20.10.2006 07:31 Uhr - 1. Bundesliga - Felix Buß und Ole Rosenbohm

Frisch Auf Frauen auf der Suche nach dem Nichtabstiegsplatz in Oldenburg klarer Außenseiter

Aufsteiger Frisch Auf Göppingen hat erneut ein schweres Auswärtsspiel zu meistern. Nach der zweiwöchigen Spielpause, die nach der bösen Niederlage gegen Blomberg begann, geht es am Samstag mit dem neuen Trainer Hagen Gunzenhauser, der bislang nach der überraschenden Trennung von Olaf Schimpf als Co fungiert hatte, nach Oldenburg. Momentan ist das Team von Trainer Leszek Krowicki auf Platz 5 und will unbedingt Anschluss zu den ersten vier Plätzen halten. FAG fehlt dabei Spielgestalterin Jessica Schulz nach ihrem Mittelhandbruch noch mindestens zwei Wochen, so dass die Chancen gegen die seit vier Spielen ungeschlagenen Oldenburgerinnen eher gering sein dürften.

Hagen Gunzenhauser gibt sein BL-Debut an der Seitenlinie von FAGHagen Gunzenhauser gibt sein BL-Debut an der Seitenlinie von FAG
Quelle: Heiner Lehmann/www.sportseye.de
Viel gewandelt hat sich in Göppingen seit der weitgehend konzeptions- und kopflosen Niederlage im so wichtigen Spiel gegen Mitaufsteiger HSG Blomberg/Lippe. Die Ostwestfalen waren den Schwaben in allen Belangen überlegen und nahmen mit 35:28 klar und verdient beide Punkte mit auf die weite Rückreise. Ohne die verletzten Spielgestalter Jessica Schulz (Mittelhandbruch) und Beate Gekeler (Kreuzbandriss bereits vor Saisonstart) hatte das Spiel der schwäbischen Truppe einfach zu wenig Struktur, auch wenn Trainer Olaf Schulz einige Varianten durchprobierte.

In der Woche darauf trennte sich das Management vom Trainer, der die Grün-Weißen in der vergangenen Saison von Rang acht zum Aufstieg geführt und nun um Planungssicherheit für die kommende Spielzeit bat und dabei dem Vernehmen nach ein Bekenntnis zum Profisport forderte. Diese konnte ihm das Management nicht zubilligen, so kam es zur Vertragsauflösung. Seither führt der bisherige Co-Trainer Hagen Gunzenhauser das Regiment. Unterdessen gab es auch eine Änderung in der Mannschaft. Die Polizeianwälterin Celia Schneider, Nachwuchstorfrau der Grün-Weißen mit guten Leistungen, wird aufgrund ihrer Berufsausbildung bis zum Jahreswechsel kürzer treten und zumindest auswärts nicht mehr auflaufen.

Wenn die Favoritenrolle so klar verteilt ist, beginnen Trainer meist mit Nachdruck zu warnen. So auch Krowicki: "Göppingen hat seine Punkte ausschließlich auswärts geholt. Beim 26:27 in Leverkusen sind sie zudem knapp einer großen Überraschung vorbeigeschrammt. Wir müssen hochkonzentriert an diese Aufgabe herangehen." Der Trainerwechsel könnte auch als Initialzündung für Spielerinnen aus der zweiten Reihe fungieren. "Kommt ein Neuer, beginnen alle bei Null. Das setzt häufig zusätzliche Kräfte frei", weiß Krowicki. Zustimmung erhält der Coach von Diane Lamein: "Ein Trainerwechsel kann der Mannschaft auch Power geben. Die geht dann aufs Spielfeld unter dem Motto: Jetzt zeigen wir es allen."

Der so veränderte Aufsteiger trifft nun am Samstagabend in fremder Halle auf den VfL Oldenburg bei Bremen. Das Bundesligaurgestein strebt eine Qualifikation für den internationalen Wettbewerb und ist nach einem etwas durchwachsenen Saisonstart seit mittlerweile vier Spielen ungeschlagen. Die Begegnungen in Trier, Ketsch und Frankfurt/Oder wurden allesamt gewonnen, am Nationalfeiertag gab es gegen den Thüringer HC zuhause ein Unentschieden. Für die Göppinger Neuzugänge Alena Vojtiskova und Nina Hess bedeutet das Spiel ein Wiedersehen mit ihren alten Kameraden. "Ich fühle mich wohl hier, aber Oldenburg vermisse ich doch. Die Zeit beim VfL war super", blickt Nina Hess, die von 2003 bis 2006 für den VfL spielte, auf ihre Zeit in Oldenburg zurück.

Die aufstrebenden Norddeutschen, die die vergangene Spielzeit lediglich als Siebter abschlossen, haben sich ihren hohen Zielen entsprechend verstärkt. Vom Doublegewinner HC Leipzig kam Milica Danilovic, und aus der ersten spanischen Liga fanden die Polin Dagmara Kowalska (San Sebastian) und die Niederländerin Irina Pusic (Elda Prestigio) den Weg nach Oldenburg. Zudem kam Eigengewächs Anna Badenhop von Zweitligaabsteiger Cloppenburg zurück, um auf dem linken Flügel zusammen mit Kim Birke zu agieren. Allerdings sah es vor einem Monat für Oldenburg noch nicht besonders gut aus. In Leipzig und gegen Nürnberg gab es deutliche Niederlagen. Der eigentlich schlagkräftige Oldenburger Rückraum, gegen Nürnberg wieder mit Oborilova und Kowalska angetreten, konnte gegen gute Abwehrformationen seine volle Durchschlagskraft nicht entfalten. Erst im Spiel gegen Trier fanden die Nordniedersachsen zu ihren Leistungen, mussten jedoch bereits gegen die Thüringer wieder einen Rückschlag hinnehmen, da Erfurt Oldenburgs Star Milica Danilovic kurz deckte und Michaela Schanze das Tor verriegelte.

Vor zwei Wochen bekam Ketsch dann den Oldenburger Frust ab und sah bei dem für den VfL dennoch schmeichelhaften 37:28-Sieg nur in den ersten zwanzig Minuten gut aus. Danach durfte fast jede VfL-Akteurin nach Belieben den Ball ins Bärennetz befördern, aber auch Ketsch markierte zahlreiche leichte Tore und blieb lange in Schlagdistanz. Die badischen Bären als punktgleich gegen den Abstieg kämpfender Konkurrent müssen in diesem Spiel die Messlatte für Göppingen sein, während Oldenburg am Mittwoch mit seinem 25:24-Sieg beim vom europäischen Wettbewerb geschwächten Frankfurter HC erneut ein Ausrufezeichen setzte.

Die wichtigsten Spielerinnen neben Spielgestalterin Milica Danilovic sind die Routiniers Irina Pusic im Rückraum, Magdalena Urdea auf dem rechten Flügel und auch Diane Lamein auf der Mittelposition. Der starke Rückraum wird von Jana Oborilova, Dagmara Kowalska und ergänzt. Die Neuzugänge haben also eingeschlagen, und mittlerweile zählt man nach jedem Spiel sieben oder mehr VfL-Torschützen. Für die Frisch Auf Frauen geht es am Samstag als akut gefährdeter Tabellenelfter gegen diesen erfahrenen Gegner "lediglich" darum, mit dem neuen alten Trainer ein besseres Ergebnis als Ketsch einzufahren, um das wesentlich schlechtere Torverhältnis etwas aufzubessern. Die wäre bereits als Erfolg zu betrachten, bevor die Frauen am kommenden Mittwoch zuhause das "Vier-Punkte-Spiel" gegen Dortmund erwartet.