07.06.2015 17:01 Uhr - Weltmeisterschaft - fcb

WM-Playoffs: Deutschland mit schlechter Ausgangslange nach Niederlage gegen Russland

Bissige Aktionen: Kerstin WohlboldBissige Aktionen: Kerstin Wohlbold
Quelle: sportseye.de
Beim 15. Gastspiel einer deutschen Nationalmannschaft in der Anhalt-Arena in Dessau ging es am Sonntagnachmittag für die DHB-Frauen darum, gegen Russland in den WM-Playoffs eine gute Grundlage zu schaffen. 3.007 Zuschauer verfolgten dieses erste wichtige Spiel in der jungen Amtszeit von Bundestrainer Jakob Vestergaard. Das DHB-Team hatte dabei anfangs große Probleme und konnte das eng umkämpfte 20:22 (7:8)-Duell nicht mehr zu seinen Gunsten drehen. Kerstin Wohlbold (4) und Anna Kochetova (11/5) bei den Gästen trafen am besten. Die Entscheidung um die WM-Teilnahme, verbunden mit den Chancen auf Rio, fällt am kommenden Samstag in Astrachan (16 Uhr MESZ).

„Russlands Trainer Evguenij Trefilov hat die besten Spielerinnen zusammen - und die sind individuell sehr stark”, hatte Nationaltrainer Jakob Vestergaard den Gegner unter der Woche beurteilt. Zuletzt hatte Russland in Montenegro getestet und war mit 23:27 (8:15) unterlegen. Shenia Minevskaja war wegen Problemen am Sprunggelenk nicht mit von der Partie. Die Russinnen zeigten sich nach dem Fehlschlag bei der EM wieder mit dem altbekannten Evgeny Trefilov an der Seitenlinie und hatten auch den Kader ausgewechselt. Sieben Akteurinnen waren noch dabei, auf deutscher Seite elf.

Freilich war die deutsche Mannschaft darauf aus, die Russinnen vor ähnliche Startprobleme zu stellen. Doch die Sbornaja verbuchte nach einem Siebenmeter von Anna Kochetova einen Bilderbuchstart. Die offensive Abwehr, Polina Kuznetcova stand Susann Müller auf den Füßen, schien das deutsche Team unvorbereitet zu treffen. Viele Ballverluste für Schwarz-Rot-Gold waren die Folge. Allerdings hatte Russland in der frühen Phase spielerisch im Angriff zu wenig anzubieten, sodass es für die Gäste nach elf Minuten nur, aus deutscher Sicht glimpflich, zu einer 5:2-Führung reichte.

Clara Woltering hielt ihr Team dabei mit vier Paraden einigermaßen im Spiel, ehe Jakob Vestergaard frühzeitig die grüne Karte zückte und eine Auszeit verlangte. Nina Wörz blieb danach in der Spielsteuerung. Der Bundestrainer verlangte indes, die Außen besser einzubinden und auf Kseniya Makeeva zu achten. Doch die Kreisläuferin warf kurz darauf das 2:7. Mit fünf Toren Vorsprung entschied Russland die erste Viertelstunde klar für sich. Von dem starken Gesamtpaket bei der DHB-Auswahl war bis dahin wenig zu sehen. Spielerisch hatte diese Sieben wenig zu bieten.

Mit der Einwechslung von Kerstin Wohlbold, die sich zum 4:8 durchwühlte, änderte sich dieses Bild ganz deutlich. Abwehr und Angriff des deutschen Teams zeigten sich zugleich beweglicher. Kim Naidzinavicius verwandelte in ihrem 50. Länderspiel kalt den Strafwurf zum 5:8. Hinten wurde ein erfolgreicher Block gefeiert, kurz darauf gab es das passive Vorwarnzeichen gegen die Sbornaja. An der Seitenlinie tobte Evgeny Trefilov, der umso mehr nach Luft schnappte, als sein Team gegen Clara Woltering einen Gegenstoß vergab. Nach 23 Minuten beim Stand von 6:8 hatte er genug gesehen.

Kerstin Wohlbold und Clara Woltering waren die wichtigsten Spielerinnen der starken Phase, die Trefilov mit der Unterbrechung zu beenden versuchte. Tatsächlich stand seine Sieben in der Abwehr wieder äußerst kompakt und sammelte mehrere Ballgewinne, traf aber nur einmal. Dadurch schien Deutschland den Rückstand kurz vor der Pause weiterhin zu kontrollieren. Nach 28 Minuten eröffnete sich die Chance zum 9:10, aber die Unparteiischen pfiffen Svenja Huber erst den Vorteil ab und nach einem Ballgewinn warf die THC-Rechtsaußen Sedoykina auf den Bauch. Es blieb beim 8:10.

