06.12.2006 12:21 Uhr - Europameisterschaft - Christopher Monz

"Die Breite ist unsere Stärke" - Nina Wörz im Interview

Nina WörzNina Wörz
Quelle: Michael Heuberger
Seit dieser Saison in Dänemark aktiv hat sich Nina Wörz auch in der deutschen Nationalmannschaft zu einer unverzichtbaren Größe entwickelt. Handball-world.com und hbvf.de sprachen kurz vor dem Start der Europameisterschaft in Schweden mit der Spielmacherin über den bisherigen Saisonverlauf im Verein, ihre Ziele und die Vorbereitung auf die EM mit der DHB Auswahl. Die 26-Jährige erklärt zudem, warum sie besonders gern zur Nationalmannschaft reist und sie eine Überraschung in Schweden durchaus für möglich hält.


Kommen Sie seit dieser Saison eigentlich lieber zur Nationalmannschaft als in der Vergangenheit?

Nina Wörz (lacht):
Ja, das heißt nämlich dass ich meistens nach Deutschland komme und meine Mitspielerinnen wieder sehe, die ich ja nun nicht mehr jedes Wochenende in der Bundesliga treffe. Deshalb komme ich besonders gerne.

Seit dieser Saison spielen Sie in Dänemark, schon heimisch geworden in Randers?

Nina Wörz:
Ja, mittlerweile bin ich ja schon ein halbes Jahr in Randers, ich denke ich habe mich schnell zurecht gefunden.

Auch mit der Sprache?

Nina Wörz:
Da hab ich überhaupt keine Probleme mehr.

Wie fällt Ihr Fazit im Verein aus, liegt Randers HK im Soll?

Nina Wörz:
Momentan liegen wir in der Liga auf Platz 5, ich denke somit läuft alles nach Plan.

Was ist mit Randers in dieser Saison am Ende möglich?

Nina Wörz:
Mein Ziel ist ganz klar das Halbfinale um die Meisterschaft zu erreichen, also unter die ersten vier Mannschaften zu kommen, ich denke das ist mit unserer Mannschaft auch möglich.

Mit Ihrer persönlichen Leistung sind Sie soweit auch zufrieden?

Nina Wörz:
Ja, natürlich war es am Anfang schwer für mich, eine neue Liga, neue Mitspielerinnen, aber das wird mit jedem Spiel besser, und ich spiele mich mehr und mehr ein. Mal sehen was die Rückrunde für mich bringt.

Mit Trainer Martin Albertsen und Katrine Fruelund sind Sie im "Dreierpack" vor der Saison vom HC Leipzig nach Randers gewechselt, wie wichtig sind beide für Sie?

Nina Wörz:
Martin ist immer noch sehr wichtig für mich, sonst wäre ich auch nicht mit ihm nach Dänemark gewechselt. Katrine hat mir vor allem zu Beginn sehr geholfen, dass ich mich in der Mannschaft zurecht finde, mit der dänischen Mentalität klar komme, auch außerhalb der Sporthalle hat sie mir geholfen wenn es darum ging zum Beispiel Papierkram zu erledigen.

Verfolgt Nina Wörz die Bundesliga noch aus der Ferne?

Nina Wörz:
Na sicher, wenn ich nichts zu tun habe setze ich mich vor den Liveticker und verfolge die Spiele in Deutschland. Ansonsten gibt es Videotext, oder ich schicke SMS nach Deutschland.

Ihr Ex-Verein HC Leipzig scheint den angekündigten Umbruch überraschend schnell vollzogen zu haben.

Nina Wörz:
Ja, wie ich das aus der Ferne so beobachte freut es mich natürlich das Leipzig sofort wieder in der Spitze mitspielt. Das hätte ich ehrlich gesagt nicht unbedingt erwartet. Ich hoffe dass der HCL ähnlich gut abschneidet wie im letzten Jahr.

Kommen wir zur Nationalmannschaft, die EM steht vor der Tür, zuletzt gab es drei Pleiten beim Möbelringen Cup gegen Norwegen, Russland und Frankreich, in den letzten Testspielen gegen Spanien ein Unentschieden und zum Abschluss einen Sieg. Wie fällt Ihr Fazit der Vorbereitung aus?

Nina Wörz:
Wir haben uns doch mit Blick auf den EM Start gesteigert. Wir hoffen, dass wir aus dem letzten Sieg gegen Spanien das Selbstvertrauen und den Schwung mitnehmen und am Donnerstag mit einem Erfolg in die EM starten.

Was ist möglich bei der EM?

Nina Wörz:
Das ist sehr schwer zu sagen. Sehr wichtig wird das erste Spiel, wie wir in das Turnier starten, davon hängt viel ab. Wir müssen unbedingt einen guten Turnierstart erwischen. Und nach dem ersten Spiel ist das zweite Spiel das wichtigste Spiel. Wir schauen von Partie zu Partie. Ich persönlich denke, dass schon eine Menge möglich ist wenn wir unsere Leistung abrufen.

Wenn Sie Deutschland als Team beschreiben müssten, was ist das Besondere an dieser Mannschaft?

Nina Wörz:
Ich glaube wir haben so viel Spaß innerhalb der Mannschaft wie nie zuvor. Wir haben so viele verrückte Typen in der Truppe, und auch beim Möbelringen Cup in Norwegen, wo wir eigentlich nichts zu lachen hatten, hatten wir viel Spaß zusammen. Die Stimmung ist ausgezeichnet, das macht natürlich sehr viel aus.

Was ist die Stärke von Deutschland?

Nina Wörz:
Die Breite natürlich. Wir sind auf jeder Position doppelt besetzt, können wechseln. Das ist wichtig, unser Spiel ist auf mehreren Schultern verteilt.

Verraten Sie uns eine Schwäche von Deutschland?

Nina Wörz:
Das ist schwer. Eine Schwäche könnte sicherlich sein, dass wir manchmal zu hektisch agieren und dann auch zu viele Fehler machen. Ich denke das hat man auch in den letzten Spielen gegen Spanien in ein paar Phasen gesehen, das müssen wir in Schweden abstellen.

Nach der abgelaufenen WM in Russland kommt zur EM Maren Baumbach wieder in den Kader, die genau wie Sie auf der Spielmacherposition agiert. Wie sehen Sie jetzt, auch durch die Rückkehr von Baumbach, Ihre Rolle im Team?

Nina Wörz:
Durch die Rückkehr von Maren werden wir grade auf der Spielmacherposition noch variabler. Das kommt auch mir entgegen, es ist gut dass wir uns die Position teilen, auch kräftemäßig. Keine von uns kann 60 Minuten durchpowern. Wenn es so bei der EM weitergeht denke ich, dass wir beide eine gute Rolle spielen können und uns gut ergänzen.

Die letzte Frage nach der Favoritenrolle für die EM...

Nina Wörz:
Ungarn habe ich noch gar nicht gesehen, da kann ich nichts zu sagen und bin selbst gespannt. Russland hat als Weltmeister immer eine starke Mannschaft, Norwegen finde ich dieses Jahr auch unheimlich stark, und dazwischen, Deutschland vielleicht (lacht)...

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg bei der EM.


Nina Wörz in Aktion bei der letzten WM