14.12.2014 17:16 Uhr - Europameisterschaft - Felix Buß - handball-world.com

Deutschland unterliegt trotz Leistungssteigerung Montenegro

Sichere Schützin: Marlene ZapfSichere Schützin: Marlene Zapf
Quelle: sportseye.de
Nach einem verhaltenen Beginn war es eine gute Leistung, die die deutsche Mannschaft gegen Titelverteidiger Montenegro abrufen konnte. Die früheren Leverkusenerinnen Marlene Zapf, Anna Loerper und Laura Steinbach zogen unter der Regie von Kerstin Wohlbold im Angriff ein gutes Spiel auf und auch die Abwehrarbeit mit Clara Woltering im Tor wusste in dem intensiven und kräfteraubenden Duell zu gefallen. Am Ende schien der Jensen-Sieben aber die Kraft immer mehr auszugehen, während Montenegro noch genügend Reserven hatte. Dadurch fällt die Niederlage Deutschlands mit 20:27 (10:12) etwas deutlicher aus, als es lange Zeit wirkte. Milena Knezevic (8) und Marlene Zapf (6) waren die besten Werferinnen der Teams.

Deutschland begann mit einer ballorientierten Abwehr erkämpfte durch einen Block von Nadja Nadornaja den Ball. Montenegro kam aber schnell ins Spiel, weil der Titelverteidiger eine noch wesentlich kompaktere Deckung aufbot. Das Angriffsspiel des DHB-Teams kam nicht in Schwung. Besonders Kerstin Wohlbold wurde gut abgeschirmt. Während Knezevic und Bulatovic sich relativ leicht taten, eine 3:1-Führung herauszuwerfen und bei drei von vier Versuchen trafen, galt dies auf deutscher Seite nur bei zwei von fünfen. Die Angriffs-Effektivität der Montenegrinerinnen sank zwar anschließend, nach neun Minuten hoffte Schwarz-Rot-Gold aber vergeblich auf den 3:3-Ausgleich.

Stattdessen hieß es nach Treffern von Radicevic und Petrovic 2:5. Immer wieder wurde das deutsche Angriffsspiel unterbrochen, ein Durchbruch von Steinbach allerdings auf Kosten eines Strafwurfs, den Minevskaja zum 3:5 verwandelte. Team Deutschland schien sich trotz des schwachen Starts und der individuellen Unterlegenheit nicht unterkriegen zu lassen. Die Abwehr kommunizierte viel und auch im Angriff wurde jede gelungene Aktion gefeiert. Nach 20 Minuten schien beim 6:8 der Rückstand unter Kontrolle zu sein. Die Abwehr verschob besser und beim Anschlusstreffer von Kim Naidzinavicius funktionierte nach einem Ballgewinn auch einmal die erste Welle hervorragend.

Anne Müller verteidigte vorgezogen giftig gegen Knezevic. So rang die DHB-Auswahl Montenegro einige Fehlwürfe ab und fing Pässe an den Kreis ab. Eine erste Überzahlsituation konnte die Jensen-Sieben gut nutzen. Jovanka Radicevic fing dann aber einen allzu einen riskanten Pass zu Althaus ab, und statt des 9:8-Führungstreffers für die deutsche Mannschaft hielt sich Montenegro vorne. Torhüterin Marina Rajcic parierte zudem einen Strafwurf von Shenia Minevskaja. Die DHB-Auswahl vergab in Überzahl die Chance auf die Führung. Fünf Minuten vor der Pause fiel dann Angie Geschke mit einer Oberschenkel-Verletzung aus. Mit einem 10:12 trennte man sich zum Gang in die Kabinen.

Nach den ersten dreißig Minuten trennte Montenegro und Deutschland wenig. Im Rückraum harmonierten derweil Loerper, Wohlbold und Steinbach immer besser. Den Unterschied zwischen beiden Teams machte Montenegros eingewechselte Torhüterin Marina Rajcic aus, die vier der letzten sechs deutschen Würfe abgewehrt hatte. Clara Woltering zeigte eine solide Leistung, ärgerte sich aber darüber, dass sie bei zwei von drei Strafwürfen ganz knapp am Ball vorbeigesegelt war. Ebenfalls gefiel Marlene Zapf, die beim 12:14 nach 35. ihren dritten Treffer beisteuerte und die bislang beste Werferin war. Deutschland startete dabei mit einer äußerst kompakten Abwehr.

Clara Woltering konnte dann nur ungläubig gucken, als der Torschiedsrichter Milena Knezevic den Treffer zum 14:16 gaben. Der Ball hatte die Torlinie definitiv nicht komplett überquert. Nach 42 Minuten konnte sich Montenegro in der kämpferisch geführten zweiten Halbzeit dann erstmals auf vier Tore absetzen. Bilijana Pavicevic profitierte von einem Abpraller und Majda Mehmedovic brachte beim 15:19 einen Gegenstoß unter. Heine Jensen nahm eine Auszeit, anschließend wurde Anja Althaus ein Offensivfoul abgepfiffen. Zudem unterlief der deutschen Bank ein Wechselfehler, und der Mittelblock mit Anja Althaus und Nadja Nadgornaja wurde für zwei Minuten zerrissen.

Nur zwei Treffer in vierzehn Spielminuten läuteten den für das deutsche Team denkbar ungünstigen Beginn der Schlussphase ein. 17:21 stand es nach 52 Minuten. Co-Trainer Maik Nowak versuchte von der Seitenlinie der guten deutschen Defensive weitere Impulse zu geben. Auch fünf Minuten vor Schluss trennten Montenegro nur vier Tore. Als dann aber Petrovic auf 19:24 stellte und Saskia Lang in Überzahl an Sonja Barjaktarovic scheiterte, war dies die Entscheidung. Das deutsche Team schien sich müde gekämpft zu haben, lief in Fehler und Montenegro zog entspannt zum Endspurt an. Milena Knezevic, Radmila Petrovic, Shenia Minevskaja für Deutschland und Marija Jovanovic sorgten für die letzten vier Treffer der Partie zum 20:27-Endstand.