18.11.2006 18:35 Uhr - 1. Bundesliga - Ole Rosenbohm

Oldenburg holt sich gegen Blomberg den sechsten Saisonsieg

Der Sponsor des Spiels, die Spiekerooger Leidenschaft hatte rund 500 Kinder aus Vereinsmannschaften der Region eingeladen und diese fabrizierten einen nie dagewesenen Lärm in der EWE Arena. Mit Hilfe der "achten Spielerin" (VfL-Trainer Leszek Krowicki) kam Gastgeber VfL Oldenburg zu einem verdienten 32:26 (19:14)-Sieg gegen die HSG Blomberg-Lippe und gab den Kritikern nach zuletzt zwei Heimniederlagen in der Handball-Bundesliga in Folge auf der Platte die richtige Antwort. Oldenburg festigte so den sechsten Tabellenplatz, Aufsteiger Blomberg bleibt auf Platz Acht.

Dagmara Kowalska wurde zur Spielerin des Spiels gewähltDagmara Kowalska wurde zur Spielerin des Spiels gewählt
Quelle: Thorsten Helmerichs
Dabei sah es vor dem Spiel gar nicht gut für den VfL aus. Am Donnerstagabend hatte sich Milica Danilovic bei einem Zusammenprall im Training eine sehr schmerzhafte Rippenprellung zugezogen. Ihr Einsatz am Mittwoch in Buxtehude ist unsicher. Auch die erkrankten Magdalena Urdea und Alexandra Temp sowie die noch verletzte Anna Badenhop fehlten. Krowicki standen damit nur acht Feldspielerinnen zur Verfügung. Darunter auch Irina Pusic und Diane Lamein, die unter der Woche dreimal für das holländische Nationalteam beim World Cup aktiv waren. In der Anfangsaufstellung überraschte der VfL mit Wiebke Kethorn für Kim Birke auf Linksaußen sowie Kathrin Scholl auf der rechten Seite.

Schnell zeigten sich den insgesamt 1100 Zuschauern zwei Erkenntnisse. Zum Einen, dass der VfL im Angriff kaum wieder zu erkennen war, zum Anderen, dass sich in Aufsteiger HSG Blomberg-Lippe ein ernstzunehmender Gegner präsentierte. Oldenburg traf siebenmal in den ersten acht Angriffen, die Gäste ließen sich jedoch nicht abschütteln. Besonders Mirja Mißling, Aufbauspielerin Katrin Dorna und Rechtsaußen Sylvia Dorna stellten die VfL-Abwehr vor Probleme. Auf der anderen Seite jedoch überzeugten die Gastgeberinnen mit schnellem Spiel, engagiertem Auftreten, Spielfreude und Treffsicherheit aus dem Rückraum.

Auch präsentierten sich die Oldenburgerinnen als geschlossene Einheit. Keine Spielerin ließ sich hängen, der Zusammenhalt der Mannschaft war bis auf die Zuschauerränge spürbar. Von jeder Position mehrmals erfolgreich, ging der VfL mit einem scheinbar beruhigenden 19:14 in die Kabine. Bis zur Pause hatte Krowicki dabei sein überzeugendes Team durchspielen lassen.

Einen Hänger leistete sich der VfL Anfang ab Minute 34. Ausschlaggebender Punkt war dabei kurioserweise eine vom sicheren Schiedsrichtergespann Uwe Prang/Uwe Reichl ausgesprochene doppelter Zeitstrafe gegen Gegner Blomberg: Tessa Cocx hatte gefoult, Katrin Dorna die Strafe kommentiert. Kurios, dass nicht die Oldenburgerinnen ihren 20:16-Vorsprung ausbauten, sondern Jolanda Robben die VfL-Abwehr auswackeln durfte. "Unglaublich. Aber ich kenne das: In so einer Situation verlässt du dich auf die Partnerin, die Mannschaft in Unterzahl aber ist hellwach", kommentierte Krowicki. Wieder vollzählig erzielte Mißling gar das 20:18, in der 39. Minute waren die Gäste durch einen weiteren Mißling-Treffer auf 20:21 dran.

Wer weiß, wie die Partie verlaufen wäre, hätte die wieder gute Heike Zornow Sylvia Dornas anschließenden Konter nicht in Klasse-Manier pariert. Für HSG-Coach Andre Fuhr war es jedenfalls eine Schlüsselszene: "Oldenburg war angeschlagen, da musst du den Gegenstoß einfach setzen." Tatsächlich war danach die Widerstandskraft der Blombergerinnen gebrochen. Vier Tore in Serie entschieden die Partie für den VfL. Das Tor des Tages gelang Lamein, die einen Pass Dagmara Kowalskas per Kempa-Trick verwandelte.

In den entscheidenden Phasen konnten die Gäste das hohe Tempo des VfL nicht mitgehen. Auch weil Mißling in den letzten 15 Minuten kaum noch etwas gelang, kassierte die HSG eine Niederlage, die auch knapper hätte ausfallen können. Vorher gelang der 22-Jährigen eine sehr gute Leistung. Lamein, Pusic, Kowalska und Jana Oborilova zeigten ihre Klasse und ragten aus einem Oldenburger Team heraus, das mit Leidenschaft und Können gefiel. Auf den Außen überzeugten Kethorn, die erst fünf Minuten vor Spielbeginn von ihrem Einsatz erfahren hatte, und Scholl, die auf ungewohnter Position Akzente setzte. Kowalska wurde erstmals zur Spielerin des Tages gewählt.

Stimmen zum Spiel:

Leszek Krowicki, Trainer VfL:
Wir haben im Angriff viel geändert, auch ich habe mehr Einfluss genommen. Konzeptionell kommt es an das heran, was ich mir vorstelle. Die Mannschaft hat umgesetzt, was wir besprochen haben. Dass wir konditionell bei so vielen Ausfällen einbrechen, habe ich niemals geglaubt. Die Mannschaft hat mein Vertrauen zurückgegeben.

André Fuhr, Trainer HSG:
Das war ein verdienter Sieg des VfL, wenn auch um ein paar Tore zu hoch. Es war für uns kein Vorteil, dass Danilovic fehlte, denn Kowalska nutzte die Chance und zeigte, was sie kann. Am Ende haben wir zu wenig an uns geglaubt. Aber wir haben gute Ansätze gezeigt.

Diane Lamein, VfL:
Blomberg hat sich gut verkauft, daher war dieser Sieg nicht einfach. Aber wir haben super gekämpft, standen hinten gut und haben wichtige Gegenstöße gesetzt. Im Angriff haben wir endlich wieder schnell gespielt. Das Publikum hat uns auch durch schwierige Phasen geholfen. Die Atmosphäre in der Halle war Klasse. Nach fünf Spielen in sieben Tagen fühle ich mich einfach platt. In den letzten fünf Minuten habe ich mehrmals auf die Uhr geschaut.

Wiebke Kethorn, VfL:
Wir standen gewaltig unter Druck. Doch schon unter der Woche ging ein Ruck durch die Mannschaft. Wir haben alles neu aufgebaut. Im Spiel habe ich nie an dem Sieg gezweifelt.

=> Statistik und Spielverlauf



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