21.10.2006 23:59 Uhr - 1. Bundesliga - Ole Rosenbohm - VfL Oldenburg

Göppingen gelingt die Überraschung in Oldenburg

"Neue Besen kehren gut", diese Weisheit wird immer herangezogen, wenn einer Mannschaft nach einem Trainerwechsel ein Sieg gelingt. Dem neuen Göppinger Coach Hagen Gunzenhauser gelang heute in Oldenburg aber nicht nur ein Sieg, das 23:22 gegen den favorisierten VfL ist sicherlich die Überraschung des Spieltags und beschert dem Aufsteiger wichtige und nicht einkalkulierte Punkte im Abstiegskampf. Oldenburg erlitt dadurch einen Rückschlag im Kampf um die Play-off-Plätze, Göppingen verbesserte sich durch den zweiten Saisonsieg zumindest zwischenzeitlich auf den neunten Platz.

Hagen Gunzenhauser feierte einen Einstand nach Maß in Liga EinsHagen Gunzenhauser feierte einen Einstand nach Maß in Liga Eins
Quelle: Heiner Lehmann/www.sportseye.de
Bundesligist VfL Oldenburg hat die zweite böse Überraschung gegen einen Aufsteiger erlebt. Gegen Frisch Auf Göppingen verlor das Team von Trainer Leszek Krowicki mit 22:23 (9:15). Dabei standen die Gastgeberinnen kurz vor Schluss doch noch vor einem Unentschieden, doch Magdalena Urdeas Wurf von Rechtsaußen prallte von der Unterlatte 20 Zentimeter vor der Linie auf. Zu Saisonbeginn hatte der VfL bereits in Blomberg verloren.

Die Oldenburgerinnen kamen vor der Minuskulisse von nur 400 Zuschauern in der EWE Arena aber gut ins Spiel. Kathrin Scholl verwertete einen sehenswerten Pass Dagmara Kowalskas vom Kreis, beim nächsten Angriff traf Milica Danilovic zum 2:0. Doch sollte dieser Treffer bereits das letzte Feldtor für die gestern enttäuschende Goalgetterin sein.

Doch nach etwa fünf Minuten begannen auch die Gäste, bei denen Hagen Gunzenhauser seinen ersten Erstliga-Einsatz als verantwortlicher Trainer hatte, Präsenz zu zeigen. Immer wieder kombinierte sich der Aufsteiger durch die merkwürdig lethargische VfL-Deckung. Ein Wurf Kim Birkes ins lange Eck nach einem gekonnten Danilovic-Pass bedeutete das 4:3 und die letzte Oldenburger Führung. Nach neun Minuten lag Göppingen erstmals vorn (5:4).

Während die Deckung Frisch Auf weiterhin zu viele Freiräume ließ, begann im Oldenburger Angriff nun ein vierzig Minuten andauerndes Fang- und Fehlpassfestival. Dies sollte sich auch nicht ändern, als Krowicki in Diane Lamein und Wiebke Kethorn (20.) sowie später in Anna Badenhop neue Kräfte einwechselte. Die Einschussmöglichkeiten Oldenburgs machte die ganz starke Mami Tanaka im FAG-Tor zunichte. Auf der anderen Seite verhinderte Janice Fleischer Schlimmeres. Nach 17 Minuten wurde die Torfrau durch Heike Zornow ersetzt - die Beste im VfL-Team. Mehrmals versuchte die erfahrene Torhüterin die Mannschaft aufzubauen, dafür ging sie bis zur Mittellinie.

So sahen die wenigen Zuschauer die wohl schlechteste erste Halbzeit, seit der VfL 2005 in die EWE Arena umgezogen war. Nach dem Seitenwechsel präsentierte sich Oldenburg lebendiger im Angriff und aggressiver in der Abwehr, ohne aber gegen die keineswegs guten, aber mannschaftlich geschlossenen und hinten aggressiven Gäste zu überzeugen.

Nach einer Szene in der 50. Minute wäre das Spiel fast noch gekippt. Diane Lameins Siebenmeter zum 16:20 hätte Tanakas fast gehalten, aber der Ball kullerte hinter die Linie. Erst nun agierte Oldenburg gegen die müder werdenden Gäste gradlinig und druckvoll. Ein Rückraumtreffer - eine Seltenheit auf Seiten des VfL - von Jana Oborilova bedeutete das 20:21 (56.), Eine Einzelaktion Kowalskas das 21:22 (57.) und Lameins Siebenmeter zweieinhalb Minuten vor Schluss das 22:23. Von da ab war Oldenburg fast ständig in Ballbesitz, ohne einen Wurf setzen zu können.

Zwölf Sekunden vor dem Ende nahm Krowicki seine Auszeit und nahm Zornow zugunsten einer weiteren Feldspielerin aus dem Tor. Dabei hatte es nicht an den beiden Torhüterinnen gelegen, die neben Lamein, Badenhop und Oborilova als einzige Bundesliganiveau erreichten, während auf Göppinger Seite die ehemaligen Oldenburgerinnen Nina Hess und Alena Vojtiskova zu überzeugen wussten. Am Ende gewann der Aufsteiger so durchaus verdient, denn auch der dritte Wurf Urdeas in der gesamten Partie landete nicht im Tor, sondern prallte von der Unterkante der Latte in das Spielfeld zurück.

Stimmen zum Spiel:

Leszek Krowicki, Trainer VfL:
Man konnte von Anfang an sehen, dass wir katastrophal drauf sind. Wir haben uns nicht als Mannschaft präsentiert und kamen nur über Einzelaktionen zum Erfolg. Spielerinnen, die eigentlich unsere Spiele gewinnen sollen, haben diese Partie verloren. Ich weiß nicht, wie das zu erklären ist. Die englische Woche als Ausrede zu nehmen, ist mir zu billig. Auf jeden Fall ist der Sieg Göppingens verdient.

Hagen Gunzenhauser, Trainer FAG:
Oldenburg hätte uns auch überrennen können, aber wir haben darauf spekuliert, dass sie schwer ins Spiel finden. Immerhin steckte ihnen ja der Überraschungssieg in Frankfurt vom Mittwoch in den Knochen. Wir haben uns in den letzten zwei Wochen fast nur mit der Abwehr beschäftigt und ich denke, das hat man gesehen. Darunter hat natürlich der Angriff gelitten, denn 23 Tore reichen normalerweise nicht in Oldenburg. Über meine Zukunft haben wir noch nicht geredet, aber diese Lösung hat sicherlich bis zur Winterpause bestand.

Alena Vojtiskova, FAG:
Super, das hätte ich nicht erwartet. Bei uns ist es immer wichtig, dass wir alles geben und das haben wir getan. Mit mir selber bin ich nicht ganz zufrieden, aber wir haben uns gegenseitig toll unterstützt. Die Abwehr hat das Spiel entschieden.

Nina Hess, FAG:
Der VfL hat uns unterschätzt und das haben wir ausgenutzt. Wir haben eine mannschaftlich geschlossene Leistung gezeigt. Anders war das gar nicht möglich, denn wir haben nicht die Granaten-Einzelspielerinnen. Die Rückkehr nach Oldenburg hat Spaß gemacht.

=> Statistik und Spielbericht