01.07.2015 08:52 Uhr - Jugend/Juniorinnen - Markus Hausdorf

Kerstin Reckenthäler: "Als Trainerin brauche ich diese Emotionen, die Freude und den Spaß!"

Pia Adams (links) und Jojo Heldmann (rechts) mit Kerstin Reckenthäler nach dem Aufstieg mit der 2. Mannschaft des TSV Bayer Leverkusen in die 3. Liga West.Pia Adams (links) und Jojo Heldmann (rechts) mit Kerstin Reckenthäler nach dem Aufstieg mit der 2. Mannschaft des TSV Bayer Leverkusen in die 3. Liga West.
Quelle: Marianne Müller
Kerstin Reckenthäler ist zurück beim TSV Bayer Leverkusen. Die ehemalige Nationalspielerin beerbt ihren Nachfolger Christian Hentschel, der vor einem Jahr auf Kerstin Reckenthäler folgte. Künftig wird die 33-Jährige die weibliche A-Jugend in der Jugend-Bundesliga Handball (JBLH) sowie die 2. Mannschaft in der 3. Liga West trainieren. Markus Hausdorf sprach mit Kerstin Reckenthäler über die Rückkehr nach Leverkusen und ihren Zielen.

Herzlich Willkommen zurück auf der Trainerbank der Juniorelfen des TSV Bayer Leverkusen. Wie fühlt sich die Rückkehr nach nur einem Jahr an?

Kerstin Reckenthäler:
Der Kontakt zu den Mädels und auch Rainer Adams war das ganze Jahr nie abgerissen und ich habe mit einigen Spielerinnen ein sehr enges persönliches Verhältnis, trotzdem war ich natürlich gespannt in der Halle als Trainerin wieder vor das Team zu treten. Aber bereits nach zwei Einheiten mit den zum Teil auch neuen Mädels fühlt es sich wie immer an, als sei ich nie weggewesen. Die Stimmung ist super, die Mädels haben sich riesig gefreut. Ich glaube, das passt einfach gut!

Für Außenstehende kam der Wechsel auf der Trainerposition überraschend. Christian Hentschel konnte ungeschlagen die Deutsche Meisterschaft verteidigen und in der 3. Liga belegte man Platz 5. Wie überraschend war es für dich, dass der TSV Bayer Leverkusen mit dir Kontakt aufgenommen hat?

Kerstin Reckenthäler:
Ob das für Außenstehende überraschend kam, darüber möchte ich mir kein Urteil erlauben, ebenso wenig wie zu den Beweggründen des Vereins. Für mich persönlich kann ich sagen, dass ich das "fast" handballfreie Jahr nach 15 Jahren Leistungssport genossen habe, weil ich mich einfach mal freier ohne Termindruck entfalten konnte. Trotzdem habe ich gemerkt, dass mir die Arbeit mit den Mädels einfach gefehlt hat. Ich als Trainerin brauche diese Emotionen, die Freude und Spaß, den man im ambitionierten Jugendbereich findet. Die Arbeit mit einer talentierten jungen Mannschaft, die ich formen kann, empfinde ich als etwas sehr schönes, weswegen ich nach Renates Kontaktaufnahme auch positiv reagiert habe.

Wie beurteilst du das Abschneiden deiner ehemaligen bzw. neuen Mannschaft in der abgelaufenen Spielzeit?

Kerstin Reckenthäler:
Ich kannte viele der Mädels, die Stammmannschaft hat 2-3 Jahre vorher unter mir trainiert und ich wusste, dass die Mädels einfach sehr gut sind. Spielerinnen wie Pia Adams, Ramona Ruthenbeck, Kim Braun, Elisa Burkholder, Vanessa Fehr oder Anna Spielvogel haben regelmäßig bei der 1. Damen trainiert und teilweise auch schon viele Spiele gemacht, so dass mich eine Teilnahme am Final Four eigentlich nicht gewundert hat. Trotzdem muss man mit der Favoritenrolle auch immer erst zurecht kommen und das haben die Mädels toll gemacht. Der Druck war sicherlich hoch und man wird nicht einfach so dreimal deutscher Meister hintereinander. Ich habe das Endspiel natürlich über "Live-Ticker" miterlebt und mich riesig für die Mädels gefreut.

Wie hast du diese einjährige Pause genutzt? So ganz warst du ja auch nicht von der Handballbühne verschwunden…

Kerstin Reckenthäler:
Für mich war klar, dass ich in diesem Jahr nicht für einen anderen Verein tätig sein wollte. Ich brauchte einfach mal diese Pause, um mich auf andere Dinge, vor allem in der Schule, zu konzentrieren bzw. einfach mal etwas Abstand vom Handball zu bekommen. Ich habe aber die HVM Mannschaft (Jahrgang 99) übernommen. Auch diese Arbeit macht mir viel Spaß, leider sieht man sich dort eher unregelmäßig und man ist nie so nah an der Mannschaft wie es im Verein möglich ist. Mit dem HVM Team steht im Januar 2016 noch der Länderpokal aus, auf dem wir natürlich möglichst erfolgreich abschneiden wollen.

