14.04.2016 11:29 Uhr - 1. Bundesliga - Felix Buß - handball-world.com

Jasmina Jankovic in Kreuzband-Reha: "Ich möchte die Saison positiv beenden!"

Jasmina Jankovic (li.) jubelt gemeinsam mit Kelly VollebregtJasmina Jankovic (li.) jubelt gemeinsam mit Kelly Vollebregt
Quelle: Tobias Baur
Jasmina Jankovic, Torhüterin beim Bundesliga-Zweiter TuS Metzigen, zog sich wenige Tage vor dem WM-Start im Trainingslager einen Kreuzbandriss zu. Seit kurzem darf die Niederländerin mit bosnischen Wurzeln nun wieder mit der Mannschaft trainieren. „Noch einmal mit Metzingen aufs Feld laufen“, lautet ihr erstes Ziel. Mit handball-world.com spricht sie unter anderem über ein Geschenk, das ihr viel bedeutet hat, das Glück, weiterhin Teil der Mannschaft zu sein und die aktuellen Erfolge der TusSies und den Traum von Rio. „Ich bin in guten Gesprächen mit dem Verein“, ist Jankovic überdies optimistisch, den aktuell auslaufenden Vertrag im Ermstal verlängern zu können.

Du hast Ende November einen Kreuzbandriss erlitten. Wie geht es dir heute, viereinhalb Monate danach?

Jasmina Jankovic:
Gut, so weit. (lächelt) Auch vom Kopf her. Ein bisschen staune ich selbst darüber. Ich durfte ja diese Woche wieder im Training anfangen, im Tor mit einzuwerfen. Das war ein schönes Gefühl und es ist toll, dass sich der Aufwärtstrend nach der Verletzung Ende November jetzt auch endlich im Training widerspiegelt.

Die Verletzung ist kurz vor der Weltmeisterschaft bei einem Turnier in Norwegen beim Training passiert. Wie bist du damit umgegangen?

Jasmina Jankovic:
Am ersten Tag musste ich erst einmal den Schock verarbeiten. Der Kreuzbandriss war im Training passiert und ich wusste sofort, dass da etwas gerissen war. Ich habe es knacken hören und da war es mir sofort klar, was passiert war. Dann habe ich die Diagnose abgewartet, dass ich es schwarz auf weiß habe. Dann wurde es für mich sachlich: die Operation, den Termin und den Transfer dorthin organisieren. Ich bin positiv geblieben, das hat mich am Anfang selber überrascht, aber das war das einzige, was mich nach dem WM-Aus ein wenig gehalten hat. Auch, dass ich bei der Mannschaft bleiben konnte, hat mir gutgetan. Von außen, auch über Facebook, kamen außerdem viele Genesungswünsche (lächelt). Viele davon kennen mich ja auch charakterlich und die haben mir sofort das Signal gegeben: „Mach dir keine Gedanken, du kommst wieder zurück!“ Das freut mich auch.

Deine Nationalmannschaft ist dann in Dänemark Vizeweltmeister geworden. Wie hast du diese Zeit des größten nationalen Handballerfolgs erlebt?

Jasmina Jankovic:
Ich habe es als Mischung unterschiedlicher Gefühle erlebt. Du weißt, dass du eigentlich mit auf das Spielfeld gehörst. Dementsprechend war es einerseits hart, aber sobald jedes Spiel angefangen hatte, war es wie jedes andere: Gewinnen und am besten Weltmeister werden! Unser realistisches Ziel mit Oranje war es, eines der Olympiaqualifikationsturniere zu erreichen. Dass wir Vizeweltmeister geworden sind, war ein Zubrot. Ich durfte beim Finale in Herning dabei sein. Dafür bin ich dankbar (lächelt). Ein noch schöneres Gefühl wäre es natürlich gewesen, mit den Mädels auf dem Platz zu stehen.

