08.06.2015 14:19 Uhr - Weltmeisterschaft - fcb

Vestergaard: "Ich hoffe, dass wir am Samstag weiter sind"

Jakob VestergaardJakob Vestergaard
Quelle: sportseye.de
„Wir haben in den ersten 15 Minuten nicht unser Bestes gegeben. Das war ein Hauptproblem für uns. Wir haben zu viele Fehler gemacht und haben nicht getroffen“, fand Jakob Vestergaard nach der Niederlage im WM-Playoff-Hinspiel gegen Russland deutliche Worte. Dabei identifizierte er, neben Schwächen in der Abwehr, den Angriff als größte Baustelle. „Es scheint, dass die Einwechslung von Kerstin uns zurück ins Spiel gebracht hat“, freute er sich indes über Kerstin Wohlbold, die nach einer Viertelstunde Nina Wörz ersetzt hatte. Im Angriff produzierte das DHB-Team in der Anhalt-Arena aber weiterhin zahlreiche individuelle Fehler und verpasste es mehrmals, das Spiel zu drehen.

„Ich bin so traurig, dass wir den Fans nichts zurückgeben konnten. Sie haben eine tolle Atmosphäre verbreitet, seit wir die Halle betreten hatten. Das hat richtig Spaß gemacht. Ich bin so traurig, dass wir die Fans mit einer absolut nicht perfekten Leistung enttäuscht haben. Wir haben zu viele individuelle einfache Fehler gemacht. Das wird ein Thema für uns in der Vorbereitung auf das Rückspiel sein“, kommentierte Jakob Vestergaard die offensichtlichen Schwächen seines Kaders. „Wir müssen aber auch sehen, dass wir insgesamt individuell stärker auftreten. Nur dann wird es uns möglich sein, den nächsten Schritt zu tun und im Dezember in Dänemark dabei zu sein.“

Mit Hochachtung blickte der neue Nationaltrainer nach dem ersten wegweisenden Spiel unter seiner Ägide auf die Russinnen. „Wir wussten, dass es so viele individuell hervorragende russische Spielerinnen gibt. Aber sie sind hier als Team aufgetreten“, wirkte der 40-Jährige etwas überrascht von den Russinnen, die nach dem Vorrundentod bei der EM 2014 wieder von Evgeny Trefilov trainiert werden. Der bald 60-Jährige lobte sein Team derweil ausdrücklich. Das Spiel in Dessau-Roßlau dürfte daher für die russischen Spielerinnen nicht nur wegen des Auswärtssiegs gegen Deutschland in der WM-Qualifikation ein Tag sein, den sie sich dick im Kalender anstreichen werden.

„Wir haben fast jeden Tag Abwehr trainiert, seit ich hier Trainer bin. Heute hat das nicht perfekt funktioniert. Wenn wir gegen so gute Spielerinnen wie Kochetova, Bliznova und so weiter antreten, können wir nicht nur die ganze Zeit Tore verhindern“, machte der Bundestrainer deutlich, dass im Hinspiel das Gesamtpaket nicht gestimmt hat. „Wir müssen viel Angriff trainieren, um das in Zukunft besser zu lösen“, forderte er. Zunächst ging es dem Dänen nach dem Spiel aber darum, dass seine Spielerinnen die Köpfe für das Rückspiel freibekommen. „Wir sind jetzt traurig. Darüber müssen wir sprechen und danach in der Lage sein, uns voll in die Vorbereitung auf Samstag zu stürzen.“

„Danach“ ist Dienstag, denn am heutigen Montag dürfen die Nationalspielerinnen verschnaufen. Die Vorbereitung dürfte dann vielschichtig werden, denn Russland kann alle wichtigen Abwehr-Formationen einigermaßen gut spielen und wird das deutsche Team, wie schon im Hinspiel immer wieder vor Aufgaben stellen, die am Sonntag in Dessau-Roßlau eher schlecht als recht gelöst wurden. Die Vorbereitung scheint dadurch zu einer Herkulesaufgabe für die DHB-Auswahl und ihren Trainer zu werden. „Wir wussten, dass sie unseren Rückraum aus dem Spiel nehmen wollten“, berichtete Vestergaard und die Spielerinnen schienen doch kaum in der Lage zu sein, sich dagegen zu wehren.

