10.01.2015 17:47 Uhr - 1. Bundesliga - PM Vereine, red

Oldenburg diesmal in der Favoritenrolle

Cara HartstockCara Hartstock
Quelle: Hermann Jack
In ihrem zehnten Spiel der laufenden Bundesligasaison empfangen die Handballerinnen des VfL Oldenburg am Sonntag (11.1.2015) um 16.30 Uhr in der heimischen EWE Arena Frisch Auf Göppingen. Die Oldenburgerinnen haben zuletzt mit dem 29:28-Erfolg beim HC Leipzig im DHB-Pokal-Viertelfinale einen vielbeachteten Sieg eingefahren. In der Liga sieht die jüngste Bilanz bei zwei Niederlagen in Folge gegen Spitzenmannschaften aber nicht so gut aus. Zum Liga-Auftakt nach der EM verlor der VfL am 30. Dezember 29:30 beim Tabellenzweiten Buxtehuder SV, im letzten Spiel der ersten Saisonphase am 19. November 27:32 gegen Spitzenreiter und Meister Thüringer HC.

Anders als gegen THC und BSV geht der VfL gegen Göppingen – mit 5:13 Punkten Tabellenelfter und abstiegsbedroht – wieder als Favorit in die Partie. Angesichts der Göppinger Resultate im November – für Frisch Auf ist die Partie in Oldenburg das erste Spiel seit der Europameisterschaft – geht es allerdings aufwärts bei den Gästen, die zuletzt Bietigheim mit 26:25 bezwangen und davor in Blomberg und gegen Leverkusen nur mit einem Tor Differenz verloren.

Vor allem wird Krowicki seine Mannschaft auf den starken Göppinger Rückraum einstellen, aus dem die Halblinke Beate Scheffknecht diese Saison bereits 56 Tore warf. Würden in der Torschützinnenliste keine Siebenmetertore gewertet, stände nicht die Metzingerin Shenia Minevskaja ganz oben, sondern die 24-jährige Österreicherin Scheffknecht würde die Liste anführen. Mit 47 Treffern (ebenfalls alle aus dem Spiel heraus) nicht viel weniger Tore auf dem Konto hat die Halbrechte Anouk van de Wiel (22). Zum FAG-Rückraum gehören auch Ania Rösler (32), die mit dem 1. FC Nürnberg und Leipzig schon Meistertitel gewinnen konnte, und Maike Daniels (29), auch eine Deutsche Meisterin aus Leipzig. Krowicki befürchtet: „Diese erfahrenen Spielerinnen werden jede Dummheit von uns sofort bestrafen.“ Die Partie könne sein Team nur über eine gute Abwehr gewinnen.

„Oldenburg ist ein absolutes Top-Team, das einen überragenden Handball spielt“, zollt hingegen Göppingens Coach Aleksandar Knezevic dem Gegner viel Respekt. Berechtigt, denn seit Jahren mischt die Krowicki-Truppe in der Bundesliga oben mit, obwohl man finanziell sicher nicht auf den Rosen gebettet ist wie die Konkurrenz im oberen Drittel der Tabelle. „Der VfL geht als klarer Favorit in das Spiel“, formuliert Knezevic die Rollenverteilung eindeutig, auch wenn den Gastgeberinnen gleich zwei Linkshänderinnen wegen Verletzungen nicht zur Verfügung stehen.

Die Göppinger Schwierigkeiten in dieser Saison resultieren auch aus einem kleinen Kader, dem nach acht erfolgreichen Jahren seit Sommer nicht mehr Alena Vojtiskova angehört, die bis 2006 noch für den VfL spielte und nun mit dem Zweitligisten Neckarsulmer SU um den Bundesliga-Aufstieg mitspielt. Neben Vojtiskova verließen das Göppinger Team zur neuen Saison gleich sieben Spielerinnen. Zudem ist seit Dezember wegen Schwangerschaft Kreisläuferin Annika Leppert (24) nicht mehr dabei.

Für Leppert verpflichtete Knezevic Seline Ineichen (24) vom Schweizer Erstligaklub LK Zug. Ineichen gibt in Oldenburg ihr Bundesliga-Debüt. Übrigens: Ineichen war als junge Spielerin mit Spono Nottwil im Oktober 2008 im EHF-Pokal-Duell gegen Oldenburg dabei. Oldenburg gewann damals beide Spiele klar. Kurz vor der Partie konnte sich der Verein zudem noch die Dienste der Tschechin Michaela Hrbkova sichern. Und so wird der Auftritt in Oldenburg auch dazu dienen, die Abläufe mit den neuen Spielerinnen weiter abzustimmen. Eine Maßnahme, die mit Blick auf die richtungsweisende Partie gegen Koblenz/Weibern am kommenden Samstag sicher sehr wichtig ist.

Wie Göppingen besitzt auch der VfL keinen großen Kader, in dem aktuell auch noch die Linkshänderinnen Maike Schirmer und Silje Svendsen aussetzen müssen (beide haben Knieprobleme). Zudem hat die wieder im Training befindliche Alina Otto nach ihrem Kreuzbandriss in Pflichtspielen bisher noch nicht auf dem Spielfeld mitgewirkt. Doch auch der FA-Trainer wird von Verletzungssorgen geplagt. So wird Beate Scheffknecht am Sonntag auf gar keinen Fall zur Verfügung stehen. Eine Entzündung im Fuß zwingt die Shooterin zur Verlängerung der Spielpause. Aber auch sonst bereitet der Kader dem Coach mit so manchen Blessuren einige Kopfschmerzen. „Wir werden trotzdem alles geben“, verspricht der FA-Trainer.

Mit einem Sieg würde der VfL mindestens seinen vierten Platz halten. Oldenburgs Kreisläuferin Cara Hartstock ist überzeugt, dass sich die Mannschaft nach dem begeisternden Erfolg in Leipzig wieder auf das Alltagsgeschäft Bundesliga konzentrieren kann: „Wir haben uns riesig gefreut – das ist doch klar. Aber das Final Four ist erst im Mai. Jetzt zählt nur die Bundesliga.“