16.12.2015 22:37 Uhr - Weltmeisterschaft - Daniel Genings, wgp

Verlängerungs-Krimi: Dänemark begeistert und kämpft, aber Rumänien mit glücklicherem Ende

Cristina Neagu erzielte fünfzehn TrefferCristina Neagu erzielte fünfzehn Treffer
Quelle: Angela Grewe
Dramatik pur im letzten Viertelfinale dieser WM. Die Entscheidung fiel nach wechselhaften Spielverlauf erst eine Sekunde vor Ende der Verlängerung: Adriana Nachita setzte den Treffer zum 31:30 für Rumänien und besiegelte so das Aus des Gastgebers im Viertelfinale. Überragende Akteurin bei Rumänien war Cristina Neagu, die 15/4 Treffer erzielte. Für Dänemark erzielte vor 12.500 Zuschauern Line Jörgensen 6/4 Tore, Anne Hansen, Mette Gravholt und Stine Jörgensen kamen auf je fünf erfolgreiche Versuche - am Ende reichte es für den WM-Gastgeber dennoch nicht.

Wie schon das erste Viertelfinale in Herning an diesem Abend begann auch das Aufeinandertreffen von Gastgeber Dänemark und Rumänien torarm, beiden Teams war der auf ihnen lastende Druck der Chance auf den Einzug in das Halbfinale der Weltmeisterschaft anzumerken. Nach zweieinhalb Minuten traf Rumänien zur Führung und erhöhte nach vier Minuten auf 2:0. Der viel umjubelte erste Treffer der Däninnen zum Anschluss fiel dann kurz darauf: Kristina Kristiansen netzte ein und das Spiel nahm Fahrt auf.

Allerdings offenbarte die Abwehr der WM-Gastgeber zu viele Lücken und so hatte Rumännien auch beim dritten Treffer leichtes Spiel. Nach dem 4:4 der Däninnen verspielten sie erneut den Ball im Angriff und Rumänien legte wieder zwei Tore vor. Ab durch die Mitte war das Motto dann beim Treffer vom Kreis zum 5:6, aber die rot-weißen Mädels zeigten sich zum wiederholen Male auf der halblinken Deckungsposition zu durchlässig, so dass Bradeanu mit ihrem zweiten Tor wieder erhöhen konnte. Allerdings blieb Dänemark im Spiel und setzte weiter über den Kreis Akzente: Mette Gravholt glich zum 7:7 aus.

Nach zwanzig Minuten beantragte Tomas Robert Ryde für seine Rumäninnen die erste Auszeit der Partie. Das Team vom Schwarzen Meer legte zwar weiterhin vor, Dänemark kam aber zunächst immer umgehend zum Ausgleich. Erst kurz vor der Pause setzte die überragende Cristina Neagu mit einem lupenreinen Hattrick die Führung auf 13:10, den letzten Treffer erzielte die Rückraumspielerin, die für ihre Durchbrüche immer wieder Lücken in der dänischen Deckung fand, dabei sogar in Unterzahl.

Nach dem Seitenwechsel dauerte es keine drei Minuten, da hatten die WM-Gastgeber schon dreimal getroffen, der Rückstand war ausgeglichen, die Halle stand Kopf und hoffte nun auf einen Sturmlauf ihres Teams. Doch Rumänien antwortete kühl, die Gäste setzte ebenfalls drei Treffer und erhöhten auf 16:13. Dänemark versuchte es nun in Überzahl mit einer zusätzlichen Feldspielerin und kam im Angriff bei sieben gegen fünf zum Treffer. Beim 18:17 war der Anschluss wiederhergestellt, doch Rumänien legte weiter vor. Der umjubelte Ausgleich zum 19:19 schien dann aber eine Viertelstunde vor dem Ende ein Wendepunkt. Aber Rumänien ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und legte erneut zwei Treffer vor.

Dänemark kämpfte verbissen um den Anschluss. Sieben Minuten vor dem Ende kassierte die dänische Torhüterin Sandra Toft einen Kopftreffer, aber sie konnte weiterspielen. Im Gegenangriff wurde abermals Gravholt am Kreis mustergültig bedient, das 24:24 wurde sechs Minuten vor dem Ende mit Standing Ovations in der Halle begleitet. Doch der WM-Gastgeber vergab die Chance zur Führung, Rumänien legte wieder vor, mit einem 27:26 für die Gäste ging es in die letzte Minute - in der gleich drei Siebenmeter für atemberaubende Spannung sorgen sollten:

Dreißig Sekunden vor Schluss bekam Dänemark einen Strafwurf zugesprochen. Stine Jorgensen verpasste von der Marke, da sie aber beim Nachwurfversuch durch zwei Gegenspielerinnen, die im Kreis standen, behindert wurde, gab es erneut Siebenmeter. Line Jorgensen machte es 17 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit besser und brachte mit ihrem sechsten Treffer die Stimmung zum Überkochen. Doch das 27:27 war nicht die letzte Aktion des Spiels. Rumänien nutzte die letzte Auszeit, spielte sich bis zur letzten Sekunde eine Chance heraus und bekam mit dem Schlusspfiff noch einen Strafwurf wegen Haltens zugesprochen. Doch zwischen rumänischer Werferin und Halbfinal-Einzug stand Rikke Poulsen. Sie parierte und rettete damit Dänemark in die Verlängerung.

In der Verlängerung spielte Rumänien seine internationale Erfahrung aus, nach vierzehn Treffern in der regulären Spielzeit sollte Cristina Neagu nur noch einen weiteren erzielen, dafür waren ihre Mitspielerinnen zur Stelle und drehten die erste dänische Führung durch Anne Hansen mit einem Doppelschlag zum 29:28. Anne Hansen hielt die Hoffnung des WM-Gastgebers mit ihrem Treffer zum 30:30 noch am Leben, doch Dänemark schienen durch die dauernde Aufholjagd die Kräfte zu verlassen. Rumänien schuf im nächsten Angriff viel Platz für Adriana Nechita, die von Außen zum entscheidenden 31:30 traf.

"Gratulation an Dänemark, sie haben einen schönen Handball gespielt und uns alles abverlangt", sagte der rumänische Trainer Costica Buceschi und zeigte sich verständlicherweise hocherfreut über den Halbfinaleinzug. "Das war ein schweres Spiel, aber wir haben es geschafft, zu gewinnen. Unsere Moral war zwischendurch nicht hoch genug, aber wir haben dann wieder besser zusammengefunden – auch über unsere starke Abwehr. Die letzten fünf Minuten der Verlängerung haben wir dann unseren Vorteil nutzen können", schloss er ab. Bestürzung hingegen bei WM-Gastgeber Dänemark. "Natürlich sind wir enttäuscht. Das war ein hartes Spiel“, so ihr Trainer Klavs Bruun Jorgensen. „Wir haben unseren Rhythmus nicht gefunden und hatten Probleme mit Neagu. Sie hat ein fantastisches Spiel gemacht." Maria Fisker fügte an: "Wie Klavs schon gesagt hat, bin auch ich sehr enttäuscht. Wir hatten gehofft, dass wie heute gewinnen können."