08.05.2015 13:10 Uhr - 1. Bundesliga - Hohnstein, Lapp - Thüringer HC

Wohlbold und Snelder: Zwei Kapitäne gewähren vor dem Spitzenspiel am Grill einen tiefen Einblick

Danick Snelder und Kerstin WohlboldDanick Snelder und Kerstin Wohlbold
Quelle: THC
Kerstin Wohlbold und Danick Snelder spielen inzwischen fünf Jahre beim Thüringer HC. Beide werden auch in der kommenden Saison das Vereinstrikot überstreifen und gehören schon lange zu den Publikumslieblingen - und beide teilen sich die Kapitänsrolle beim THC. Eine ungewöhnliche Situation und auch die Lage in der Tabelle ist derzeit nicht normal: Der Thüringer HC ist in der Verfolgerrolle, an der Spitze der Liga steht der Buxtehuder SV. Der THC, der in dieser Saison mit grandiosen Leistungen in der Champions League auftrumpfte, will im morgigen Spitzenspiel aber die Weichen in Richtung Titelverteidigung stellen. Beim gemeinsamen Grillnachmittag mit Bernd Hohnstein und Stephanie Lapp sprechen Kerstin Wohlbold und Danick Snelder aber nicht über das Sportliche, sie geben einen tiefen Einblick in das Team des Thüringer HC.

Es gibt im Team zwei Mannschaftskapitäne – Wie stimmt ihr euch ab?

Beide gleichzeitig:
Nie! (beide lachen)

Kerstin Wohlbold:
Wir sind uns auch nie einig. Nein, Spaß bei Seite. Für wichtige Sachen stimmen wir uns natürlich ab. Aber meistens sind wir uns bereits einig bevor wir darüber reden.

Kerstin, du kennst Herbert Müller schon ziemlich lange. Spricht er viel mit euch ab oder zieht er seinen eigenen Stil durch?

Kerstin Wohlbold:
Herbert spricht viel und wir haben in vielen Fragen Mitspracherecht. Aber eine Struktur gibt es natürlich. Da sind wir, glaube ich, eine typisch deutsche Mannschaft. Wir brauchen ein festes Schema um zum Erfolg zu kommen. Leider fehlt uns da ab und zu das „skandinavische Gen“ – einfach mal frei auf das Tor spielen und es wird schon.

Kerstin sagte gerade, ihr braucht feste Strukturen. Könnt ihr solche vom Vereinstraining mit zur Nationalmannschaft übernehmen?

Danick Snelder:
Das kann man überhaupt nicht vergleichen. Wir spielen in Holland komplett anderen Handball als hier. Das Kämpferische übernehme ich natürlich auch im Nationaldress. Von Herbert habe ich gelernt, dass jeder Ball mir gehört. Auch wenn er ins Aus geht. Sollte es nicht so sein, wird der Schiedsrichter es mir schon sagen.

Kerstin Wohlbold:
In Deutschland ist das ähnlich. Ich habe in der Nationalmannschaft eine andere Rolle, als beim THC. Dazu kommt, dass wir mit unserem neuen Trainer erst wenige Einheiten trainiert haben.

Danick, du hast gerade in dieser Saison einige andere Positionen ausprobiert – was gefällt Dir daran?

Danick Snelder:
Gegen Larvik habe ich auf Außen gespielt. Das war eher weniger erfolgreich. Ein Treffer aus drei Versuchen. Meike Schmelzer macht das auf Außen, glaube ich, deutlich besser. Im Rückraum durfte ich öfter aushelfen. Mal gelingt mir das richtig gut, in anderen Spielen eher nicht. Herbert wird schon noch einsehen, dass ich in den Rückraum gehöre. (lacht) Nein, wenn er mir die Chance gibt, im Rückraum zu spielen, versuche ich diese immer bestmöglich zu nutzen.

Kerstin, du spielst mit Iveta Luzumova auf einer Position. In wie weit könnt ihr euch im Spiel abstimmen?

Danick Snelder:
Das ist schwer, ihr seid vom Spieltyp sehr verschieden.

