09.03.2016 21:05 Uhr - Europameisterschaft - fcb

Deutschland verliert erstes Duell mit Frankreich trotz Steigerung - Lacrabere verletzt

Die deutsche Deckung stand gegen Camille Ayglon und die französischen Angreiferinnen über weite Strecken sehr gutDie deutsche Deckung stand gegen Camille Ayglon und die französischen Angreiferinnen über weite Strecken sehr gut
Quelle: Michael Heuberger
Am Abend hatte die deutsche Frauen-Nationalmannschaft die nächste Station auf dem Weg zur angestrebten EM-Qualifikation zu bestehen. Nach den Siegen über die Schweiz und auf Island hatte Susann Müller hatte Frankreich als „leicht favorisiert“ beurteilt. Die Equipe Tricolore konnte das Spiel vor 3375 Zuschauern in der Egetrans Arena in Bietigheim mit 21:24 (10:9) für sich entscheiden, dabei stand es drei Minuten vor Schluss 21:21. „Am Ende haben sie gezeigt, was Weltklassemannschaften ausmacht. Ich denke, man sieht bei uns aber eine ganz klare Entwicklung“, sagte Anna Loerper. Das Rückspiel findet am Samstag in Nîmes statt. Frankreich hatte in Allison Pineau (9/3) seine beste Werferin. Für Deutschland traf Susann Müller siebenmal.

Jakob Vestergaard hatte seinen Kader für die beiden Vergleiche mit Frankreich von 20 auf 16 Spielerinnen reduzieren müssen. Dinah Eckerle, Angie Geschke, Jennifer Rode und Alexandra Mazzucco verfolgten das Spiel von der Seitenlinie. Auf französischer Seite sahen Torhüterin Julie Foggea und Rechtsaußen Blandine Dancette, wie ihr Team zunächst mit 0:2 in Rückstand geriet. Das DHB-Team deckte kompakt und ging mit Treffern von Jubilarin Kim Naidzinavicius und Xenia Smits, die in Metz spielt, in Vorlage. Katja Kramarczyk parierte zudem dreimal, und dann war es nach sechs Minuten Lone Fischer, die Frankreich auf 3:1 distanzierte.

Frankreich reagierte, wurde in der Deckung offensiver. Das nutzte, denn dadurch funktionierte das Zusammenspiel mit Amandine Leynaud im Tor besser. Dabei fehlte der Equipe unter Führung von Starspielerin Allison Pineau zwar weiterhin das Timing im Angriff, doch die deutsche Mannschaft schloss nun ebenfalls mehrfach überhastet hab. So konnten die Gäste das Ergebnis bereits beim 3:3 egalisieren. Nun war es ein offener Schlagabtausch, wobei Fischer einen Gegenstoß vergab. Zunehmend standen die Torhüterinnen im Mittelpunkt: Sowohl Kramaczyk als auch Leynaud ließen sich in den ersten zehn Spielminuten vier Paraden notieren.

Leynaud konnte ihre gute Phase nicht durchhalten. Sie fiel im weiteren Verlauf klar hinter Katja Kramarczyk zurück, die überragend agierte. Frankreichs Nationaltrainer Olivier Krumbholz konnte die deutsche Deckung zwar mit variablem Spiel knacken, mal zog Pineau den Angriff an, mal Lacrabere und mal war es Estelle Nze Minko. Doch dann war oft bei der Leipzigerin Endstation, die auch einen Strafwurf von Allison Pineau parierte. Doch der Nachwurf zum 6:6 nach einer Viertelstunde saß. Die deutsche Sieben konnte die Vorlagen der Torhüterin im ersten Punktspiel nach der WM nicht so richtig nutzen. Aber es war Krumbholz, der nach 21 Minuten beim 8:7 die erste Auszeit legte.