Kurz nach dem Wechsel erzielte Angie Geschke den Anschlusstreffer. Danach folgten weitere Fehler im Spielaufbau. Clara Woltering versuchte ihr Team mit drei Paraden, davon eine mit dem Kopf, zu wecken. Olga Kochetova war in dieser Phase auf russischer Seite nicht zu stoppen und führte ihr Team zum 10:13-Vorsprung. Zudem Makeeva am Kreis eine Zeitstrafe gegen Althaus. Doch jetzt blieb die DHB-Auswahl cool und Susann Müller setzte beim 12:13 nach 38 Spielminuten endlich ihren ersten Treffer. Als dann Kochetova an Woltering scheiterte, glich „Joker“ Nadgornaja aus.

Für diesen emotional wichtigen Treffer benötigte die Vestergaard-Sieben drei Versuche. Dass das Unentschieden fiel, zeugte derweil von der nötigen Kampfstärke in einem zunehmen von der Physis geprägten Duell – in dem Russland zäh den Vorsprung verteidigte, weil die DHB-Auswahl in der Offensive viel zu fehlerhaft war. Daria Dmitrieva versenkte nach 43 Minuten zum 14:16. Vestergaard schickte erst Katja Schülke aufs Feld und nahm dann die zweite Auszeit. Schülke zeichnete sich sofort mit einer Parade aus, musste aber dann den Treffer von Kuznetcova zum 14:17 im Gegenstoß hinnehmen. Zudem blieb Althaus mit spitzem Schrei liegen.

Doch die Kreisläuferin konnte weiter mitwirken, und Team Deutschland kämpfte trotz aller spielerischen Schwächen weiter um den Ausgleich. Dieser fiel schneller als gedacht, denn nach Müller und Wohlbold traf auch Nadgornaja. Doch Russland, das vermeintlich leichter Strafwürfe zugesprochen bekam als die Gastgeberinnen, schien keinen Führungswechsel zuzulassen. Luisa Schulze scheiterte mit der großen Chance frei an Sedoykina. Auf der Gegenseite forderte Kuznetcova den Ball und besorgte das 18:19. Als Kochetova zum zehnten Mal traf, hieß es nach 55 Minuten 19:20.

Beide Teams schienen sich in der späten Phase müdegekämpft zu haben. Bei der deutschen Sieben zeigte sich dies durch wiederum gehäuft auftretende technische Fehler, die zumindest nicht geeignet waren, das Spiel zu drehen. Vielmehr führte Anna Kochetova ihr Team mit dem 19:21-Treffer nach fast 58 Minuten zum endgültigen Auswärtserfolg. Geschke scheiterte an mit einem Heber an Sedoykina. Zudem musste Anja Althaus nach der dritten Zeitstrafe die letzten 73 Sekunden zuschauen. Immerhin erzielte Schulze als sechste Feldspielerin noch den Treffer zum 20:22. Eine Minimalchance bleibt, wenn im Rückspiel der Rückraum besser harmoniert.

Deutschland - Russland 20:22 (8:10)

Deutschland: Schülke (HC Leipzig), Woltering (Buducnost Podgorica/Montenegro) - Zapf (TuS Metzingen) 1, Klein (Buxtehuder SV), Smits (HSG Blomberg-Lippe) 1, Naidzinavicius (Bayer Leverkusen) 2/2, Hubinger (HC Leipzig), Althaus (Vardar Skopje/Mazedonien) 2, Nadgornaja (Thüringer HC) 3, Müller (Györi Audi ETO KC/Ungarn) 2, Huber (Thüringer HC) 1, Fischer (Buxtehuder SV), Geschke (VfL Oldenburg) 1, Wörz (Siófok KC/Ungarn) 1, Wohlbold (Thüringer HC) 4, Schulze (HC Leipzig) 2

Russland: Sodoikina, Jerochina - Kusnetsowa 2, Gorschkowa, Kochetowa 11/4, Dmitrijewa 3, Akopjan 1, Gontscharowa, Vjakirewa, Garanina, Koroljewa, Makejewa 1, Marennikowa, Schimkute, Bliznowa 4, Tschernoiwanenko

Schiedsrichter: Nastase/Stancu (Rumänien) - Zuschauer: 3007 (ausverkauft)
Strafminuten: 14 / 14
Disqualifikationen: Althaus (59./3. Zeitstrafe) / -