Kerstin Wohlbold:
Klar in bestimmten Sachen stimmen wir uns ab oder geben uns gegenseitig Tipps. Allerdings, wie Danick schon sagt, sind wir verschiedene Spielertypen mit unterschiedlichen Stärken. Was unser Spiel gleichzeitig variabler macht. Bei uns ist ähnlich, dass wir beide keine 1,90m groß sind und damit den Erfolg viel über Eins-gegen-Eins suchen müssen.

Ihr spielt beide schon einige Jahre hier beim THC – Welche Mitspielerin hat die größte Entwicklung durchlebt?

Kerstin Wohlbold:
Das ist eine schwere Frage. Ich glaube, wir haben uns alle in irgendeiner Weise weiter entwickelt. Danick kam z.B. als sehr junge Spielerin hierher. Sie war aber von Anfang an charakterstark und eine Kämpferin. Spielerisch hat sie sich von einem jungen Talent zu einer gestandenen Spielerin entwickelt.

Ein anderes Beispiel ist Nadja. Sie war bereits eine tolle Handballspielerin, bevor sie hierher gekommen ist. Hatte aber wahrscheinlich den größten Schock im ersten gemeinsamen Training mit Herbert und hat gleich im ersten Aufwärmspiel gemerkt, was Kampf bedeutet. Sie hat sich dann in kürzester Zeit charakterlich von einer Prinzessin zur absoluten Kämpferin entwickelt.

Danick Snelder:
Ein weiteres gutes Beispiel ist in dieser Saison Meike Schmelzer. Sie ist genau Herberts Spielertyp. Kampfstark und will viel lernen. Es kommt nicht von ungefähr, dass sie sofort viele Spielanteile bekommen hat.

Ihr meintet, Herbert mag kampfstarke Spielerinnen. Fragt er euch als Kapitäne des Teams bevor er neue Spielerinnen verpflichtet?

Kerstin Wohlbold:
Ja, ab und zu. Allerdings nicht nur uns, sondern auch die anderen Mädels. Kommt immer darauf an, ob jemand von uns die Spielerin kennt, mit ihr befreundet ist oder mit ihr schon irgendwo anders zusammen gespielt hat.

Was findet ihr, ist der größte Unterschied zwischen Herbert und Heli?

Danick Snelder:
Heli ist immer auf des Wohl jedes Einzelnen bedacht. Er sieht meist sofort, wenn es jemandem von uns nicht gut geht. Er sucht dann meist sofort das Gespräch mit uns. Dagegen sieht Herbert immer mehr das Große und Ganze.

Kerstin Wohlbold:
Da kann ich Danick nur beipflichten. Heli ist ein sehr ehrlicher Mensch, auch wenn es manchmal hart ist. Dagegen ist Herbert mehr auf Harmonie und gute Stimmung innerhalb des Teams aus.

Habt ihr persönliche Rituale vor einem Spiel?

Kerstin Wohlbold:
Wir haben Rituale - als Mannschaft und jeder seine persönlichen. Bei mir sind das keine besonderen. Z.B. trage ich immer die gleichen Sachen oder ziehe immer erst die rechte Socke und den rechten Schuh vor dem Linken an.

Danick Snelder:
Bei mir ist das ähnlich, wie bei Kerstin. Ich habe auch eher kleine Rituale. Ich will z.B. immer als eine der ersten in der Kabine sein oder die Art und Weise, wie ich mir meine Haare mache.

Mit dem Thüringer HC habt ihr in den letzten vier Jahren viele Titel gewonnen und Kerstin davor schon einige mit Nürnberg. Was war für euch persönlich euer größter sportlicher Erfolg?

Danick Snelder:
Ganz klar der Sieg mit Holland gegen Deutschland. (lacht) Nein, ein kleiner Scherz. Unsere erste Meisterschaft, die wir so knapp gewonnen haben und den anschließenden Pokalsieg. Das war etwas ganz besonderes. Die Erinnerungen daran sind noch ganz nah. Die Heimfahrt von Göppingen, und wie wir mit dem großen Bus den schmalen Weg zu Karsten Döring nach Hause gefahren sind und dort anschließend die ganze Nacht gefeiert haben.