„Kerstin hat einen guten Job gemacht“, hob der Bundestrainer dabei eine Spielerin hervor. „Wir haben nach ihrer Einwechslung etwas schneller gespielt und sie ist sehr gut im Eins gegen Eins“, eine Stärke, die ihre Mitspielerinnen nur in engen Grenzen auszeichnete. „Wenn unser Rückraum so wenig Platz zum Agieren wie heute bekommt, ist es extrem wichtig für uns, dass sie auf diesem hohen Level agiert“, kommentierte Vestergaard, der sich glücklich zeigte, dass Russland nur 22 Tore werfen konnte. „Unsere Abwehr hat hart gearbeitet. Mit dem Kampfgeist der Mädels bin ich zufrieden. Das gibt uns eine kleine Chance im Rückspiel und das ist auch wichtig für die Zukunft.“

„Wir haben zu viele individuelle Fehler gemacht, das hat uns am Ende die Chance gekostet“, legte der Däne aber gleich den Finger in die Wunde. Es bleiben jedoch nur drei oder vier Trainingseinheiten, um die gröbsten Schwächen abzustellen. „Am Dienstag, Donnerstag und Freitag wird trainiert, ob es am Mittwoch klappt, weiß ich noch nicht, weil wir da nach Astrachan reisen“, so Vestergaard. „Jeder in Deutschland verdient, dass das Nationalteam bei der WM dabei ist. Das wird jetzt sehr schwierig werden. Aber so ist es. Wir konnten heute nicht besser spielen und müssen das am Samstag besser machen. Ich mag es, diesen Druck zu spüren, denn das bedeutet, dass wir eine Chance haben.“

In den kommenden Tagen stehen nun Übungen im Offensivspiel im Vordergrund. „Wir brauchen ein besseres Timing in den Abläufen. Ich glaube, die Mädels wissen, was sie tun müssen. Ich bin ziemlich sicher. Aber Handball ist so schnell, dass, wenn das Timing nicht stimmt, die gegnerische Abwehr zu viel Zeit bekommt, um eine neue Position einzunehmen. Was den Abschluss angeht, müssen wir mehr auf den gegnerischen Torhüter achten. Da waren wir heute schwach, besonders bei unbedrängten Würfen“, sprach Vestergaard ganz grundlegende Dinge an.

„Jedes Mal, wenn Deutschland spielt, gibt es eine Chance mit diesem Team. Wir haben viele gute Spieler. Aber wir brauchen noch etwas Zeit, um mit dem Team zu arbeiten, um ihnen Lösungen im Offensivsystem zu zeigen. Auch unser Konter ist nicht gut genug, wir müssen da schneller sein“, forderte der Däne. Dabei ist es für Vestergaard enorm wichtig, den Fokus ganz auf den sportlichen Aspekt zu legen und sich nicht mit Nebenschauplätzen zu beschäftigen und folgerte: „Wenn wir nur 22 Gegentore bekommen, müssen wir in der Lage sein, das Spiel für uns zu entscheiden.“

„Erst wenn wir es selbst besser machen, können wir über Schiedsrichter sprechen. Dass sie uns drei Treffer gekostet haben und dass das am Ende ein Desaster war. Aber wir müssen eine bessere Leistung bringen, bevor wir andere beschuldigen, uns den Sieg gekostet zu haben. Wir brauchen eine gute und konstante Leistung über 60 Minuten, das ist der Schlüssel. Diese Niederlage sollte die größte Motivation für alle sein, es im nächsten Spiel besser zu machen.“ Dabei schließt sich Vestergaard als Entscheidungsträger und Verantwortlicher ausdrücklich mit ein.