23.12.2014 12:00 Uhr - 1. Bundesliga - Timo Hölscher

"Kampftier" Annika Ingenpaß ist torhungrig – auch mit links

Annika IngenpaßAnnika Ingenpaß
Quelle: Vulkan-Ladies/René Weiss
Annika Ingenpaß zählt zu den aufstrebenden Talenten der Vulkan-Ladies Koblenz/Weibern. Die 18-Jährige wechselte im vergangenen Sommer aus der A-Jugend des TSV Bayer 04 Leverkusen in die Rhein-Mosel-Stadt und fühlte sich hier schnell wohl. „Ich wurde super aufgenommen. Gut ist, dass wir so viele junge Spielerinnen wie z.B. Kelly und Lotte haben. Wir verstehen uns sehr gut“, sagte die Kreisläuferin, die im Koblenzer Stadtteil Asterstein wohnt. „Mit gefällt die schöne Altstadt, hier leben freundliche Menschen.“

Urlaub war im vergangenen Sommer zwar ausgefallen, aber die Abiturientin kam dennoch sehr gut rum. Zunächst verteidigte sie mit Leverkusen den DM-Teil der A-Jugendlichen beim Final-4-Turnier in Leipzig. Dann vertrat sie mit Mitschülerinnen der Liebfrauenschule in Mülhausen die deutschen Farben bei der Schul-WM im türkischen Trabzon und wurde dort WM-Torschützenkönigin. Anschließend reiste Ingenpaß mit der Jugend-Nationalmannschaft zur U-18-Weltmeisterschaft nach Mazedonien, wo sich das 1,77 m lange Talent mit ihrem Team die Silbermedaille sicherte. „Das war eine Sensation“, erklärt sie.

Hier spielte die Rechtshänderin auch im Rückraum, Annika ist „gelernte“ Halblinke. Sie begann mit Handball bei der Turnerschaft Grefrath, wo sie von den Minis bis zur C-Jugend spielte, dann folgten zwei Jahre TV Aldekerk mit einer westdeutschen Meisterschaft und danach die beiden erfolgreichen Jahre bei Bayer Leverkusen. Hier wurde sie unter Trainerin Kerstin Reckenthäler mit der jüngsten Mannschaft aller Zeiten zweimal deutscher Meister. „Handball ist mein Leben, meine Mutter Petra war Handballerin, mein Vater Udo war von den Minis bis zur C-Jugend mein Trainer, mein Brüder Niklas und Henrik spielen ebenfalls begeistert Handball. Mir gefällt der Teamsport und man findet schnell Freunde“, sagt Ingenpaß.

Daher dreht sich bei der Jugend-Nationalspielerin (41 Länderspiele) auch alles um Handball. Neben den Spielen und den Trainingseinheiten in Koblenz läuft sie aufgrund eines Doppelspielrechts ebenfalls regelmäßig in der 3. Liga West für die HSV Solingen-Gräfrath auf. Ingenpaß: „Hier spiele ich oft 60 Minuten. Ich brauche diese Spielpraxis.“ Dabei geht sie selbstkritisch genug sich mit um, um zu wissen, dass sie sich noch verbessern muss für eine Stammspielerin in der Ersten Liga. „Ich nehme mir Dinge oft unnötig zu Herzen und belaste mich damit zu sehr. In der Deckung muss ich zulegen“, sagt der Schlager-Fan, der den früheren deutschen Nationalspieler und Kreisläufer Christian Schwarzer als sein Vorbild bezeichnet. „Auch ich bin ein Kampftier und sehr ehrgeizig.“

Der Sprung von der A-Jugend-Bundesliga in die Frauen-Bundesliga sei für sie groß gewesen. „Die körperlichen Voraussetzungen sind der größte Unterschied. Was man in der Abwehr in der Frauen-Bundesliga leisten muss, ist schon enorm“, so Ingenpaß, die nur ungern an das Laufcamp der Vulkan-Ladies zu Beginn der Saisonvorbereitung denkt. „Das war schlimm. Da musste ich echt an meine Grenzen gehen, aber es hat sehr viel gebracht.“ Die Qualen haben sich in der Tat ausgezahlt, denkt sie an Erlebnisse der vergangenen Monate zurück – vor allem an das Heimspiel gegen die DJK/MJC Trier vor 1620 Zuschauern in der Koblenzer Conlog Arena. „Das war schon sehr spektakulär, die Atmosphäre war großartig. Ich habe zwar schon öfters vor 1000 Zuschauern gespielt, aber ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Es war ein tolles Erlebnis.“

Daher muss Ingenpaß auch nicht lange überlegen, ob der Sprung in die Rhein-Mosel-Stadt der richtige gewesen ist. „Ich freue mich über jede Minute, die ich hier spielen darf. Ich bin dankbar bezüglich des Vertrauens, das mir hier entgegengebracht wird. Koblenz ist eine gute Station für Nachwuchsspielerinnen“, sagt die 18-Jährige, die bei den Vulkan-Ladies noch einen Vertrag bis ins Jahr 2016 besitzt. Im nächsten Jahr rutscht sie altersbedingt von der Jugend- in die Juniorinnen-Klasse hoch und hofft, erneut für die deutsche Nachwuchs-Nationalmannschaft agieren zu dürfen und bei der Juniorinnen-Europameisterschaft 2015 dabei zu sein. Dabei dürfte ihr die teilweise unorthodoxe Spielweise am Kreis entgegen kommen. Im Duell mit der Gegenspielerin nimmt sie den Ball schon mal in die linke Hand und wirft damit – nicht selten auch mit Erfolg. Warum sie das so macht, wisse sie selbst nicht genau. Sie ist halt ein Kampftier.