Kerstin Wohlbold:
Für mich war einer der größten Erfolge die erste Meisterschaft mit Nürnberg. Leipzigs Manager Kay-Sven Hähner hatte uns damals als ersten Absteiger betitelt. Im Finale der Play-Offs haben wir dann Leipzig deutlich geschlagen und den Titel gewonnen. Dann ebenfalls unser erstes Double hier in Thüringen. Es war mein erster Sieg im DHB-Pokalwettbewerb. Das besondere an Meisterschaften ist eigentlich aber nicht der Titel selbst, sondern das gemeinsame Feiern. Die Erinnerungen daran bleiben für immer.

Wir haben jetzt schon viel über euer Leben als Profisportler gesprochen. Wie seid ihr eigentlich zum Handball gekommen?

Kerstin Wohlbold:
Meine Familienmitglieder sind sportbegeistert und haben meist selbst aktiv in ihrer Freizeit Handball gespielt. Ich glaube früher war es noch viel schwerer in den Profibereich zu gelangen und erst recht, wenn man auf einem Dorf gewohnt hat. Meine Mutter hat dann später unseren Dorfverein gegründet, wo ich auch mit dem Handball begonnen habe. Ich bin dann mit meinen Eltern mit dem Wohnwagen zu Turnieren gefahren. Zum Leistungssport bin ich durch meine Schwester gekommen. Ich habe in einer ziemlich guten Jugendmannschaft gespielt, bevor ich über Allensbach zum Nürnberger Club gekommen bin.

Danick Snelder:
Bei mir war das ähnlich, wie bei Kerstin. Auch in meiner Familie haben einige Handball gespielt und so bin ich dann auch dazu gekommen.

Kerstin, deine Schwester hat auch professionell Handball gespielt?

Kerstin Wohlbold:
Genau, sie hat auch leistungsmäßig Handball gespielt. Bei uns beiden war das genau umgekehrt. Sie hat nur in der Jugendnationalmannschaft gespielt und ich dann nur in der Frauennationalmannschaft. Ich hatte mein erstes Länderspiel mit 27 Jahren.

Danick, hast du Geschwister?

Danick Snelder:
Ich habe einen Bruder. Er hat erst Fußball gespielt. Dann aber gemerkt, dass wir Handballer viel cooler drauf sind. Dann ist er auch zum Handball gewechselt und spielt das bis heute noch hobbymäßig.

Wie wichtig ist es für euch, dass eure Eltern zu den Spielen kommen?

Danick Snelder:
Es ist mir schon wichtig, dass sie zu unseren Spielen kommen. Sie geben mir mental Kraft, allerdings beeinflusst das meine Leistungsfähigkeit nicht. Dazu spiele ich wahrscheinlich schon zu lange Handball. Aber ich freue mich natürlich jedes Mal, wenn sie hier sind und wir Zeit miteinander verbringen können. Mein Vater kommt häufig mit dem Motorrad von Holland nach Erfurt. Dann machen wir gemeinsame Touren.

Kerstin Wohlbold:
Ich sehe das genauso wie Danick. Ich freue mich, wenn sie zu unseren Spielen da sind. Die gemeinsame Zeit davor oder danach genieße ich aber viel mehr. Die Beiden kommen häufig hierher und sie fühlen sich hier auch sehr wohl.

Euren Eltern scheint es hier in Thüringen gut zu gefallen. Wie viel Thüringer steckt nach fast fünf Jahren inzwischen in euch?

Kerstin Wohlbold:
Oh, keine Ahnung. Am Anfang war es so, dass ich jedes freie Wochenende nach Hause gefahren bin. Inzwischen bleibe ich aber gerne auch mal ein freies Wochenende in Erfurt. Dadurch hat man einfach mehr vom Wochenende. Wenn ich nach Hause fahre, verbringe ich gute zehn Stunden im Auto und Zuhause will man natürlich möglichst mit jedem aus der Familie ein wenig Zeit verbringen. An Erfurt gefällt mir, dass man alles zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen kann.

