehrgang der Nationalmannschaft hat am Donnerstag in Stuttgart begonnen. Bei der Pressekonferenz: (v.l.) Andreas Thiel, Michael Biegler, Anna LoerperDer Lehrgang der Nationalmannschaft hat am Donnerstag in Stuttgart begonnen. Bei der Pressekonferenz: (v.l.) Andreas Thiel, Michael Biegler, Anna Loerper
Quelle: Marco Wolf


Das erste Lehrgangs-Training fand am Donnerstagabend statt.Das erste Lehrgangs-Training fand am Donnerstagabend statt.
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Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft ist am heutigen Donnerstag zum Lehrgang nach Stuttgart gereist. Beim ersten Trainingslager unter Trainer Michael Biegler bereitet sich die Auswahl auf die Länderspiele am 1. Juni in St. Gallen gegen die Schweiz und am 5. Juni in Stuttgart gegen Island vor. Deutschland muss in der Gruppe 7 den 2. Rang verteidigen, um sich für die EM im Dezember in Schweden zu qualifizieren. Dementsprechend ist die jetzige Vorbereitung ein wichtiger Schritt. Zur heutigen Ankunft fand in Stuttgart die erste Pressekonferenz statt.

"10 Tage Trainingslager"

Rolf Schneider, in.stuttgart, Abteilungsleiter Veranstaltungen freut sich über die Anwesenheit der Nationalmannschaft: "Die Damen-Nationalmannschaft führt hier 10 Tage ihr Trainingslager durch und hat zum Abschluss ihr Spiel gegen Island. Wir wollen auch die Damen gerne öfter hier sehen. Es war auch ein dringender Wunsch vom HVW, das wir hier auch mit dem Frauenhandball präsent sind. Deswegen haben wir gesagt, dass wir auch dieses Spiel hier ausrichten wollen, auch um der Mannschaft und dem DHB entgegenzukommen, was die Logistik bei den beiden Länderspielen angeht." Dabei ist das Organisationsgeschick der Veranstalter gefragt: "Natürlich ist es nicht so einfach bei den Frauen wie bei den Männern, die Halle vollzukriegen, aber wir ziehen gemeinsam mit dem HVW und dem DHB alle Register und wollen ab Montag, wenn die Pfingstferien zu Ende sind, noch einmal nachlegen. Wir hoffen, dass wir 2.500 bis 3.000 Zuschauer begrüßen können. Damit wären wir sehr zufrieden. Alles andere wäre ein Bonus."

Michael Biegler: "Wir müssen uns finden, der Austausch wird sehr intensiv"

Auf die Frage, ob Bundestrainer Michael Biegler im Hinblick auf die Qualifikationsspiele Lampenfieber habe, antwortete er klar: "Nein, Lampenfieber ist nicht zu spüren. Natürlich sind das alles sehr spannungsreiche Momente. Wir haben uns aber auch durch einige Besprechungen gekämpft, das ist gutgegangen, keiner ist geflüchtet", grinste er und führte aus: "Der Lehrgang ist zweigeteilt, da kann ich mich auch nur noch einmal beim DHB bedanken. Im Hinblick auf die beiden Länderspiele wird der Kader dann reduziert auf 18 Spielerinnen. Wir starten mit 24."

Vor allem ist es für Michael Biegler von äußerster Bedeutung, zahlreiche Spielerinnen beim Lehrgang mit dabei zu haben, selbst wenn sie derzeit noch angeschlagen sind: "Ich bin sehr froh, dass Anna Loerper hier ist, auch wenn sie nicht aktiv teilnehmen kann. Im ersten Schritt möchte ich sie gerne dabei haben, ihr Engagement stimmt, das ist die Hauptsache."

Anna Loerper: "Kein Risiko eingehen"

Anna Loerper sieht die Nominierung trotz ihrer Verletzung ebenfalls positiv: "Ich habe mir vor 20 Tagen einen Muskelfaserriss zugezogen. Er ist nicht so gravierend, aber ich werde drei bis sechs Wochen ausfallen. Ich bin froh, hier zu sein und das Projekt live miterleben zu können. Ich wäre natürlich viel lieber aktiv dabei. Aber es freut mich sehr, dass mir die Möglichkeit gegeben wird, live bei der Mannschaft zu sein. Ich mache hier meine Reha und bin guter Dinge. Wir werden sehen, wie es weitergeht, gehen aber bei meinem Einsatz kein Risiko ein. Ich will erst einmal wieder fit werden."

Neben Anna Loerper sind auch noch zwei weitere angeschlagene Personalien eingeplant, wie Michael Biegler hinzufügte: "Wir haben noch einen Gast hier, für uns ganz wichtig im Projekt 17 - Julia Behnke. Der Termin beim Mannschaftsarzt ist heute für sie. Nadja Nadgornaja hat momentan eine Magenverstimmung und ist noch zuhause und wir klopfen ab, wann sie nachkommen kann. Wir sind immer noch sehr optimistisch."

"Wir wollen uns darum kümmern, dass alle dabei sind"

Michael Biegler will die Mannschaft zusammenwachsen sehen. "Wir wollen uns darum kümmern, dass alle dabei sind. Alle müssen aber auch einen Eigenanteil leisten. Wir müssen uns finden, der Austausch wird sehr intensiv. Es sind noch drei Tage bis Sonntag mit einem bisschen größeren Kader. Wir wollen allerdings schon Regeln festhalten, Spielparameter, Rückzug, Deckung, Gegenstoß, Angriffsspiel, dann folgt die direkte Vorbereitung auf die Spiele."

