16.12.2014 21:54 Uhr - Europameisterschaft - Felix Buß - handball-world.com

Achtungserfolg trotz verpassten Siegs: DHB-Frauen dämpfen Frankreichs Medaillenhoffnungen

Angie Geschke erzielte neun TrefferAngie Geschke erzielte neun Treffer
Quelle: sportseye.de
Die deutschen Handball-Frauen haben bei der EM einen Achtungserfolg gefeiert. Im zweiten Spiel der Hauptrunde erkämpfte die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) am Dienstag in Zagreb ein 24:24 (13:10) gegen Ex-Weltmeister Frankreich. Vor dem abschließenden Spiel der Gruppe II an diesem Mittwoch gegen die punktlose Slowakei hat der WM-Siebte als Fünfter einen Zähler auf dem Konto. Vor rund 1.200 Zuschauern warf Angie Geschke neun Tore für die deutsche Mannschaft. Beste Spielerin war Torhüterin Katja Schülke, die sich 19/2 Paraden notieren ließ. Für Frankreich ist das Unentschieden ein Rückschlag, das Team hat fünf Punkte und liegt vor dem morgigen Duell gleichauf mit den Niederlanden – einen bzw. zwei Punkte hinter den derzeit auf den Halbfinalplätzen stehenden Teams aus Schweden und Montenegro.

Ohne Anja Althaus ging die deutsche Sieben in das Spiel gegen Frankreich. Die Kreisläuferin hatte sich im Spiel gegen Montenegro am Sonntag am Fuß verletzt und konnte nicht mitwirken. Frankreich hatte vor der Partie Torhüterin Armelle Attingre nachnominiert, die sich beim ersten Treffer von Anne Müller den Ball selbst in den Kasten kegelte und somit einen denkbar ungünstigen Einstand hatte. Beim 2:0 Angie Geschkes zeigte sie den passenden Reflex zu spät und beim folgenden Konter war sie machtlos. Team Deutschland zeigte eine Reaktion auf die unglückliche Vorstellung gegen Montenegro: Aus einer kompakten Abwehr überlief sie die „Blauen“ mit viel Tempo zum 4:0.

Unter den Augen von Präsident Bernhard Bauer gelang dem DHB-Team ein emotionaler und kämpferisch hochklassiger Start. Nach fünf Minuten fand Frankreichs Starspielerin Allison Pineau mit einer feinen Einzelaktion beim 4:1 erstmals eine Lösung. Auf der rechten Abwehrseite hatten sie den Schwachpunkt im deutschen Deckungsverbund ausgemacht und griffen nun gezielt darauf an. Die deutsche Führung bestand aber fort, auch weil Katja Schülke glänzend parierte. Angie Geschke traf beim 6:2 nach zehn Minuten bereits zum vierten Mal. Frankreichs Nationaltrainer kniete derweil diskutierend bei Allison Pineau, schickte dann aber Estelle Nze Minko in den zentralen Rückraum.

Deutschland brachte sich indes selbst ein wenig um den guten Start. Zwei freie Würfe wurden gegen Attingre vergeben, die allmählich ins Spiel fand. Auch die französische Deckung arbeitete besser und die DHB-Auswahl verhielt sich im Rückzug ungeschickt. Pineau verkürzte nach 13 Minuten von der Strafwurf-Markierung auf 6:4. Das kleine Häuflein deutscher Fans im trotz freien Eintritts dünn besetzten riesigen Rund applaudierte begeistert, als Schülke einen weiteren Strafwurf parierte und Geschke die Drei-Tore-Führung wieder herstellte. Frankreich schien nach wie vor verunsichert zu sein, hatte anscheinend nicht mit einem derartigen Auftritt der deutschen Mannschaft gerechnet.

Die Equipe Tricolore agierte auch nach einer weiteren Auszeit in der Abwehr viel zu passiv und musste nach 20 Minuten beim 10:5 bereits den vierten Strafwurf hinnehmen. Die ersten vier hatte Marlene Zapf verwandelt, den fünften setzte die sonst sichere Svenja Huber ans Gebälk. Drei Angriffe in Serie vergab die DHB-Auswahl torlos. Schülke parierte aber gegen Kanto, und nach einem Offensiv-Rebound von Luisa Schulze legte Heine Jensen die Grüne Karte. Seine Sieben hatten offenbar enormen Respekt vor der eingewechselte französischen Torhüterin Amandine Leynaud. Mit einem 5:1-Lauf auf 11:10 schien die Equipe das Spiel vier Minuten vor der Pause in den Griff zu bekommen.

Frankreich deckte in dieser Phase offensiver, attackierte früher. Die deutsche Mannschaft konnte dann beim 12:10 die Auszeit-Vorgabe umsetzen und spielte über Linksaußen. Nach dem 13:10-Pausenstand, einmal mehr hatte die DHB-Auswahl den Torhüter-Vorteil (12/2 Paraden gegenüber 7 auf französischer Seite) nicht zur Gänze genutzt, war Ballverlust Nummer sieben fast ein kapitaler. Doch nicht nur Deutschland, auch Frankreich hatte Startschwierigkeiten. Schülke und Leynaud sammelten zwei weitere Paraden, ehe Steinbach nach zwei Minuten zum 14:10 einnetzte.

Doch Alexandra Lacrabere schien nach ihrer schwarzen ersten Halbzeit Frankreich nun im Spiel zu halten. Nach vier Fehlversuchen saßen die nächsten drei, Lacrabere verkürzte nach 38 Minuten auf 17:15. Pineau verpasste im Gegenstoß den Anschlusstreffer zunächst, aber den nächsten, den neunten Ballverlust nutzte Estelle Nze Minko. Jetzt schien wieder der Wurm drin zu sein bei Deutschland. Dembele sorgte schließlich in der 43. Spielminute für das 18:18-Remis und kurz darauf erhielt Luisa Schulze im Angriff eine Zeitstrafe. Frankreich hatte in der Kabine den Schlüssel gefunden, wie Deutschland über eine klare Steigerung in der Abwehr zu knacken war. Die Auszeit von Heine Jensen ließ auf sich warten, während Deutschland über Einlaufen von außen in Führung ging.

Minevskaja, die bis dahin wenig in Erscheinung getreten war, egalisierte zwölf Minuten vor Schluss beim 20:20. Ungenauigkeiten im Zusammenspiel und Aktionismus beim Torwurf ließen die deutsche Auswahl aber weiter zittern, auch wenn Geschke beim 22:21, achteinhalb Minuten vor der Sirene die Führung zurückholte. Alain Portes beorderte eine Positionsabwehr gegen Minevskaja und Wohlbold und Dembele konterte zum 23:23. Letztlich sollten insgesamt 18 Ballverluste deutlich ins Gewicht fallen, weswegen es trotz des starken Aufbäumens des DHB-Teams gegen Frankreich dennoch nicht zum Sieg reichte.

Kopf an Kopf ging es in die entscheidende Phase: Cissé scheiterte aber mit dem französischen Führungstreffer, als noch drei Minuten zu spielen waren. Gegen Niombla war ebenfalls Schülke die Siegerin. Steinbach hatte zwischenzeitlich zum 24:23 genetzt. Minevskaja und Naidzinavicius wurden eingewechselt, aber Nadgornaja scheiterte an Leynaud und Pineau holte den Strafwurf. Baudouin sorgte für das 24:24 und die Punkteteilung. Deutschland hat damit keine Chance mehr an Frankreich vorbeiziehen, morgen geht es im direkten Duell mit der Slowakei um den fünften oder sechsten Platz der Hauptrunden-Gruppe II.