Danick Snelder:
Erfurt ist für mich mein zweites Zuhause geworden. Ich muss nicht jedes freie Wochenende noch Holland fahren. Ich verbringe hier gerne meine freien Wochenenden. Nach den vielen englischen Wochen freue ich mich richtig, wieder Zeit hier zu verbringen und in meiner eigenen Wohnung zu schlafen. Es bleiben auch immer mehr der Mädels an freien Tagen hier in Thüringen.

Was macht ihr in eurer Freizeit?

Danick Snelder:
Meine große Leidenschaft ist das Motorrad fahren. Wenn ich mal einen freien Tag habe, mache ich gerne eine Tour.

Kerstin Wohlbold:
Neben dem Sport und meinem Beruf bleibt leider nicht viel Zeit übrig. Dann entspanne ich gerne auf dem Balkon, gehe mit Freunden einen Kaffee trinken oder am Abend mal einen Cocktail. An freien Tagen machen wir auch als Mannschaft viel zusammen. Heute waren wir z.B. mit Jana Krause frühstücken.

Danick, haben Heli und Herbert etwas dagegen, dass du Motorrad fährst?

Danick Snelder:
Nein, gar nicht. Das ist ja mein Hobby. Sie freuen sich für mich, dass es mir Spaß macht. Natürlich sagen sie immer: „Fahr vorsichtig“. Aber das sagen sich auch immer zu uns, wenn wir mit dem Auto vom Training oder Spiel nach Hause fahren. Eher war meine Mama dagegen, dass ich den Führerschein mache.

Kerstin, hast du bereits Zukunftspläne für die Zeit nach dem Leistungshandball?

Kerstin Wohlbold:
Ich habe vor, wieder nach Baden Württemberg zu gehen. Ich weiß noch nicht, ob es zurück an den Bodensee sein wird. Ich will weiter als Lehrerin arbeiten. Derzeit habe ich eine dritte Klasse. Ich unterrichte Deutsch, Mathe, Sport, Heimat- und Sachkunde und alles, wo Not am Mann ist.

Danick Snelder:
Dein absolutes Lieblingsfach ist ja Musik, nicht wahr? (lacht)

Kerstin Wohlbold:
Auf jeden Fall. (lacht ebenfalls) Nein, Musik gehört wahrscheinlich nicht zu meinen größten Stärken. Ich mache meinen Job richtig gern. Die zwei Wochen Osterferien waren sehr schön, aber ich habe mich dann auch wieder richtig gefreut, in der Schule zu sein.

Danick, was machst du neben dem Sport?

Danick Snelder:
Ich habe meinen Bachelor in Marketing gemacht. Das letzte Jahr habe ich per Fernstudium absolviert, lerne aber eigentlich lieber im Hörsaal. Später würde ich sehr gerne im Marketing arbeiten. Allerdings liegt bis Rio 2016 mein Hauptaugenmerk auf dem Handball.

Wie sehen eure Urlaubspläne für den Sommer aus?

Danick Snelder:
Ich werde nach Südfrankreich fahren. Außerdem ein paar Tage nach Dänemark und natürlich nach Hause nach Holland. Dort wohne ich nur 40 Minuten vom Strand entfernt.

Kerstin Wohlbold:
Da sich die Ferienzeit und unsere freien Wochen nicht überschneiden, habe ich maximal eine Woche frei. Deshalb habe ich auch noch keine Pläne für den Sommer.

Die wichtigste Frage zum Schluss: Wie groß sind unsere Chancen auch dieses Jahr den Titel zu gewinnen?

Kerstin Wohlbold:
Wir wissen genau, es kommt auf dieses eine Spiel an. Wenn wir Deutscher Meister werden wollen, müssen wir das Heimspiel gegen Buxtehude gewinnen. Natürlich dürfen wir uns auch sonst keinen Ausrutscher mehr leisten.

Danick Snelder:
Wir brauchen keine extra Motivation. Wir alle haben dieses Ziel seit Saisonbeginn. Wir hoffen, dass bis zum nächsten Bundesligaspiel einige verletzte Spielerinnen zurückkommen und uns das noch stärker macht.