01.04.2016 11:11 Uhr - Jugend/Juniorinnen - Markus Hausdorf

Blombergs Kapitänin Nele Franz vor DM-Rückspiel: "Ich liebe "Alles-oder-Nichts"-Spiele!"

Nele FranzNele Franz
Quelle: Marco Schultz
Am heutigen Freitagabend (19.30 Uhr, Weststadthalle, Bensheim) gastiert die HSG Blomberg-Lippe zum Viertelfinalrückspiel um die Deutsche A-Jugend-Meisterschaft bei der HSG Bensheim/Auerbach. Für die Mannschaft um Spielführerin Nele Franz gilt es, einen Fünf-Tore-Rückstand aus dem Hinspiel aufzuholen, um doch noch ins Final Four einzuziehen. Markus Hausdorf sprach vor dem Rückspiel mit der 16-Jährigen über den bisherigen Saisonverlauf, die Chancen doch noch das Final Four zu erreichen und über den Frauen- und Mädchenhandball.

Nele, am Freitag gastierst du mit der HSG Blomberg-Lippe im Viertelfinalrückspiel bei der HSG Bensheim/Auerbach. Im Hinspiel habt ihr vor heimischer Kulisse eine 29:34-Niederlage kassiert. Wie fiel Eure Analyse zu dieser Niederlage aus?

Nele Franz:
Wir haben uns Spielszenen angeschaut und diese kritisch analysiert. Wir hatten ein miserables Abwehrverhalten und haben vor allem die Kreisläuferin nicht unter Kontrolle bekommen. Nach 50 Minuten haben wir uns unerklärlicherweise aufgegeben, sodass Bensheim zu einfachen Gegenstoßtoren kam. Insgesamt fehlte es leider an Emotionen und dem Kampf um den Sieg. Zufrieden sind und waren wir mit dieser Leistung natürlich überhaupt nicht.

Wie habt ihr Euch nun auf das Rückspiel vorbereitet und was wollt ihr anders bzw. besser machen?

Nele Franz:
Im Training stand in den letzten Tagen das Zweikampfverhalten und die Absprache in der Abwehr im Vordergrund. Wir haben unzählige Male geübt, um den Kreisläufer herumzuarbeiten und als Abwehrspieler die Angreiferin aufzunehmen. Auch mit einer Video Analyse hat uns Trainer Andre Fuhr auf das Rückspiel vorbereitet. Das Ziel "Final Four 2016" ist bei jeder Spielerin im Kopf und wir werden dafür alles geben!

Welche Chancen habt ihr aus deiner Sicht doch noch das Final Four zu erreichen?

Nele Franz:
Natürlich ist der Fünf-Tore-Vorsprung Bensheims für uns ein ganz harter Brocken. Aber im Handball ist alles möglich! Wenn wir von der ersten Minute an für 60 Minuten hellwach sind und jeder alles gibt, dann ist das Erreichen des Final Fours auch für uns noch möglich. Ich liebe "Alles-oder-Nichts" Spiele und genau so ein Stellenwert hat dieses Spiel!

Ihr hattet unglaublich großes Verletzungspech, zeitweise fehlten Euch vier Stammspielerinnen zeitgleich. Ist der Einzug ins Viertelfinale unter diesen Voraussetzungen schon ein großer Erfolg?

Nele Franz:
In der Zwischenrunde hatten wir das angesprochene Pech mit den Verletzungen unserer Stammspielerinnen, was wir aber so gut, wie es ging, kompensiert haben und trotzdem erfolgreich den Einzug ins Viertelfinale erreicht haben. Natürlich ist es gut, im Viertelfinale zu stehen, aber das reicht mir nicht. Ich wäre nicht zufrieden, wenn ich sagen müsste, dass wir zwar zu den besten 8 Mannschaften Deutschlands gehören, aber nicht im Final Four standen.

2017 findet in Deutschland die Handball-WM der Frauen statt. Was würdest du dir für Impulse von der Heim-WM für den Mädchen- und den Frauenhandball wünschen?