Eine entsprechende Planung für den Lehrgang war von äußerster Wichtigkeit, wie auch Andreas Thiel, Vertreter HBF, betonte: "Wir sind der Nationalmannschaft spielplantechnisch so weit wie möglich entgegen gekommen, gerade was das Spiel hier in Stuttgart angeht. Ich glaube, in der Liga herrscht große Zufriedenheit über die Zusammenarbeit und Kommunikation. Die Erwartungen sind aus meiner persönlichen Sicht eine erkennbare Spielkonzeption. Da bin ich 100 Prozent sicher, dass wir das erkennbar merken und auch sehen können. Es ist eine Heim-WM, da erwartet die Liga ein Halbfinale. Wir sind aus Ligasicht bereit und willens, alle erforderlichen Maßnahmen bis zur Grenze des Zumutbaren zu erfüllen."

Dies wird von Michael Biegler freilich begrüßt: "Unser Wunsch war von Anfang an ein Konzept. Die Anwesenheit von Andreas ist auch ansonsten erwünscht, damit die Liga immer entsprechende Rückmeldungen erhält. Das ist keine Einbahnstraße, das ist gegenseitig. Dem wollen wir gerecht werden. Es ist also nichts Besonderes, dass er heute hier ist. Er soll bei der Mannschaft dabei sein und unsere Entwicklung verfolgen."

"Es würde uns nicht guttun bei der EM nicht dabei zu sein"

Nun zählt es in den kommenden Tagen, das Team zu einer Einheit zu formen. "Für die Mannschaft sind viele Dinge neu. Unser erstes Ziel ist das Erreichen der Europameisterschaft. Der Zeitraum für die Vorbereitung ist schon sehr eng, denn wir müssen uns noch ein paar Dinge erarbeiten. Und die Situation ist auch nicht ganz entspannt, weil die Lage in der Gruppe noch nicht geklärt ist", sagte Bundestrainer Biegler und fügte an: "Es würde uns nicht guttun in Hinblick auf die WM, bei der EM nicht dabei zu sein. Im Moment ist es ein gegenseitiges Sich-Kennenlernen und zu schauen, welche Dinge umsetzbar sind. Am Sonntag geht es dann in die Vorbereitung des ersten Gegners. Ich bin sehr optimistisch, dass die Mannschaft die EM erreicht. Das wäre ein wichtiger Baustein in Hinblick auf die EM 2017."

Seit seinem Amtsantritt hatte sich Michael Biegler mit der Situation in der Nationalmannschaft besser vertraut gemacht. Dies war für ihn im Hinblick auf die Zukunft von äußerster Wichtigkeit: "Wir haben in den vergangenen Wochen alle Bundesligaklubs besichtigt. Es musste diese Besuchstour geben. Wir sind nicht angereist wegen Shake-hands und um in die Runde zu lächeln. Alle Termine waren verbunden mit Trainingsbeobachtung, auch um die Unterschiede in der Struktur und in der Intensität festzustellen. In den sieben Wochen habe ich mich in einige Trainingseinheiten begeben. Diese Tage waren sehr wichtig. Wir haben überall zwei Einheiten gesehen und massiv Handball erlebt, Gespräche geführt und auch die anderen internationalen Spielerinnen gesehen."

Anna Loerper zeigte sich davon beeindruckt: "Sie haben ausführlich mit unserem Manager Ferenc Rott und unserem Trainer gesprochen und auch mit uns drei Metzinger Nationalspielerinnen und sie haben sich wirklich viel Zeit genommen." Eine Kapitänin gibt es laut Biegler indes noch nicht: "Wer die Mannschaft in Sankt Gallen aufs Spielfeld führt, ist noch nicht klar. Das werden wir in den nächsten Tagen festlegen."

"Wir wollen auch für die WM 2017 Strukturen aufbauen"

DHB-Sportdirektor Wolfgang Sommerfeld sieht diesen Lehrgang und die Qualifikation zur Europameisterschaft ebenfalls als großen Zwischenschritt mit Hinblick auf das kommende Jahr: "Wir haben uns da herangetastet, haben einige Wochen über dieses Projekt gesprochen. Dann kam glücklicherweise der Vertrag zustande. Wie sich Michael Biegler seither eingearbeitet hat und wie er für das Spiel gegen die Schweiz aufgestellt ist, ist sensationell. Schon nach drei Wochen hatte ich einen Plan von ihm, wie die Zukunft ausschauen könnte. Wir haben abgestimmt, dass ich immer mit auf der Bank sitzen werde. Ich werde mich ganz eng mit Michael Biegler austauschen. Wir wollen auch für die WM 2017 Strukturen aufbauen."

Konkrete Pläne sollen genutzt werden, um die Synergien zu verbessern: "Wir haben da ein System bei den Männern gefunden, das sehr erfolgreich sein kann. Neben der Eliteförderung sind wir gerade dabei, diese Strukturen aufzubauen. Wir werden auch die Nachwuchstrainerin Marielle Bohm immer wieder phasenweise bei den Lehrgängen dabei haben. Sie soll das, was wir dort entwickeln, auch in den Nachwuchs transportieren.

Für die Verantwortlichen gilt es, das Maximum herauszuholen, wodurch auch vermeintliche Verluste hingenommen werden. So bleibt beispielsweise Susann Müller zunächst außen vor, allerdings aus gut überlegtem Grund: "Bei Susann Müller ist es so, dass sie zehn Tage auf Abschlussfahrt in Asien war. Schon wegen des Jetlags hat es sich deswegen nicht angeboten, sie zu berufen. Andere Gründe gab es nicht. Wir brauchen 100 Prozent fitte Spielerinnen. Das wissen alle. Wir haben mit rund 40 Spielerinnen gute Gespräche geführt und da auch allen klargemacht, dass wir keine Grüppchenbildung gebrauchen können oder dass jemand sagt, dass er mit der Person x, y oder z nicht zusammenspielen kann", sagte Wolfgang Sommerfeld abschließend.