Jacob Vestergaard hatte gewechselt. Anna Loerper war für Naidzinavicius gekommen. Zudem verlangte er, dass sich Isabell Klein an den Kreis absetzen sollte, um für Lücken zu sorgen. Frankreich wollte vermehrt über die Flügel spielen: Marie Prouvensier erwirkte den Strafwurf, den Pineau nach 23 Minuten an die Latte setzte und die Führung liegen ließ. Stattdessen erzielte Anna Loerper mit einem feinen Hüftwurf nach 28 Minuten das 10:9. Der folgende Gegenstoß wurde wiederum leichtfertig vergeben. Frankreich verfehlte gegenüber schon zum 13. Mal gegen Kramarczyk den Treffer. Den letzten Wurf von Susann Müller vor der Sirene kassierte Leynaud, es blieb beim 10:9.

Frankreich hatte das schnellere, ausgereiftere Offensivspiel zu bieten, scheiterte jedoch zu oft an Kramarczyk. Deutschland stand sich mit technischen Fehlern im Spielaufbau teilweise selbst im weg. Daher war das Spiel zu Beginn der zweiten Hälfte offen. Beide Teams schienen an ihren Schwächen zu Wiederbeginn wenig ändern zu könnten. Bei Frankreich schien indes Laura Glauser zum Faktor zu werden, die nach ihrer Einwechslung gleich zwei Paraden verbuchte. Ihr Team nutzte diesen Impuls, Alexandra Lacrabere brachte die Equipe beim 10:11 (36.) erstmals in Vorlage. Danach löste Loeper bei der DHB-Auswahl den Knoten, doch in Überzahl stellte Bulleux auf 11:13 (39.).

Das DHB-Team war ins Hintertreffen geraten, weil es sich im Angriff immer wieder in die Distanz drängen ließ, statt, wie die Französinnen, beherzt durchzustechen. Aus dem Rückraum fehlten häufig die Impulse. Das begünstigte Fehler und vier Treffer binnen 13 Spielminuten genügten ebenso wenig, um Frankreich die Führung wieder streitig zu machen. Als Lone Fischer und Stella Kramer, nach einem Ballgewinn, auf 15:16 verkürzten, zückte Olivier Krumbholz schnell die Grüne Karte zur Auszeit. Eine Abwehrumstellung mit Anne Hubinger und Saskia Lang beförderte Deutschland beinahe wieder ins Spiel: Nach einem Pfostenwurf von Nina Kanto verfehlte Susann Müller das 17:17.

Fünfzig Minuten waren gespielt, als Shenia Minevskaja beim 17:19 erstmals traf. Kurz darauf wurde Kim Naidzinavicius bei ihrem 50. Länderspiel nochmals eingewechselt. Die Mannschaft hielt nun den Anschluss. Beim 19:20 vollendete Lone Fischer einen eigentlich verunglückten Angriff, und als auch Julia Behnke ihren ersten Torerfolg verbuchte, stand es nach fast 56 Minuten 21:21. Doch die Nerven machten der DHB-Auswahl einen Strich durch die Rechnung. Sechs unbedrängte Fehler leistete sie sich in der Schlussphase. Gnonsiane Niombla und Allison Pineau, achter Treffer, stellten auf 21:23. Frankreich gewinnt 21:24, allerdings verletzte sich Alexandra Lacrabere in der Schlussphase am Fuß.

Deutschland
Kramarczyk 20/1 Paraden, Woltering; Klein, Lang (1), Schmelzer, Loerper (2/1), Smits (1), Behnke (1), Kramer (1), Naidzinavicius (1), Hubinger, S. Müller (7/3), Fischer (3), F. Müller, Minevskaja (3), Schulze (1)

Frankreich
Leynaud 1.-31. 8 Paraden,, Glauser 32.-60. 6 Paraden) - Pineau (9), Lacrabère (5), Niombla (3), Kanto (2) - Lassource, Ayglon-Saurina, Landre, Dembélé und Bulleux (je 1)