Nele Franz:
Ich hoffe, dass unsere Frauen-Nationalmannschaft nach Beendigung der Zusammenarbeit mit Jakob Vestergaard einen langfristigen Nationaltrainer bekommt, der diese optimal auf die Heim-WM 2017 vorbereitet. Der Mannschaft sollte eine tolle Kulisse und viel Begeisterung geboten werden. Leider ist der Stellenwert des Frauenhandballs im Gegensatz zum Männerhandball nicht ziemlich hoch und als Handballerin wünsche ich mir natürlich, dass auch der Mädchen- und Frauenhandball mehr Begeisterung bekommt, was wir uns alle von der Frauen-WM im eigenen Land erhoffen.

Am 28. und 29. Mai findet das Final Four um die Deutsche A-Jugend-Meisterschaft statt. Nachdem dieser Titel zuletzt zweimal im Rahmen der DHB-Pokal-Endrunde der Frauen in Leipzig bzw. Hamburg ausgespielt wurde, werden die beiden Veranstaltungen in diesem Jahr wieder einzeln durchgeführt. Welcher Modus hat dir persönlich und vor allem als Sportlerin am Besten gefallen?

Nele Franz:
Letztes Jahr beim Final Four in Hamburg war es richtig cool, vor ungefähr 2000 Zuschauern zu spielen. Die Zuschauerzahl war natürlich auf Grund des Doppelturniers so hoch und hat mich als Spielerin unheimlich angespornt. Auch das Zuschauen der Spiele der Frauen war interessant und lehrreich. Ich persönlich finde den Modus, bei dem Final Four und DHB Pokal der Frauen zusammen sind, besser, kann aber auch die Entscheidung, die Veranstaltungen einzeln auszutragen, verstehen, da zum Beispiel bei doppelter Beteiligung eines Vereins die Belastungen für Spielerinnen, die als A-Jugendliche bereits in der Bundesliga zum Einsatz kommen, zu hoch ist.

Was macht einen Verein, wie die HSG Blomberg-Lippe, so attraktiv für junge Spielerinnen?

Nele Franz:
Die HSG hat das Konzept, mit jungen Spielerinnen auf hoher Qualität zu arbeiten und diese an die Bundesliga heranzuführen. Auch das Konzept unseres Internats und die Zusammenarbeit von Handball und Schule ist einmalig hier in Deutschland. Unsere Frauen-Bundesligamannschaft ist seit Jahren die jüngste Mannschaft der Liga. Vier andere Jugendspielerinnen und ich durften im Sommer letzten Jahres bereits die Bundesliga-Vorbereitung mitmachen und sammelten so wichtige Erfahrungen und Eindrücke. Außerdem spielt die weibliche B- und die weibliche A-Jugend (fast) jedes Jahr um die Deutsche Meisterschaft mit.

In der 2. Mannschaft der HSG sammelst du in der 3. Liga Ost auch schon Erfahrungen im Seniorenbereich. Wie wichtig sind diese für dich und deine Entwicklung?

Nele Franz:
Die dritte Liga ist körperlich härter und die Spielerinnen erfahrener. Für mich ist es wichtig, dass ich mich mit stärkeren Spielerinnen messen kann, da ich so bei jeder Aktion wirklich 100% geben muss, um erfolgreich zu sein. Da die Spieltermine der A-Jugend Bundesliga relativ unregelmässig sind, ist die dritte Liga gut, um auf hohem Niveau zu spielen und zu trainieren.

Was macht deiner Meinung nach den Frauenhandball gegenüber dem Männerhandball attraktiver?

Nele Franz:
Es ist kein Geheimnis, dass Männer eine bessere athletische Voraussetzung haben als wir Frauen und auch viel mehr Spielwitz mit ins Spiel bringen. Trotzdem denke ich, dass Frauenhandball viel zu wenig Anerkennung bekommt. Dieser ist nämlich in den letzten Jahren auch viel dynamischer und schneller geworden. Außerdem bringen wir Frauen mindestens genau so viel Emotionen auf die Platte wie die Männer.

Vielen Dank für das Gespräch.

Steckbrief:
Name:
Nele Franz
Position(en): Rückraum Mitte, Linksaußen
Geburtsdatum: 21.10.1999
Geburtsort: Bielefeld
Größe: 1.68m
Hobbys: Was mit Freunden und der Familie unternehmen, alles, was mit Sport zu tun hat und natürlich Handball
Bisherige Vereine: TSG Altenhagen-Heepen
Größte Erfolge: Deutscher Vizemeister 2014 (weibl.B), Deutscher Vizemeister 2015 (weibl.A), U-18 Nationalmannschaft und EYOF 2015