25.01.2015 20:08 Uhr - 1. Bundesliga - Ole Rosenbohm, VfL

Oldenburg holt sich den vierten Platz zurück: Erfolg gegen Metzingen

Annika MeyerAnnika Meyer
Quelle: Hermann Jack
Der VfL Oldenburg hat sich wieder auf den vierten Platz in der Handball-Bundesliga geschoben. Im Duell gegen den Tabellennachbarn TuS Metzingen gelang den Oldenburgerinnen am heutigen Sonntag (25.1.2015) ein 31:28 (15:13)-Sieg – höchst überzeugend, wie alle Beteiligten nach einer intensiven und attraktiven Partie feststellten. Für den VfL geht die Saison am kommenden Samstag (31.1.) um 19.30 Uhr mit dem Auswärtsspiel bei den Füchsen Berlin weiter. Metzingen empfängt am selben Tag um 19 Uhr VL Koblenz.

Der VfL erwischte einen glänzenden Start, führte nach etwas mehr als eineinhalb Minuten schon mit 3:0 und brachte auch den vierten Wurf im Metzinger Tor unter. Doch klar war auch: Die Klasse der Gäste ist zu groß, um in Oldenburg schon so früh auf die Verliererstraße zu geraten. Zwar führte Oldenburg zwischendurch mit fünf Toren Differenz (10:5/13.), doch nach und nach gestaltete Metzingen die Partie zunehmend offener und glich mit einem Schlagwurf Patricia Stefanis drei Minuten vor der Pause zum 12:12 aus.

1.140 Besucher sahen ein attraktives, temporeiches Spiel mit vielen taktischen Winkelzügen durch der Trainer. Oldenburg setzte die Vorgaben oft etwas besser um, änderte seine 6-0-Abwehr situativ in offensivere Formationen und agierte vor allem erfolgreich gegen die Halbspielerinnen der Gäste, bei denen Shenia Minevskaja gegen Oldenburgs Julia Wenzl nur selten Stiche bekam. Wegen ihrem deutlich gewonnenen Duell gegen die Nationalspielerin sahen nicht wenige Beobachter in Wenzl die herausragende Spielerin der Partie. Mit einer Einzelaktion stellte die 24-Jährige auch den Pausenstand her (30.).

Doch nach der Pause drehten die Gäste auf – und das zunächst mit fast völlig veränderter Aufstellung. Denn Gäste-Trainer Alexander Job brachte Barbara Leibssle-Balogh, Milica Covic und Katharina Beddies von der Bank – und damit neuen Schwung ins Metzinger Spiel. Aus der zweiten Reihe traf Covic zum 18:18 (37.) und 19:19 (38.), Marlene Zapf brachte die TuS sogar in Führung (20:19/38.).

Lange schwamm der VfL aber nicht, nutzte in der Folge eine Zeitstrafe gegen Cassandra Engel perfekt aus: Wenzl bediente Annika Meyer zum 20:20 (39.), Caroline Müller traf nach Steal und Konter zum 21:20 (40.) und wieder die sehr starke Meyer verwertete eine Vorlage Angie Geschkes zum 22:20 (41.). Jetzt sollte sich das Oldenburger Spiel nicht mehr aufhalten lassen. Bis auf 25:21 (45.) und 29:23 (52.) zog der VfL einem am Ende doch sicheren Sieg entgegen. „Wir haben sie herankommen lassen, aber uns rechtzeitig wieder gefangen“, sagte Meyer nach ihrem Auftritt mit perfekten sieben Treffern bei sieben Würfen vom Kreis.

„Heute hat keine Spielerin einen Zweifel an ihrer Einstellung und an ihrem Herz zugelassen – das war entscheidend“, sagte Trainer Leszek Krowicki nach dieser intensiven, guten Partie mit einigen Wendungen. Angesichts von 28 Gegentoren sei es zwar schwer, von einer guten Defensivleistung zu sprechen, aber Metzingen lief auch sehr viele Angriffe. Und vorne haben Müller und Geschke, sagte TuS-Coach Job, in den entscheidenden Phasen die richtigen Entscheidungen getroffen.

Eine besondere Rolle spielte Julia Renner im VfL-Tor. In der 21. Minute für die glücklose Tess Wester in die Partie gekommen, fand auch Renner zunächst nicht ins Spiel. Dann steigerte sie sich deutlich, parierte auch mal schwere Würfe und brachte Metzingen in der 53. endgültig zur Verzweiflung: Erst parierte sie einen Gegenstoß von Beddies, dann den Nachwurf von Zapf und schließlich den mit dem Nachwurf verhängten Siebenmeter durch Minevskaja. Im Gegenzug narrte Müller per Wackler Metzingens 6-0-Abwehr und traf zum 30:24 – die Entscheidung. „Unsere Abwehr stand gut, aber wir sind nicht reingekommen. Wenn man dann einen Ball hält und sich weiter konzentriert, ist plötzlich viel möglich“, sagte Renner.

Während sich Krowicki hochzufrieden mit Einstellung, Kampfgeist und Umsetzung taktischer Vorgaben bei seiner Mannschaft zeigte, war Kollege Job verstimmt, rief sein Team nach Schlusssirene in die Kabine: „Wenn ich sehe, wie viele Bälle sich der Gegner erkämpft hat, zeigt das den Willen und die Einstellung, den ich bei meiner Mannschaft vermisst habe.“

Dennoch bleibt Metzingen im Rennen um die Europapokalplätze 1 bis 4 oder 1 bis 5 (je nach Ausgang im DHB-Pokal). Einen Platz in einem internationalen Wettbewerb ist das erklärte Ziel von Verein, Trainer und Mannschaft. „Heute hat der VfL sein Spiel aufziehen können“, sagte die ehemalige Oldenburgerin Anna Loerper. „Aber wir kämpfen weiter um die Plätze 2, 3 oder 4. Wenn man sieht, wer schon gegen wen verloren hat, ist alles noch drin.“ In den kommenden Jahren, ist sich Loerper sicher, werde man von diesem ambitionierten Verein noch viel hören.