16.12.2015 20:02 Uhr - Weltmeisterschaft - Daniel Genings, wgp

Polen bezwingt auch Russland und zieht sensationell ins Halbfinale ein

Karolina Kudlacz-Gloc führte Polen ins HalbfinaleKarolina Kudlacz-Gloc führte Polen ins Halbfinale
Quelle: sportseye.de
In einem von vielen ausgelassenene Torchancen geprägten Viertelfinale besiegte Polen am Ende Russland knapp mit 21:20 und steht damit als zweiter Halbfinal-Teilnehmer und Gegner der Niederlande bei der WM in Dänemark fest. Über weite Strecken lagen die Polinnen vorne, gerieten aber Mitte der zweiten Halbzeit mit zwei Toren ins Hintertreffen. Auch auch aus dieser zehnminütigen Torflaute befreiten sich die Polinnen angeführt von der erneut überragenden Leipzigerin Karolina Kudlacz-Gloc und setzten am Ende durch einen Doppelschlag von Monika Kobylinska die entscheidenden Treffer. Russland, das zuvor bei dieser WM in sechs Spielen noch ungeschlagen war und als Medaillenanwärter galt, reist hingegen nach Hause.

Polens erfolgreichste Schützin des Turniers machte den Auftakt in der Partie gegen Russland: Karolina Kudlacz-Gloc, Dreh- und Angelpunkt des polnischen Teams und auch heute Kapätin die Führungspersönlichkeit in ihrem Team, traf per Kempa zum 1:0, zuvor hatte die Deckung einen Versuch der Russin Dmitrieva geblockt. Zwar kam Russland zum 1:1, doch es sollte für die ersten zehn Minuten der einzige Treffer der Spielerinnen von Trainer Evgeniy Trefilov sein. Der russische Trainer zeigte sich unzufrieden und beantragte schon früh die Auszeit. Zwar kamen kamen die Russinnen zu ihren Chancen, doch das, was dann noch durchbrach, fischte die polnische Keeperin Anna Wysokinska weg.

Das große Glück der Russinnen war, dass auch Polen zunächst einige gute Gelegenheiten ausließ. Als Anna Vyakherina den zweiten Treffer für den Favoriten setzte, hieß es so lediglich 4:2 für Polen. Russland glich nach achtzehn Minuten zum 6:6 aus, doch nur drei Minuten später nutzte Polen erst eine Überzahlsituation aus und Malgorzata Stasiak erhöhte aus dem Rückraum wieder auf zwei Treffer für die Spielerinnen von Trainer Kim Rasmussen.

Russland mühte sich, tat sich im Angriff aber weiterhin schwer - Polen überzeugte mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung, verteidigte mit viel Einsatz und bremste den russischen Angriff immer wieder erfolgreich aus. Kurz vor der Pause gingen die in rot gekleideten Polinnen erstmals mit drei Treffern in Führung: Aus der zweiten Phase heraus erzielte Niedzwiedz das 10:7.

Aber Kudlacz verpasste eine noch höhere Führung. Zur Halbzeit konnten die Russinnen so zumindest wieder etwas verkürzen, Polina Kuznetcova setzte den letzten Treffer des ersten Abschnitts. Dennoch waren die polnischen Fans angesichts der 11:9-Pausenführung mehr als zufrieden.

Linksaußen Kuznetcova sorgte mit ihrem zwei schnellen Toren direkt nach Wiederbeginn allerdings für den erneuten Ausgleich Russlands zum 11:11. Allerdings verletzte sie sich kurz darauf und musste per Trage vom Feld gebracht werden. Sie nahm zwar wieder auf der Bank Platz, konnte in Folge aber nicht mehr eingesetzt werden. Polen nutzte die kurze Phase der Verunsicherung auf Russlands Seite zur erneuten Drei-Tore Führung aus. Doch in den Folgeminuten wurde Polen zunehmend nervös, und verschenkte mehrere Angriffe. Russland drehte die Partie binnen Minuten, kam erst zum Ausgleich und konnte nun selbst zwei Treffer vorlegen.

Zehn Minuten blieb Polen ohne Treffer, allerdings steigerte sich nun auch Attraktivität der bis dahin von vielen Fehlversuchen geprägten Partie. Polen kämpfte sich über die Deckung zurück und konnte die russische Führung immer wieder egalisieren. Auch weil neben Anna Wysokinska nun Weronika Gawlik im Tor ihre Klasse zeigte. Beim 20:20 war Polen wieder auf Augenhöhe, der Treffer acht Minuten vor dem Ende sollte jedoch bis in die letzte Spielminute der letzte bleiben. Die Spannung und der Druck auf beiden Teams war greifbar, keine Mannschaft konnte eine der zahlreichen Möglichkeiten nutzen. Dann setzte Polen den entscheidende Treffer zum 21:20, wieder war es Monika Kobylinska, die bereits für den Ausgleich gesorgt hatte. Russland konnte nicht mehr kontern und die polnischen Spielerinnen bejubelten zusammen mit den polnischen und dänischen Fans den erneuten Halbfinaleinzug.

„Ich bin mir noch nicht sicher, was passiert ist“, so ein freudestrahlender Kim Rasmussen nach der Partie. Der Trainer der Polen sprach davon, dass er „sehr stolz ist, eine wirklich große Handball-Nation geschlagen zu haben. Wir haben nun dreimal in Folge Russland bezwingen können. Irgendwas müssen wir ja dann richtig machen. Es war schön zu sehen, als sich die Halle immer mehr füllte und das Publikum uns unterstützt hat. Wir brauchten heute alles, um Russland zu schlagen.“ Weronika Gawlik – mit einer Quote von 55% vernagelte sie phasenweise das polnische Tor – fehlten direkt nach der Partie noch ein wenig die Worte: „Das einzige was ich sagen kann ist, dass ich so stolz und so glücklich bin.“ Russlands Coach Evgeniy Trefilov schien bedient auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Denn Russland konnte nicht an die Leistung aus den vergangen Spielen anknüpfen. „Wir haben zwanzig Bälle vergeben und haben sehr viele Fehler gemacht. Das ist nicht unser Spiel bei einer WM.“