18.12.2014 09:56 Uhr - 3. Liga West - Volkmar Köhler

Jonna Jensen: Ein "Glücksfall" für die SG Kleenheim

Der Handball im besonderen und der Sport im allgemeinen sind für Jonna Jensen (unser Foto) die beherrschenden und zentralen Komponenten ihres Lebens. Die noch vor Weihnachten 32 Jahre jung werdende Kleenheimer Spielmacherin ist schon mal „fünf, sechs Stunden an einem Abend in Sachen Handball in der Sporthalle“; ist sie doch nicht nur Spielerin beim Drittligisten SG Kleenheim, sondern auch zusätzlich noch Trainerin der Kleenheimer Frauen-Landesligamannschaft. „Eine solche Spielerin ist für jeden Verein ein Glücksfall“, sagt der Vorsitzende der SG Kleenheim, Herbert Röhrich, zu dieser in vielerlei Hinsicht ungewöhnlichen Spielerin.

Durch ihre acht Treffer am Sonntag beim 29:17 (17:9)-Heimerfolg im Hessenderby der 3.Liga West hat sich Jonna Jensen zudem unter die Top-Ten der Torschützenliste katapultiert und ist mit 64/24 Treffern Zehnte. Das ist ihr aber gar nicht so wichtig. „Sie ist mein verlängerter Arm auf dem Spielfeld und ist mit Sophia Wiener, die sich das Amt der Spielführerin teilen, mein direkter Ansprechpartner“, sagt Kleenheims Trainer „Lucky“ Cojocar von seiner Nummer 22. Der Kleenheimer Trainer schildert sie weiter als „erfahrene Spielerin, die sich in den Dienst der Mannschaft stellt, sie hat schon fast alle Positionen gespielt und geht dahin, wo sie gebraucht wird“.

Die in Gießen geborene Jonna Jensen begann ihre handballerische Karriere bei der HSG Wettenberg, spielte dann für den VfB 1900 Gießen in der C-Jugend und wurde unter Trainerin Irmgard Sparre SWHV-Meister. In der B- und A-Jugend spielte sie für den TV Lützellinden, hatte natürlich auch hier unter Dr. Jürgen Gerlach große Erfolge zu verzeichnen. Dann wechselte sie in den Frauenbereich beim TV L für drei Jahre. Von hier aus ging die Station weiter in Richtung TSG Ober-Eschbach, für die sie drei Jahre spielte.

Aus der Bad Homburger Vorstadt führte der Weg zum Bundesligisten TV Mainzlar. Nach zwei Jahren wechselte sie zur SG Kleenheim und spielt nun in der fünften Saison für die Kleenheimerinnen - mit großem Erfolg wie man nicht nur am Sonntag bemerkt hat. Aber die Diplom-Sportwissenschaftlerin hatte vorher noch eine kleine „Leidenszeit“ als Trainerin der Kleenheimer Frauen-Landesligamannschaft zu durchstehen. Denn das Spiel der Kleenheimer „Zweiten“ in der Landesliga lief erst nach einem Rückstand (14:18 zur Pause) wie am Schnürchen, so dass am Ende ein umkämpfter 36:32-Sieg über die Eddersheimer „Zweite“ stand.

Aber es gibt für die 1,64 m große „Powerfrau“ auch noch ein Leben nach oder neben dem Handball - das liegt aber im Bereich des Sports im allgemeinen. Sie ist gerade dabei im Rahmen betrieblicher Gesundheitsförderung Bewegungsmaßnahmen am Arbeitsplatz „sich etwas aufzubauen“. Meistens muss sie dazu in die Betriebe direkt gehen. Aber es kommen auch schon mal „Kunden“ zu ihr in den Alternate Sportpark in Linden, wo sie auch für Privatleute funktionelles und Personal-Training anbietet. Studiert hat sie übrigens die wenigste Zeit in Gießen. In Mainz hat sie in der Hauptsache ihr Studium abgelegt und auch hier das Examen zur Diplom-Sportwissenschaftlerin abgeschlossen.

Jensen ist froh, das bei der SG Kleenheim „das Training so geregelt ist, dass ich nicht noch zusätzlich fahren muss, natürlich ist es gerade auch in der Vorbereitungszeit sehr zeitintensiv“. Die erste Frauenmannschaft trainiert im Kern drei Mal in der Woche und zwei Mal davon bleibt sie auf dem Hallenparkett und leitet mit Co-Trainerin Andrea Schulz das Training der Landesliga-Frauenmannschaft. Zusätzlich kommen die Spielerinnen beider Mannschaften noch jeweils einmal in der Woche „zum Krafttraining zu mir in den Alternate Sportpark“.

„Es macht im Moment großen Spaß, die Mannschaft ist zusammengerückt, die Harmonie passt und es ist eine gute Mischung zwischen jungen und erfahrenen Spielerinnen“, begründet sie den Höhenflug der SG Kleenheim in der 3.Liga mit sieben Siegen in Folge und ein Rang drei (Minus-) Punkte hinter Tabellenführer Mainz-Bretzenheim. „Wir denken da von Spiel zu Spiel, wollen unsere Leistung beibehalten und kontinuierlich ein gutes Niveau spielen, da denkt keiner an Aufstieg“, sagt Jonna Jensen.

Auch mit der Landesligamannschaft der SG Kleenheim II hat sie eine Serie hingelegt, hat seit dem 21:22 am 28.September 2014 gegen die HSG Goldstein/Schwanheim kein Spiel mehr verloren und 15:1 Punkte seit dieser einzigen Saisonniederlage (und das auch noch zu Hause) geholt. „Das läuft eben sehr gut, macht mir Riesenspaß beim Landesligateam, die Mannschaft organisiert viel selbst, da musst du eigentlich nur gutes Training machen“, sagt Jonna Jensen, die auch vom „mannschaftsübergreifenden“ Faktor zwischen erster und zweiter Mannschaft - das war durchaus nicht immer so - angetan ist. „Zum Abschluss in diesem Jahr treffen wir uns zum gemeinsamen Fußballspielen mit Weihnachtsfeier“, lobt sie die Zusammenarbeit.

Daneben aber ist sie auch noch als Referentin tätig. Als Diplom-Sportwissenschaftlerin arbeitet sie auch für den Landessportbund (LSB), die Hessische Sportjungend und den Hessischen Handball-Verband (HHV), wo sie schon mal mit dem ehemaligen Kleenheimer Trainer Eberhard Lang zusammen arbeitet. „Sie hat bei jedem Spiel eine professionelle Einstellung“, lobt Kleenheims Sportlicher Leiter Christian Straßheim Jonna Jensen. Für Trainer Cojocar ist sie „eine disziplinierte und sehr intelligente Spielerin, von ihrer Einstellung können die jungen Spielerinnen noch viel lernen, ich bin sehr froh, dass sie bei uns ist“.