07.12.2006 13:48 Uhr - Europameisterschaft - Martin Kloth - dpa

Baumbachs Rückkehr als Nummer 2 - "Neid oder Missgunst gibt es nicht"

Ein kleines Jubiläum, eine großartige Arena und die Aussicht auf eine hoffnungsvolle Zukunft: Im würdigen Rahmen der Europameisterschaft kehrt Maren Baumbach auf die große Handball-Bühne zurück. Im Scandinavium von Göteborg bestreitet die 25 Jahre alte Rückraumspielerin des Bundesligisten DJK/MJC Trier heute um 17 Uhr (live im DSF) gegen Polen ihr 75. Länderspiel. "Wir haben es im vorigen Jahr geschafft, den Anschluss an die Weltspitze zu finden. Das wollen wir ausbauen", kündigte sie für das EM-Turnier an.

Maren BaumbachMaren Baumbach
Quelle: Michael Heuberger
Doch gerade das vergangene Jahr hatte ihr schmerzhafte Erfahrungen bereitet. Eine komplizierte Schulterverletzung mit anschließender Operation im Mai 2005 kostete die Studentin nicht nur die ersehnte Teilnahme an der WM in St. Petersburg, sondern auch eine zwölf Monate lange Auswahl-Pause. "Da ging nicht einmal mehr Zähneputzen", erzählte sie. Und das ausgerechnet in der Phase, als mit Armin Emrich ein neuer Bundestrainer im März 2005 die Nationalmannschaft übernommen hatte. "Ich habe das erste Jahr unter Emma verpasst", beklagte Maren Baumbach.

Nur zu gern hätte sie es anders erlebt. Im Oktober 2005 feierte sie ihr Comeback in der Bundesliga. Doch für die WM reichte es nicht mehr. "Ohne die WM hätte ich vielleicht noch länger Pause gemacht", gesteht die Schwäbin. Zudem wurde sie von Nina Wörz als Denker und Lenker im deutschen Team verdrängt. "Das war ein ganz normaler Vorgang durch die Verletzung. Nina hat eine gute Entwicklung hingelegt. Damals war ich die Nummer eins auf meiner Position, jetzt bin ich hinter Nina", erkennt Maren Baumbach an.

Die Enttäuschung des Vorjahres ist verflogen - auch weil die Rückkehr in die Auswahl nach ihrer Aussage völlig problemlos verlaufen ist. "Es ist, als wenn ich nie weg war. Es macht immer Spaß, in die Nationalmannschaft zu kommen. Es ist wunderbar hier. Neid und Missgunst gibt es nicht", beteuert sie. Mit der Auswahl will sie zwei Jahre nach Platz fünf bei der EM in Ungarn zum großen Wurf ausholen. Dabei sieht sie es Vorteil, dass mit ihr, Nina Wörz (Randers HK) und Anna Loerper (Leverkusen) drei Spielerinnen um die Spielmacher-Position konkurrieren. Baumbach: "Wir sind alles unterschiedliche Typen und ergänzen uns sehr gut. Es gibt andere Nationen die froh wären, wenn sie drei so gute Typen wie wir hätten."

Für die Trierin ist die EM aber auch die Bühne, um für sich selbst zu werben. Denn ihr Vertrag bei den "Miezen" läuft Ende der Saison aus. "Die EM ist immer ein Turnier wo viel beobachtet wird. Man versucht auch Leute zu überzeugen, die noch nicht überzeugt waren", erklärt sie. Auf eine künftige sportliche Heimat hat sie sich noch nicht festgelegt. "Ich will mir vor einem Großturnier nicht den Kopf darüber zerbrechen. Man braucht für so ein Turnier einen freien Kopf. Deswegen kann ich nicht sagen, was ich machen werde oder will", sagte sie und schließt auch einen Wechsel nach Dänemark nicht aus: "Das lasse ich offen."


Maren Baumbach im Test gegen Frankreich
Photo: Michael Heuberger