10.04.2015 17:26 Uhr - 1. Bundesliga - Julia Nikoleit - handball-world.com

"Person der Woche": Dinah Eckerle - die jüngste Spielerin der HBF-Historie auf der Überholspur

Dinah EckerleDinah Eckerle
Quelle: Steffen Wollmann, www.namlow.de
Den Fans des deutschen Frauenhandballs dürfte der Name Dinah Eckerle schon lange ein Begriff sein - denn immerhin ist die heute 19 Jahre alte Torhüterin die jüngste Spielerin der Bundesliga-Historie. Am 16. November 2011 debütierte die Schwäbin im Tor des Thüringer HC in der Beletage - im Alter von gerade einmal 16 Jahren. Doch noch nie war Eckerle für den deutschen Topklub so wichtig wie in diesen Wochen: Nach der Verletzung von Stammtorhüterin Jana Krause sprang die Nummer Zwei ein und erledigt ihre Aufgabe mit Bravour. Trainer Herbert Müller baut auf das Toptalent - und die EHF kürte die junge Torhüterin nach dem Hinspiel gegen Larvik HK zum „Rookie of the Quarterfinal“ der Champions League.

„Voll cool“ sei das, freut sich Eckerle über die Ehrung. Dabei bekam sie davon zunächst gar nichts mit: „Ich hatte das selbst gar nicht gesehen, eine Freundin hat mir den Link geschickt“, erzählt die junge Torhüterin, die seit 2009 das Trikot des Thüringer HC trägt. „Ich habe mich aber natürlich riesig über diese Auszeichnung gefreut, das ist schon eine Ehre für mich.“ Auch Trainer Herbert Müller ist überzeugt von der 19-Jährigen, lobte sie öffentlich und sieht sie, so sagte er gegenüber der Thüringer Allgemeinen, gar „auf Augenhöhe“ mit Jana Krause.

Die Gefahr, dass ihr die Lobeshymnen zu Kopf steigen, besteht jedoch nicht. Eckerle zeigt sich selbstkritisch, selbst nach ihrem starken Auftritt gegen Larvik. „Mit den ersten Minuten bin ich überhaupt nicht zufrieden, da war ich wie versteinert“, bilanziert die Torhüterin. „Ich hatte zu großen Respekt vor den Spielerinnen, die da gegen uns gespielt haben. Erst nach zwanzig Minuten bin ich mehr ins Spiel gekommen - da lief es dann auch besser.“

Dass Eckerle die große Verantwortung so souverän zu schultern weiß, ist der Verdienst von Müller. Seit Jahren arbeitet der erfahrene Coach mit Eckerle, baute sie langsam auf und gab ihr die Chance, sich Schritt für Schritt zu entwickeln. Für die 19-Jährige ist der Rückhalt des Trainers „sehr wichtig“, er gibt ihr Sicherheit: „Ich weiß, dass er in mich Vertrauen hat und dass er viel von mir hält“, beschreibt Eckerle. „Auch, wenn mir ein Fehler passiert, glaubt er weiter an mich. Das ist sehr wichtig für mich.“

Doch nicht nur der Trainer, auch ihre Mitspielerinnen unterstützen die junge Torhüterin: „Gegen Larvik kam Kerstin immer wieder und hat abgeklatscht und auch Jana gibt mir - von der Seitenlinie oder der Tribüne - Tipps“, erzählt Eckerle. Das bedeutet ihr viel: „Dass meine Mitspielerinnen mich so unterstützen, hilft mir, Selbstvertrauen zu gewinnen.“ Dass sie noch einiges lernen muss, ist ihr bewusst: „Ich bin eher ruhiger und nicht so positiv verrückt wie eine Jana Krause, die sich sehr emotional präsentiert. Daran - an meiner Ausstrahlung - muss und möchte ich arbeiten.“

Drei Meisterschaften und ein Pokalsieg hat Eckerle mit dem THC in den vergangenen Jahren feiern dürfen. Als ihren größten Erfolg bisher bezeichnet sie trotzdem etwas anderes. Das solle man aber auf keinen Fall falsch verstehen. „Natürlich ist es toll, dass ich die Titel miterleben durfte, aber da hatte ich spielerisch gesehen nicht so einen großen Anteil dran“, beschreibt sie. „Deshalb war der 4. Platz bei der U20-WM im vergangenen Sommer für mich persönlich das größte, was ich bisher erreicht habe.“ Bei dem Turnier führte Eckerle die DHB-Auswahl als Kapitänin aufs Feld und wurde für ihre Leistung als beste Torhüterin des Turniers ausgezeichnet.

Ausruhen wird sich Eckerle auf den Erfolgen jedoch nicht - das würde zu der ehrgeizigen Torhüterin nicht passen. „Ohne Opfer gibt es keinen Erfolg“, hat sie als Lebensmotto in ihrem Steckbrief auf der THC-Website angegeben und diese Opfer zu bringen, ist sie bereit - so, wie den hohen zeitlichen Aufwand für den Handball. Nach ihrem Abitur im vergangenen Jahr entschloss sie sich nicht ohne Grund für ein Fernstudium: „Dadurch bin ich flexibel und kann das Studium gut mit den Trainingszeiten vereinbaren“, sagt sie. Seit Oktober studiert Eckerle Psychologie. „Es ist mir wichtig, damit ich nach dem Handball auch etwas in der Hand habe und arbeitstechnisch einsteigen kann.“

Ihr Fokus liegt jedoch auf dem Handball: „Ich möchte mich in der Bundesliga etablieren und konstant Leistung zeigen“, umreißt die 19-Jährige ihre Ziele. Und dann? „Mal sehen … vielleicht kann ich in ein paar Jahren in die Nationalmannschaft aufrücken. Das wird sich zeigen.“ Denn erstmal ist nun das morgige Rückspiel gegen Larvik entscheidend. „Es wird sehr, sehr schwierig, da noch etwas zu holen - gerade, weil es auch in Larvik ist. Da sind die mordsstark“, weiß Eckerle und verspricht: „Wir werden um jedes Tor kämpfen.“ Sollte die junge THC-Torhüterin, die unter der Woche mit Leistenproblemen zu kämpfen hatte, in Norwegen an ihre Leistung der letzten Wochen anknüpfen können, dürfte ihr Name bald auch international noch mehr Frauenhandball-Fans ein Begriff sein …

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