21.12.2014 19:34 Uhr - Europameisterschaft - fcb, ewo

Sechstes EM-Gold: Norwegen ringt Spanien nach 5:10-Rückstand nieder

Linn-Kristin Riegelhuth Koren traf im Endspiel bei 10 Versuchen zehnmalLinn-Kristin Riegelhuth Koren traf im Endspiel bei 10 Versuchen zehnmal
Quelle: sportseye.de
In der ersten Halbzeit bot Spanien lange Zeit, wie schon im Halbfinale, eine außerordentliche Abwehrleistung und schien dadurch beim 10:5 nach 18 Minuten die Goldmedaillen schon in Reichweite zu haben. Norwegen hatte große Probleme mit dem Matchplan, erspielte sich im Angriff kaum Chancen. Allmählich konnte das Team von Thorir Hergeirsson aber, über die Abwehr und dank mehrerer Paraden von Silje Solberg, in umgekehrter Manier Spanien entnerven und eilte auf 10:11 heran. Die Einwechslung von Linn-Kristin Riegelhuth Koren und Solbergs Leistung im Tor leiteten dann die Wende ein. Packend ging es aber bis in die letzte Minute, bevor der 28:25-Endspielsieg Norwegen das sechste EM-Gold, die WM-Teilnahme in Schweden und das Ticket für die Olympischen Spiele 2016 in Rio bescherte.

Beide Teams starteten beherzt ins Finale. Spanien büßte zwar seine erste Chance ein und Norwegen ging durch Linn-Kristin Riegelhuth Koren in Vorlage, die Ibererinnen hielten aber in der temporeichen Partie zunächst Anschluss. Alexandrina Barbosa war treffsicher, Navarro nach fünf Minuten zwei Treffer verhinderte und Pena im Gegenzug zum 3:3 einnetzte. Spanien kam dann über eine stabile Defensive immer besser auf, da es Norwegen trotz schnellem und konzentriertem Spiel nicht gelang Lücken zu reißen. Barbosa brachte die Spanierinnen in Vorlage, Solberg konnte dabei mit Paraden gegen Mangue und Pinedo den Zwei-Tore-Rückstand der Norwegerinnen kurzfristig verhindern.

Beide Teams offenbarten gegen kämpferische Deckungen Schwierigkeiten im Umschaltspiel, mehrmals eroberte einer der Kontrahenten im Zurücklaufen den Ball. Spanien agierte dabei bissiger und zugleich ruhiger und fokussierter als Norwegen und setzte immer wieder nach. Der Lohn war die 6:3-Führung nach 13 Minuten, untergebracht von Nerea Pena von der Strafwurf-Markierung. Der Serien-Europameister aus dem Norden Europas leistete sich derweil einfache Fehler im Aufbauspiel und zeigte sich in der Deckung anfällig gegen die Durchbrüche von Martin und Aguilar. Als Pena auch den Strafwurf zum 7:3 verwandelte, nahm Thorir Hergeirsson die Auszeit für Norwegen.

Norwegen litt im Angriff vor allem unter der aggressiv auf Mørk heraustretenden Barbosa. Mørk traf zwar nach einem geschickten Schachzug mit Løke am Kreis beim 5:7 erstmals, die Ibererinnen konnten solche Sperren aber im Gegensatz zu Norwegen meist unterbinden. In der Abwehr stimmte die Zuordnung auf Spaniens Spielmacherin Pena selten, die nicht nur als Ballverteilerin sondern auch mit Sperren und genialen Anspielen begeisterte. So deutete beim Stand von 5:10 nach 18 Minuten alles auf den Sieg Spaniens hin, das zuletzt 2011 mit WM-Bronze auf sich aufmerksam gemacht hatte. Nach der Niederlage gegen Norwegen in der EM-Hauptrunde deutete sich eine Überraschung an.

Doch Norwegen kam zehn Minuten vor der Pause auf, stellte eine ordentliche ballorientierte Deckung, gegen die Pena aber doch das 7:11 markierte. Noch viel mehr profitierte die Hergeirsson-Sieben aber von sensationellen Reflexen Silje Solbergs. Sie verbuchte zu diesem Zeitpunkt bereits fünf Paraden, führte das Duell mit Navarro an und lieferte die Vorlage für Kristiansensen ersten Treffer. Vorne agierte Norwegen weiter komplex statt gezielt eine Überzahl zu kreieren. Während Spaniens Offensive stagnierte, besann sich Norwegen aber unter der Regie der eingewechselten Karoline Breivang eines Besseren und eilte heran. Solberg sorgte nach 29 Minuten für den 10:11-Anschlusstreffer. Løke hatte den Ausgleich in der Hand, scheiterte aber. Kurz darauf war der Ausgleich aber erzielt.

Spanien lag zur Pause zwar nicht mehr komfortabel, aber doch vorne. Aguilar hatte in dieser Partie für Abwehr-Gourmets einen Moment vor der Sirene die finale Freiwurf-Situation zum 12:11 genutzt. Linn-Kristin Riegelhuth Koren stellte das Duell aber nach zwei Minuten mit dem 12:12-Ausgleich von der Markierung auf Null. Die vormalige Abwehrschlacht glich nun mehr einem offenen Schlagabtausch, bei dem beide Teams mit viel Tempo im Offensivspiel begeisterten. Marta Mangue erzielte beim 14:15 ihren ersten Treffer als feine Einzelaktion und hielt Spanien zunächst vorne. Koren und Alstad brachten Norwegen aber beim 16:15 in der 35. Spielminute erstmals in Vorlage.

Dann eine kuriose Situation, die Sando für Norwegen mit einer Strafwurf-Parade gegen Barbosa entschärfte. Solberg hatte sich zuvor über den Siebenmeter beschwert und war hinausgestellt worden. Norwegen wusste nun das Momentum auf seiner Seite, Spanien reagierte mit einer verkappten Positionsabwehr gegen Mørk, doch Oftedahl verlagerte das Spiel und traf selbst zum 18:16, etwas später zum 19:18. Spanien zeigte sich aber zäh und hatte durch seine beste Werferin Carmen Martin auch wieder Erfolg beim Strafwurf. Marta Mangue legte nach, doch Koren brachte Norwegen in der jetzt ereignisreichen und hochklassigen Partie beim 21:20 wieder in Vorlage.

Allen voran die nervenstarke Linn-Kristin Riegelhuth Koren nährte eine Viertelstunde vor Schluss beim 22:20 die norwegischen Hoffnungen auf die Goldmedaille. Solberg steuerte ihre elfte Parade bei. Die Norwegerinnen teilten nun aus ohne, einstecken zu müssen, schienen aber trotz Zeitstrafen davon zu profitieren, als Sanna Solberg nach 48 Minuten vom Flügel auf 24:20 stellte. Sechs Minuten waren die Ibererinnen torlos, dann verbuchte Pena ihren vierten Strafwurf. Das Lebenszeichen Spaniens, Martins hatte in einer verrückten Schlussphase nach 58 Minuten den 26:26-Ausgleich auf der Hand. Solberg und Koren sichern Norwegen die Goldmedaille, der 28:25-Sieg war hart erkämpft.