01.03.2015 20:34 Uhr - 1. Bundesliga - PM Vereine, red

Aufholjagd bleibt unbelohnt - Leverkusen bringt Oldenburg zu Fall

Anne Jochin erzielte für Leverkusen neun Tore.Anne Jochin erzielte für Leverkusen neun Tore.
Quelle: groundshots.de
In der ersten Halbzeit traute selbst Renate Wolf ihren Augen nicht. „Es hat alles funktioniert, wir haben ein Tempo vorgelegt, da musste ich echt manchmal zweimal hingucken“, sagte die Chefin, ein wenig atemlos und heiser nach dem 29:26 (19:12) ihrer Leverkusener Werks-Elfen gegen den VfL Oldenburg. Der VfL hat durch die Niederlage den erneuten Sprung auf den dritten Platz in der Handball-Bundesliga verpasst. Allerdings: Wegen ihrer fast erfolgreichen Aufholjagd in der zweiten Hälfte verdienten sich die Oldenburgerinnen zumindest Anerkennung für ihre Moral: Kurz vor der Pause hatte der VfL schon mit neun Treffern Differenz hinten gelegen, Mitte der zweiten Hälfte aber den zwischenzeitlichen Ausgleich geschafft.

Die Elfen begannen stark, bereits nach sechs Minuten und unter anderem drei Toren von Spielführerin Jenny Karolius stand es 5:2. Leverkusen ließ nicht nach, spielte schnell und rasant nach vorne, versenkte fast jeden Ball und packte in der Abwehr entschlossen zu. Bei Oldenburg hingegen lief zunächst nichts zusammen. So schlecht wie in Leverkusen war der VfL in dieser Saison noch in keine Partie gestartet.

Gründe für diesen Rückstand lassen sich – abgesehen von der blitzsauberen Leistung der Gastgeberinnen – in einer zu hohen Fehlerquote, einer zu passiven Abwehr und im schlechten Zusammenspiel zwischen Tor und Defensive finden. Trainer Leszek Krowicki war früh und oft gezwungen, seine Aufstellung zu ändern, brachte Maike Schirmer und Julia Renner (12.), Cara Hartstock (20.), Thalke Deters (21.) und für Torhüterin Renner wieder Tess Wester (25.).

Nach dem Schrecken der ersten Phase stabilisierten sich Oldenburger Leistung und Leverkusener Vorsprung, auch wenn die Gastgeberinnen zwei Minuten vor der Pause erstmals sogar mit neun Treffern vorne lagen. Zwei Ballgewinne brachten den VfL aber bis zur Pause etwas heran.

Aber so wie am 21. September lief es nicht weiter für die Gastgeberinnen. Denn Oldenburg kam wie ausgewechselt aus der Kabine. Die Defensive agierte viel aufmerksamer. Plötzlich hatte Leverkusen nur noch Probleme. Nach nur dreieinhalb Minuten hieß es 19:15. Oldenburg spürte die leichte Verunsicherung der Elfen, deren Leistungsträgerinnen ihre notwendigen Pausen bekamen, was einen kleinen Bruch im Spielfluss nach sich zog. „Es ist immer so eine Gratwanderung“, sagte Renate Wolf: „Die Etablierten brauchen ihre Pausen, dann müssen die Jungen ran, und die müssen erstmal ihr Nervenkostüm in den Griff bekommen.“ So ging es zum Beispiel der 17-jährigen Elisa Burkholder, die ihr Debüt in der Bundesliga feierte und als weiteres Synonym für die erfolgreiche Leverkusener Nachwuchsarbeit steht.

Taktisch ließ Oldenburgs Trainer Krowicki Leverkusens Top-Torschützin Kim Naidzinavicius durch Annika Meyer und Julia Wenzl aggressiver angehen, Hartstock sorgte für Stabilität im Zentrum. Nach 40 Spielminuten war der VfL dann auf einen Treffer herangekommen (19:20). Meyer gelangen die Treffer zum 22:22 (47.) und 23:23 (50.). Nur mit einer Oldenburger Führung wurde es nichts – auch nicht nach Angie Geschkes 24:24 (52.).

In der Schlussphase bewies Bayer 04 die nötige Nervenstärke – und Oldenburg machte die Türen auf: Beim 25:24 (55.) spazierte Jennifer Rode an Geschke und Caroline Müller vorbei, dann nutzten die Gastgeberinnen eine Zeitstrafe gegen Meyer (55.) gleich zu zwei Treffern. Wieder vollzählig verzweifelte Oldenburg im Angriff: Bayer-Torfrau Valentyna Salamakha parierte eine Doppelchance und ragte auch in der Schlussphase heraus. „Vala hat mit ihrer Ruhe und Übersicht mehrfach dafür gesorgt, dass Oldenburg in dieser Phase nicht in Führung gegangen ist“, sagte Renate Wolf, die außerdem ihrer Regisseurin Anne Jochin ein „richtig, richtig gutes Spiel“ bescheinigte.

Zum Schluss nahm der Elfen-Express wieder Fahrt auf, und die 1000 Zuschauer hielt es nicht mehr auf ihren Sitzen. Kim Naidzinavicius erhöhte auf 28:24, es waren noch 116 Sekunden auf der Uhr, und die Partie war entschieden. „Was mich besonders stolz macht“, sagte Renate Wolf, „ist die Tatsache, dass meine Mannschaft in dieser Situation Moral bewiesen hat. Es war ein Sieg der Teamleistung.“

„Letztlich ist das ein gerechtes Ergebnis“, gratulierte Krowicki den Gastgeberinnen. „Aber ich bin stolz auf unseren Kampfgeist.“ Die Leistung im ersten Durchgang bezeichnete er als katastrophal und kündigte an, nach den Ursachen zu forschen. Leverkusens Trainerin Renate Wolf gab zu: „Beim Ausgleich dachte ich, das Spiel wäre gelaufen.“ Zur ersten Hälfte meinte Wolf: „Bei uns hat alles geklappt. So ein hohes Tempo hätte ich von meiner Mannschaft nicht erwartet. Wir haben Oldenburg in der ersten Halbzeit überrannt.“

Mit diesem Sieg übernahmen die Elfen in der Tabelle der Handball-Bundesliga wieder den sechsten Platz und bleiben mit einem Spiel weniger dem VfL Oldenburg auf dem vierten Platz und der TuS Metzingen dicht auf den Fersen. Weiter geht es für Renate Wolf und ihr Team am kommenden Freitag (6. März/19.30 Uhr) bei den Vulkan-Ladies Koblenz/Weibern, ehe am 25. März um 19.30 Uhr der Deutsche Meister Thüringer HC zum mit Spannung erwarteten Gastspiel in der Smidt-Arena antritt. Der VfL Oldenburg empfängt bereits am kommenden Mittwoch (19.30 Uhr, EWE Arena) die HSG Blomberg-Lippe.