Die Nationalmannschaft ist vier Jahre nach der Zwangspause 2012, als die Heim-EM abgesagt wurde, Vizeweltmeister geworden, der größte Erfolg im niederländischen Handball. In anderen „kleinen“ Ländern wäre Handball dann tot gewesen. Wie ist das zu erklären?

Jasmina Jankovic:
Die damaligen finanziellen Probleme des Verbands haben uns als Team damals wenig beeinflusst, denke ich. Wir als Nationalspielerinnen verdienen auch weiter nichts. Dementsprechend ist die Entwicklung in unserem Team einfach weitergegangen, auch wenn wir bei der EM 2012 aussetzen mussten. Der Verband profitiert jetzt natürlich davon, dass wir Vizeweltmeister geworden sind. Dadurch hat sich die allgemeine Lage deutlich verbessert. Wichtig ist, dass der Verband als solcher überlebt hat.

Ende Dezember ging es für dich mit der Reha weiter, auch in den Weihnachtstagen. Du hast dort, von außen betrachtet, ziemlich schnell Fortschritte gemacht. Wie waren die ersten Wochen aus deiner Sicht?

Jasmina Jankovic:
Die meisten haben mir tatsächlich gesagt, wie viel Glück ich hatte: Ich hatte keine Schmerzen nach der Operation. Eigentlich waren nur die ersten vier Tage sehr schwer. Dann ging es sofort los mit der Physiotherapie und den Dingen, die man machen darf, also Beugen und Strecken. Am Anfang gab es nicht viele verschiedene Übungen, aber für mich war es damals sehr viel, was ich schnell machen konnte. Ich habe das konsequent gemacht und mein Knie hat bisher – lächelt – immer sehr gut mitgemacht. Ich hatte keine Schmerzen, egal, was wir trainiert haben. Ich bin dabei zum Glück von unseren Physiotherapeutinnen bei der TuS Metzingen, von Birgit und Maddi, sehr gut betreut worden. Sie haben mir sehr weitergeholfen, sonst hätte das nicht geklappt… (lächelt)

Deine Mannschaft von der TuS Metzingen hat dir Anfang März, als du schon wieder ein bisschen mehr Richtung Handball trainieren konntest, ein #comebackstronger T-Shirt geschenkt…

Jasmina Jankovic:
Ja. (strahlt) – Das Geschenk kam von Anna Loerper. Zum Glück. Das T-Shirt kam in einer schwierigen Phase der Reha, zwei, drei Wochen, in denen ich nicht viel machen durfte mit dem Knie. Das war so eine Art Umbauphase. Das waren die härtesten drei Wochen, auch vom Gefühl, weil man gar nicht ausgelastet ist. Und dann kam das T-Shirt. Das war für mich noch einmal so eine Bestätigung, dass die Mannschaft mich auch auf dem Feld haben will und dass ich mit dabei bin. Das war ein großer Ansporn für mich.

Du hältst deine Freunde und Fans auf Facebook ziemlich regelmäßig auf dem Laufenden. Gibt dir das auch Kraft?

Jasmina Jankovic:
Ja, klar. Es ist schön zu wissen, dass sich die Leute über meine Fortschritte mit mir mitfreuen und dass sie auch für mich die Hoffnung haben, dass ich entweder Ende der Saison noch einmal mitspielen kann oder auch die Vorbereitung auf Rio mitmachen darf. Das bringt mir sehr viel. Das ist echt eine riesige Unterstützung (lächelt).

Sicher ist es schwierig und schmerzhaft für dich, in der vielleicht erfolgreichsten Rückrunde der Vereinsgeschichte der TuS Metzingen nicht mitspielen zu können. Das Team scheint ziemlich gut zu „funktionieren“. Wie bewertest du den bisherigen Stand in der Saison?

Jasmina Jankovic:
Wir haben die Saison ja gut angefangen, es aber auch geschafft, uns immer weiter zu steigern. Die Mannschaft ist in einem bestimmten Flow drin, und ich hoffe, dass wir uns selbst auch für diese harte Arbeit belohnen mit irgendeinem Titel. Letztendlich schauen wir aber wirklich von Spiel zu Spiel. Sonst macht man sich selbst verrückt, und das verdient diese Mannschaft nicht.

