19.12.2014 21:54 Uhr - Europameisterschaft - Felix Buß - handball-world.com

Neunte EM-Final-Teilnahme: Norwegen frischer als Schweden

Nora Mørk traf fünfmalNora Mørk traf fünfmal
Quelle: sportseye.de
Norwegen schien von Beginn an frischer zu sein als Schweden. Bald hatte das Team von Thorir Hergeirsson eine 8:3-Führung inne. Im weiteren Verlauf der Partie hatte Schweden zwar mehrmals die Möglichkeit, auf ein Tor aufzuschließen oder sogar den Ausgleich zu erzielen, leistete sich aber in den entscheidenden Momenten unerzwungene Fehler. Nach dem aufopferungsvollen 29:30 gegen Montenegro am Mittwoch schien das Team von und Helle Thomsen und Thomas Sivertsson mental nicht so frisch zu sein wie die Norwegerinnen, die zuletzt gegen Ungarn nicht alle Kräfte investiert hatten. So konnte Norwegen das Tempo in der Schlussphase forcieren und gewinnt 29:25 (13:11).

Schweden hatte Anwurf, die ersten beiden Treffer setzte in der zerfahrenen Startphase aber Norwegen. Veronica Kristiansen und Heidi Løke zeichneten verantwortlich. Schweden brauchte fünf Minuten, um über die Abwehr in Fahrt zu kommen. Norwegen, der Vize-Europameister von 2012, stellte zunächst die bessere Deckung. Als Silje Solberg nach vier Minuten, als Hannah Fogelström vom rechten Flügel netzte, erstmals hinter sich fassen musste, hatte Veronica Kristiansen bereits auf 3:0 gestellt. Danach kamen die Schwedinnen mit Ballgewinnen auf: Ida Odén hatte nach sechseinhalb Minuten sogar den 3:3-Ausgleich in der Hand. Doch sie warf den Ball über die Querlatte hinweg.

Technische Fehler und schlecht gezielte Abschlüsse gegen Johanna Bundsen hatten Norwegen beinahe die Führung gekostet. Nora Mørk hielt den Vorsprung beim 4:2 aber auf norwegischer Seite. Odén als Aktivposten war auf schwedischer Seite nicht ausreichend, um gegen den Serien-Europameister mitzuhalten. Norwegen konnte sich in dem ums Finale entscheidenden Skandinavien-Duell daher zunächst wieder absetzen. Løke und Mørk trafen weiter im Duett. Nach elf Minuten zog das schwedische Trainerteam beim Stand von 6:3 die Notbremse in Form einer Auszeit. Linnea Torstenson suchte den Abschluss, sie verzeichnete aber ebenso wie Gulldén noch keinen Treffer.

Norwegen kontrollierte das schwedische Rückraum-Trio Gulldén-Torstenson-Jacobsen und setzte sich nach 13 Minuten auf 8:3 ab. Dann wechselte Schweden mit Jamina Roberts für Torstenson die Aufholjagd ein. Gulldén scheiterte zwar an Silje Solberg, bereits die sechste Parade der Norwegerin, die sofort Camilla Herrem auf die Reise zum 9:3-Konter schickte. Doch der norwegische Jubel war von kurzer Dauer. Die 24-jährige Roberts traf und Hagman setzte mit dem 9:6 nach. Die Einwechslung von Filippa Idéhn stabilisierte zudem die Abwehr der Schwedinnen, die im Angriff nochmals wechselten. Johanna Ahlm ersetzte Gulldén, sie besorgte nach 22 Minuten den 10:7-Zwischenstand.

Norwegen hatte zwischenzeitlich ein Time-out genommen, sah sich zunehmend in den Positionsangriff gedrängt und konnte sein schnelles Spiel nicht wie gewünscht aufziehen, weil die Deckung schwächelte. Schwedens Torstenson erkämpfte nach 25 Minuten einen Strafwurf und setzte damit offenbar ein wichtiges Signal. Gulldén von der Markierung und die konternde Louise Sand führten Tre Kronor vier Minuten vor der Pause auf 10:11 heran. Norwegen nahm dennoch ein 13:11 in die Kabine. Der Finalist von 2012 machte Big Points, während Schweden in Überzahl das Remis liegen ließ. Kristiansens 14:11-Versuch prallte zwei Sekunden vor der Sirene vom Gebälk ab.

Schweden schien Glück im Unglück zu haben, dass nach dem schwachen Start dank des schlechten letzten Wurfs von Norwegens Veronica Kristiansen nur ein Zwei-Tore-Rückstand auf den Anzeige-Tafeln leuchtete. Aber viel mehr als das, mit dem 8:4-Lauf im Rücken hatten sie bei Wiederanpfiff das Momentum auf ihrer Seite. Die Wurf-Effektivität Norwegens hatten sie auf 52 Prozent gedrückt. Nur der Torwart-Vorteil mit Solbergs acht Paraden schützte Norwegen. Schwedens Filippa Idéhn setzte daher mit ihrer Auftakt-Parade gegen Kristiansen einen wichtigen Akzent. Mit Helleberg und Torstenson trafen zwei Spielerinnen beim 16:14 für Tre Kronor nach Fehlwürfen erstmals.

Schweden eilte mit der Rückwechslung von Gulldén und Torstenson weiter heran, ließ nach 39 Minuten aber erneut eine Ausgleichs-Chance liegen. Odén machte einen technischen Fehler, und statt des 17:17 sorgte Linn-Kristin Riegelhuth Koren für die neuerliche Zwei-Tore-Führung der Norwegerinnen. Als Nora Mørk nachsetzte, verdüsterte sich die Final-Perspektive Schwedens weiter. Auch mit einer Auszeit konnte Schweden den norwegischen 5:0-Lauf auf 22:17 nicht verhindern. Sieben Minuten war das Tre-Kronor-Team ohne Treffer, ehe Jenny Alm nach 46 Minuten auf vier Tore verkürzte. Die Hypothek dieses Rückstandes schien für den Finalisten von 2010 zu groß zu sein.

Als Norwegens Linksaußen Sanna Solberg aus dem Rückraum auf 23:18 netzte, war Norwegen auf dem Weg in das siebte EM-Finale nacheinander. Schweden verschob hinten nicht mehr gut genug und geriet dadurch zunehmend in Zugzwang. Aus dem zwischenzeitlichen Abwehrfight wurde in der Endphase ein Run-and-Gun, in dem Norwegen das Tempo vorgab und Schweden hinterher rannte. Als Oftedahl fünf Minuten vor Schluss an der Mittellinie den Ball zum 28:22-Gegenstoß stibitzte und Johanna Ahlm an Solberg scheiterte, war der Finalgegner für Spanien gefunden. Norwegen verbucht in der Vorschluss-Runde mit dem 29:25-Erfolg einen insgesamt souveränen Sieg über Schweden.