09.12.2015 17:27 Uhr - Weltmeisterschaft - Björn Pazen, dpa und red

Anna Loerper: Im jungen DHB-Team nur für die Musikauswahl zu alt

Anna LoerperAnna Loerper
Quelle: Ingrid Anderson-Jensen
Erfahrung ist in der jungen Handball-Nationalmannschaft bei der WM gefragt. Anna Loerper bringt diese mit und hilft damit ihren Mitspielerinnen. Großes gemeinsames Ziel: Olympia.

Auch wenn sie die zweitälteste Spielerin im Kader der deutschen Handballerinnen bei der WM in Dänemark ist, sieht sich Anna Loerper keineswegs als «Mutter der Kompanie». «Ich helfe den jungen Spielerinnen gerne, aber nicht, dass ich die Glucke für die Küken bin, sondern eher auf Augenhöhe», kommentierte die 31-Jährige. Loerper spielt gerade ihre sechste Weltmeisterschaft seit 2005, ist mit 209 Länderspielen die erfahrenste Spielerin in der verjüngten Mannschaft von Bundestrainer Jakob Vestergaard.

Nach drei Partien in Dänemark sieht die Spielmacherin vom TuS Metzingen ihre Mannschaft «auf dem richtigen Weg», auch wenn es gegen Frankreich (20:30) und am Dienstagabend gegen Weltmeister Brasilien (21:24) Vorrunden-Niederlagen gab. «Aber gerade das Spiel gegen Brasilien hat gezeigt, dass wir uns schnell entwickeln», sagte Loerper.

Mit einem Durchschnittsalter von 24,8 Jahren zählt die Auswahl des Deutschen Handballbunds zu den jüngsten bei der WM, umso wichtiger sind da erfahrene Spielerinnen wie Loerper. «Ich versuche, den jungen Spielerinnen, die ihr erstes großes Turnier spielen, zu helfen, wo ich kann. Das geht von organisatorischen Dingen bis hin zu allem, was auf dem Feld passiert», kommentierte sie.

Ein mannschaftsinternes Amt musste sie aber schon an den Nachwuchs abtreten. «Ich war früher unsere Musikwartin, aber den Geschmack unserer Küken treffe ich heute nicht mehr», berichtete sie.

Die nur 1,68 Meter große Rückraumspielerin zählte mit vier Treffern am Dienstag gegen Brasilien zu den stärksten Angreiferinnen, ist zudem eine große Motivatorin. «Unser Team harmoniert, auf dem Feld und von der Bank kommen viele Emotionen, das zeichnet uns als Mannschaft aus», urteilte Loerper.

DHB-Präsident Andreas Michelmann zog ein ähnliches positives Fazit: «Das war die mit Abstand beste Leistung dieser neu formierten Mannschaft, die ich gesehen habe. Die Spielerinnen werden an diesem Spiel wachsen. Nur schade, dass wir das Spiel nicht gewonnen haben.»

Mit nun 2:4 Punkten steht die deutsche Mannschaft in Vorrundengruppe C auf dem vierten Platz, der für das Achtelfinale reichen würde. Mit dem 33:13 gegen Argentinien gelang am Montag ein Pflichtsieg, gleiches ist auch für das letzte Vorrundenspiel gegen den Kongo zum Vorrundenabschluss am Freitag eingeplant. Dann wäre das erste Ziel Achtelfinale erreicht. Gegen Südkorea (Donnerstag, 20:30 Uhr) hofft Loerper hingegen auf Bonuspunkte: «Wir werden uns intensiv auf deren unorthodoxe Spielweise vorbereiten.»

Zweimal allerdings - bei der EM 2010 und der WM 2011 - verpasste das Nationalteam mit ihr jeweils im letzten Vorrundenspiel das Weiterkommen. Allerdings ist die Spielmacherin neben Torfrau Clara Woltering auch die letzte Deutsche aus der DHB-Mannschaft, die 2007 WM-Bronze gewann und 2008 in Peking bei den Sommerspielen spielte.

«Ich will unbedingt noch einmal bei Olympia dabei sein», sagte Loerper. Der Weg nach Rio ist allerdings noch weit. Bei der WM muss die DHB-Auswahl ins Viertelfinale einziehen, was gleichbedeutend mit einem Ticket für ein Olympia-Qualifikationsturnier im März ist. Und dort müsste man mindestens Zweiter werden, um in Rio dabei zu sein.



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