In der neuen Saison wirst du die weibliche A-Jugend wieder betreuen und mit der 2. Mannschaft in der 3. Liga West auflaufen. Mit welchen Zielen und Erwartungen gehst du in die Spielzeit 2015/2016?

Kerstin Reckenthäler:
Dieses Jahr verändert sich das Gesicht des Juniorteams erheblich. Die "alten" 96er wie Pia Adams und Ramona Ruthenbeck gehen komplett in den Frauenbereich, auch Spielerinnen wie Elisa Burkholder und Vanessa Fehr werden in den Kader der 1. Damen rücken. Diese Spielerinnen hinterlassen natürlich eine große Lücke, die es zu füllen gilt. Aber wir haben neue, junge Spielerinnen der Jahrgänge 98 und 99 gefunden, die talentiert sind und "Bock" haben, Handball zu spielen. Dazu kommen die 97er wie Kim Braun und Anna Spielvogel, die jetzt das Team führen und verstärkt in diese Rolle reinwachsen müssen. Wir wollen die Drittliga-Saison nutzen, um die jungen Mädels an den Frauenbereich ranzuführen. In der A-Jugend-Bundesliga muss es Ziel sein, wieder ganz oben mitzuspielen. Man kann zwar nicht immer davon ausgehen deutscher Meister zu werden, aber versuchen werden wir es trotzdem. Das große Ziel ist also die Teilnahme am Final Four.

Mit einigen Spielerinnen, wie Kim Braun, Anna Spielvogel oder auch Vanessa Fehr, hast du ja bereits zusammen gearbeitet. Wie siehst du die Entwicklung deiner ehemaligen Schützlinge in der abgelaufenen Saison? Immerhin kam dieses Trio auch im Bundesligateam der Leverkusenerinnen zum Einsatz…

Kerstin Reckenthäler:
Gerade die Einsätze in der 1. Damen sehe ich sehr positiv. Die Spielerinnen kommen ja nach Leverkusen, um irgendwann 1. Liga zu spielen. Mit der A-Jugend-Bundesliga und der 3. Liga bietet Leverkusen die ideale Plattform, sich zu entwickeln, um den Sprung in die 1. Liga zu schaffen. In den Einheiten mit der 1. Damen werden die Mädels körperlich nochmal ganz anders gefordert, was sich auch wieder positiv auf die A-Jugend-Bundesliga/2. Damen auswirkt. Wichtig ist, dass sich die Mädels regelmäßig sehen und sich als Team verstehen. Dass nach Jojo Heldmann, Anna Seidel, Pia Adams jetzt auch Vanessa und Elisa nun fest in den Kader der 1. Damen aufgenommen werden und auch die anderen regelmäßig mit der 1. Damen trainieren zeigt, dass dieses Konzept mit A-Jugend-Bundesliga, 3. Liga und 1. Damen richtig ist und funktioniert.

Wie siehst du die Entwicklungen im Frauen- und Mädchenhandball allgemein und was könnte man machen, um mehr Nachwuchs für den Handballsport zu gewinnen?

Kerstin Reckenthäler:
Die Frage zu beantworten möchte ich mir nicht anmaßen. Da gibt es sicherlich andere Experten, die sich damit auseinandersetzen und versuchen den Frauenhandball wieder erfolgreich in Deutschland zu gestalten. Natürlich wäre eine direkt gemeisterte Qualifikation ein positiveres Zeichen gewesen. Jetzt muss man eben das Beste aus der Wildcard machen.

Vor einigen Wochen hat Renate Wolf geäußert, bislang keinen geeigneten Nachfolger als Coach der Leverkusenerinnen zu finden. Wäre es vorstellbar, dass Kerstin Reckenthäler eines Tages Renate Wolf beerbt, zumal die immer jünger werdende Mannschaft ein besonderes Verhältnis zu dir pflegt?

Kerstin Reckenthäler:
Ach, soweit denke ich gar nicht. Ich hatte ja auch letztes Jahr einige Angebote im Frauenbereich, aber ich habe immer gesagt, dass das für mich im Moment gar nicht in Frage kommt. Ich bin Lehrerin und das sehr gerne. Für mich ist es im Moment nicht vorstellbar diesen Job aufzugeben, um hauptberuflich Handballtrainerin zu sein. Ich fühle mich im Jugendbereich sehr wohl und da möchte ich auch bleiben. A-Jugend-Bundesliga ist da in Leverkusen genau das richtige für mich.

Vielen Dank für das Gespräch.