Du warst in den vergangenen Wochen nach Abpfiff immer mit auf dem Feld und konntest ziemlich oft mitjubeln. Welche Rolle hast du für dich am Spielfeldrand und vielleicht auch vor den Spielen gefunden?

Jasmina Jankovic:
Ich bin immer noch so aktiv wie davor. Ich rede viel mit der Abwehr und mit bestimmten Spielerinnen. Das gehört immer noch dazu, auch wenn ich verletzt bin. Daneben stehe ich den Mädels, wenn sie möchten, mit Rat und Tat zur Seite. Ich versuche meinen Input zu geben und bin immer dabei, auch in der Kabine. Und die Rituale, die wir davor schon hatten, die behalte ich auch bei. Dazu gehört zum Beispiel, dass ich den Mädels vor dem Spiel die Haare mache, und für die Musik bin ich auch verantwortlich. Es bedeutet mir viel, ein Teil dieser Mannschaft zu sein, und das wollte ich von Anfang an, als ich mich verletzt habe, so durchziehen, dass ich bei der Mannschaft bleibe.

Du bist auch nach dem Abpfiff immer mit den Spielerinnen auf dem Feld zu sehen…

Jasmina Jankovic:
Ja, egal ob im Training oder im Spiel, abgesehen von den ganz weiten Auswärtsspielen, da bin ich dann nicht dabei. Aber bei allem anderen bin ich täglich dabei. (lächelt)

Noch einmal zurück zur niederländischen Nationalmannschaft. Oranje hat sich über das Qualifikationsturnier in Metz für die Olympischen Spiele qualifiziert und hat Gastgeber Frankreich geschlagen. Ist das vielleicht der stärkste Antrieb für dich in den letzten Monaten, eine von den 14 Spielerinnen in Oranje in Rio sein zu wollen?

Jasmina Jankovic:
Mein erstes Ziel ist es, mit der Mannschaft der TuS Metzingen in dieser Saison noch bei einem Punktspiel aufs Feld zu laufen. Ich möchte diese Saison so positiv beenden , wie sie für mich begonnen hat und die Saison nicht als verletzte Spielerinnen abschließen, um mich dann – eventuell – auf Rio vorzubereiten. Ich möchte hier wirklich noch einmal mit den TusSies auflaufen und die Saison sozusagen positiv zu Ende bringen.

Klar ist aber auch der Traum von Rio ein großer Antrieb für mich. Ich war bei der letzten Olympiaqualifikation mit den Niederlanden dabei. Damals haben wir London um ein Tor verpasst. Seither konnten wir den Kader aber ungefähr zusammenhalten. Das gilt seit ungefähr drei Jahren. Und schon seit der letzten Qualifikation 2012 hat man natürlich den Traum, es beim nächsten Mal zu packen, was uns ja gelungen ist, und dann eben auch beim Turnier mitzuspielen. Das ist mein Ziel und das bleibt auch jetzt noch, trotz Verletzung – die Hoffnung zu haben, dass ich dabei bin.

Es gibt so Tage, an denen es nicht mal schlimm ist das man verletzt ist sondern an denen es einfach schlimm ist nicht bei der Mannschaft zu sein und nicht in die Halle aufzulaufen wo man so gerne spielt, vor und für das eigene Publikum. Nicht abzuklatschen kurz vor Spielbeginn und nicht bei den gewonnen Spiele mit springen zu können im siegerkreis, dann kommt so ein tolles Geschenk und man fühlt sich wieder voller Energie und Teil der ganze! Dafür sage ich Danke @loerpi ! Das ist einfach mega 😘😘😘 Heute Abend geht es weiter in unserer Öschhalle, wie immer ein wichtiges Spiel und wir freuen uns wirklich sehr über die ganze Unterstützung! Bis heute Abend! #comebackstronger #roadtorio #handball #recovery #goalkeeper

Ein von @jasminajankovic23 gepostetes Foto am