25.01.2015 10:48 Uhr - 1. Bundesliga - Ole Rosenbohm

Oldenburgerin Wester bietet Wechsel an

Alternative im Rückraum? Tess WesterAlternative im Rückraum? Tess Wester
Quelle: Mario Gentzel
Tess Wester, 21 Jahre alt und schon im vierten Jahr beim Handball-Bundesligisten VfL Oldenburg, ist längst eine etablierte Torfrau. Beim VfL überzeugt sie allein in dieser Saison mit konstant guten bis sehr guten Leistungen. Spätestens seit vergangenen Dezember, als sie mit der niederländischen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Kroatien und Ungarn den siebten Platz einfuhr, ist Wester auch international bekannt. Ihr Weg, ahnt man, ist noch lange nicht zu Ende. Beim Pressegespräch am letzten Donnerstag vor dem Spiel gegen Tabellennachbar TuS Metzingen (Sonntag, 25.1., 15 Uhr, EWE Arena) stellte sich die 20-malige Nationalspielerin aber selbst in Frage – wenn auch nicht ganz ernst gemeint.

„Wenn du Probleme im Rückraum hast, dann nimm doch mich“, sagte Wester zu ihrem Coach Leszek Krowicki, der wegen des ohnehin kleinen Kaders und der anhaltenden Verletzung Silje Svendsens nur vier Rückraumspielerinnen zur Verfügung hat. „Wo soll ich dich denn hinstellen“, fragte Krowicki zurück, aber er weiß genau um die Vorliebe seiner Torfrau: „Natürlich auf Rückraum links.“

Erst mit zwölf Jahren wechselte Wester in ihrer Jugendmannschaft fest ins Tor. Natürlich wird sie dort auch gegen Metzingen spielen. Die Personalproblematik beim VfL werden ihre Vorderleute lösen müssen, von denen zudem immer noch Rechtsaußen Maike Schirmer fehlt, die aber etwas Entlastung durch eine Genesene bekommen könnten: Alina Otto, seit vergangenen April mit Kreuzbandriss außer Gefecht, befindet sich seit Dezember wieder im Mannschaftstraining und spielte am Mittwoch mit dem Drittligisten VfL II ihr erstes Pflichtspiel nach neun Monaten Pause. Sechs Tore steuerte die Linksaußen zum 35:15-Erfolg gegen SFN Vechta bei und zeigte dabei deutlich ihre immer noch vorhandene Klasse.

Mit Metzingen trifft der VfL auf einen zweifellos starken Gegner. „Diese Mannschaft hat sich hervorragend entwickelt“, sagt Krowicki über das Team, das neben den fünf EM-Teilnehmerinnen Anna Loerper, Marlene Zapf, Shenia Minevskaja, Bernadett Temes und Jasmina Jankovic noch über die 23-jährige Halblinke Julia Behnke, Mitglied des erweiterten DHB-Kaders, verfügt.

TuS-Torhüterin Jankovic übrigens bildete während der EM mit Wester das Duo im Tor der Niederlande – ein ziemlich gutes. Beide teilten sich zu etwa gleichen Teilen die Gesamt-Spielminuten, verfehlten aber in Kroatien trotz des beachtlicher Auftritte den maximalen Erfolg. „Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, wir würden Siebter werden, hätte ich das gerne angenommen. Aber dann haben wir Deutschland geschlagen und gegen Schweden unentschieden gespielt. Und jetzt denke ich, da war mehr möglich – der sechste oder fünfte Platz, vielleicht sogar das Halbfinale“, sagt Wester über ihr erstes großes Turnier. An Selbstbewusstsein mangelt es ihr nicht, das hatte sie schon als 18-Jährige kurz nach ihrer Ankunft in Oldenburg bewiesen, als sie die Frage nach ihren sportlichen Zielen mit dem Satz „Ich will Nationalspielerin werden“ beantwortete. Geht es nach ihr, ist „Oranjes“ Weg an die internationale Spitze mit dem siebten Platz längst nicht abgeschlossen.

Auch mit dem VfL hat Wester Ambitionen, auch internationale – mal Europapokal spielen, das wäre was. 2012 als Pokalsiegerin und 2013 hatte sich Westers VfL sportlich qualifiziert. Aber der Klub musste verzichten, nach der Insolvenz eines großen Sponsors fehlte das Geld. Um über die Liga die sportlichen Voraussetzungen zu erfüllen, müsste Oldenburg Vierter werden, vielleicht reicht auch ein fünfter Platz. Allein schon dafür wäre ein Sieg gegen den Tabellennachbarn Metzingen wichtig. Wester glaubt fest daran: „Die deutsche Nationalmannschaft war auch schlagbar“, sagte sie – das werde Metzingen mit seinen sechs Nationalspielerinnen auch sein.