23.04.2016 21:35 Uhr - 1. Bundesliga - Felix Buß

Neuer Spitzenreiter nach Thriller: Thüringer HC beendet Metzinger Serie mit letztem Wurf

In einem umkämpften Duell setzte sich am Ende doch noch der Thüringer HC durchIn einem umkämpften Duell setzte sich am Ende doch noch der Thüringer HC durch
Quelle: Tobias Baur
Spannend wie selten ist der Meisterschaftskampf bei den Frauen derzeit. Am Abend traf in Tübingen Tabellenführer Metzingen, mit dem besten Angriff der Liga, auf den Tabellendritten Thüringer HC, der im Spitzentrio bisher die wenigsten Gegentore erhalten hat. Unter den Augen von Nationaltrainer Michael Biegler war auch das Spiel vor 2250 Zuschauern spannend wie selten. Nach der Niederlage in Göppingen tat sich der Thüringer HC zunächst schwer und lag das komplett Spiel zurück. Nach den vorzeitigen Ausfällen von Julia Behnke (Knie) und Tonje Løseth gab Metzingen jedoch in der Schlussphase den Sieg aus der Hand und unterlag mit 30:31 (16:13). Jasmina Jankovic war aufseiten der TuS, die eine mögliche Weichenstellung verpasste, erstmals seit ihrer Verletzung wieder mit aufgelaufen.

Die TuS Metzingen wollte offensichtlich von der ersten Sekunde an unterstreichen, dass sie im Spitzenspiel gegen den Thüringer HC die Führungsrolle beanspruchte. Mit einer großen Portion physischer Stärke und einer konzentrierten Sabine Stockhorst im Kasten legten Julia Behnke, Katharina Beddies und Bernadett Temes 3:0 vor, während die Gäste einen Ballverlust und Fehlwürfe von Beate Scheffknecht, Sonja Frey und Katrin Engel verbuchten. Über eine Umstellung der Abwehr und mit mehr Explosivität im Umschaltspiel wollte die Müller-Sieben, derart unter Druck gesetzt, ins Spiel stürmen. Svenja Huber gelang schließlich nach sieben Minuten beim 3:1 der erste THC-Treffer.

Metzingen war frühzeitig mit Hinausstellungen gegen Løseth und Temes konfrontiert gewesen, machte aber trotz der 5:1-Abwehr des Thüringer HC, mit Kerstin Wohlbold auf der Spitze, in dem zunehmend giftig geführten Duell weiter das Spiel. Die Unparteiischen wollten derweil mit weiteren Zeitstrafen die Gemüter abkühlen. Die eingewechselte THC-Torhüterin Dinah Eckerle konnte in dieser Phase Marlene Zapf im Gegenstoß irritieren. Weitere ungeschickte Aktionen des Serienmeisters nutzten aber Bernadett Temes und Julia Behnke für das 7:3 nach 12 Minuten. Herbert Müller legte die Auszeit. Die Gäste wirkten nervös, schienen mit dem Kampfgeist der TusSies überfordert zu sein.

Mit dem starken Pass von Dinah Eckerle auf Meike Schmelzer zum 8:5 öffneten die Gäste, die im Positionsangriff nun mit zwei Kreisläuferinnen agierten, das temporeiche Spiel anschließend ein wenig. Doch Bernadett Temes und Julia Behnke distanzierten die Gäste beim 11:6 geschwind mit fünf Toren. Auch wenn das Team von Herbert Müller jetzt vermehrt zu Strafwürfen kam, der Spitzenreiter schien stets die passende Antwort parat zu haben. Zudem verhinderte Sabine Stockhorst das 12:9 mit einer Dreifachparade. Allerdings fiel TuS-Kreisläuferin Julia Behnke in der 24. Spielminute nach einem Schlag aufs Knie aus. Die Niederländerin Celine Michielsen wurde eingewechselt.

Der Thüringer HC schien zu spüren, dass Ausfall Behnkes Ausfall die Gastgeberinnen irritierte. Mit zwei Treffern von Svenja Huber zwangen die Salza-Städterinnen die „Pink Ladies“ beim 13:11 in die Auszeit. Sie konnten Anna Loerper in dieser Phase in Zweikämpfe verwickeln und bekamen so die gewünschten Lücken. Im Gegenzug fehlten der TuS ohne Behnke Anspielstationen, was technische Fehler provozierte. Da war Løseths 15:12 aufs verwaiste THC-Tor ein wichtiger psychologischer Nadelstich zugunsten der TuS. Acht Sekunden vor Schluss nutzte Celine Michielsen eine ähnliche Situation zum 16:13. Abermals nutzte Metzingen, dass der THC in Unterzahl ohne Torhüter spielte.

Julia Behnke kehrte mit einem dick bandagierten linken Knie auf die Metzinger Spielerbank zurück. Herbert Müller hielt derweil trotz der Einschläge an der Marschroute fest, in Unterzahl mit einer Spielerin im Leibchen zu agieren. Das zeitigte in der frühen Phase der zweiten Spielhälfte Erfolg, da Katrin Engel und Svenja Huber den THC auf 17:16 heran brachten. Auf Metzinger Seite saß Tonje Löseth inzwischen zum zweiten Mal draußen, kurz darauf hatte sie nach einem Foul an Iveta Luzumova Glück, dass der Rote Karton nicht gezeigt wurde. Vielmehr distanzierte Beddies die Gäste beim 21:18 wieder auf drei Tore und Michielsen legte nach. 40 Minuten waren gespielt.

Der Thüringer HC blieb im Spiel, was die Müller-Sieben vor allem Iveta Luzumova und der treffsicheren Svenja Huber, die beim 22:20 zum neunten Mal traf, zu verdanken hatte. Der Anschlusstreffer fiel indes nicht. Nach einem Stürmerfoul von Beate Scheffknecht sorgte TuS-Linksaußen Katharina Beddies für das 26:22 (47.). Zwei Minuten später provozierte Beate Scheffknecht die dritte Zeitstrafe gegen Löseth. Metzingen musste nach dem Ausfall von Behnke fortan im Mittelblock komplett improvisieren. THC-Rechtsaußen Huber netzte zum 27:25. In dem wieder zunehmend physischen Duell nahm Metzingen danach Zeit von der Uhr. Michelsen netzte.

Aufseiten des THC musste Crina Pintea die letzten acht Minuten ebenfalls zusehen. Doch die Gäste schienen das dramatische Spiel drehen zu können. Beate Scheffknecht und Meike Schmelzer sorgte nach 56 Minuten sorgten für das 29:29 und Bernadett Temes beförderte das Spielgerät anschließend ins Seitenaus. Nach einem Ballgewinn unterlief Nicole Dinkel ein Stürmerfoul. Beide Situationen ließ der THC ungenutzt. In der letzten Spielminute überwand Temes die starke Krause, doch Huber antwortete zum 30:30. Zwölf Sekunden verblieben den Gästen dann nach einem weiteren Ballgewinn: Wohlbold besorgte den Strafwurf, mit dem Svenja Huber den Thüringer HC, der 30:31 gewann, jubeln ließ.