10.12.2014 21:49 Uhr - Europameisterschaft - fcb

Hallo Hauptrunde: Deutschland gewinnt Nervenschlacht gegen Kroatien

Anne MüllerAnne Müller
Quelle: sportseye.de
Die Kulisse zeigte gleich zum Anpfiff, dass die Ränge fest in kroatischer Hand waren. Auch einige Trommler für die Gastgeber hatten den Weg zum entscheidenden zweiten Spiel gegen Deutschland gefunden, während Deutschland kaum hörbare Unterstützung hatte. Hatte die deutsche Hymne bei der Präsentation einen Hänger, kam das DHB-Team nach anfänglichen Problemen aber gut ins Spiel. Kroatien kam kurz vor der Sirene auf und hielt das Duell lange offen. Team Deutschland zeigte sich nervenstärker. Rückkehrerin Susann Müller spielte beim 26:24-Sieg eine gute Rolle. Schweden, die Niederlande und Deutschland erreichen die Hauptrunde. Gastgeber Kroatien ist ausgeschieden. Heine Jensen gab seinem Team "ein großes Kompliment".

Deutschland schien von der Kulisse beeindruckt zu sein. Anne Müller sah den Pass von Andrea Penezic, sah wie der Ball zu Vesna Milanovic, ihrer Gegenspielerin am Kreis, durchgesteckt wurde. Dann war der Ball zum ersten Mal im Tor. Die kroatische Mannschaft agierte sicher im Passspiel, nutzte alle Positionen und ließ den Ball laufen. Deutschland kam dennoch ins Spiel, agierte im Angriff aber etwas vielseitiger als im Auftaktspiel gegen die Niederlande und kommunizierte wesentlich mehr. Rechtsaußen Svenja Huber erzielte das 3:3. Die DHB-Auswahl bekam zwar Starspielerin Andrea Penezic nicht in den Griff, hielt bei Althaus´ 5:5-Treffer nach zehn Minuten aber weiterhin gut mit.

In Unterzahl zeigte die DHB-Auswahl ein engagiertes Rückzugsverhalten und unterband den Konter zum 5:7. Susann Müller erzielte, bei ihrer Rückkehr nach überwundener Finger-Verletzung, im Gegenzug das 6:6. Mit Müller kam etwas von der gegen die Niederlande schmerzlich vermissten Unberechenbarkeit in das deutsche Angriffsspiel. Zudem zeigte Katja Schülke ein starkes Spiel, sie parierte den Wurf von Anita Gace, ihre fünfte Parade, und erlaubte Geschke im Gegenzug die 7:8-Führung. Schülke war damit neben Andrea Penezic in der ersten Viertelstunde die überragende Spielerin auf dem Platz. Die Wertung für den schönsten Treffer verzeichnete Huber beim 8:9.

Das deutsche Team vergaß, diese starke Phase zu nutzen und sich abzusetzen. Susann Müller verlor stattdessen den Ball und Katarina Jezic glich in dem temporeichen und erwartet körperlich geführten Duell aus. Mehrmals schlich sich nun beim DHB der Fehlerteufel ein, auch die Abwehr stand nicht mehr so kompakt. So konnte Kroatien durch Treffer von Micijevic und Maric die Führung beim 11:10 übernehmen, obwohl Penezic gerade pausierte. Der erst von Naidzinavicius und dann von Müller dirigierten Rückraum konnte nicht ausreichend Druck auf die gegnerische Deckung ausüben. Kroatien erntete den Lohn einer verbesserten Abwehrarbeit: Elez und Penezic per Strafwurf stellten auf 13:10.

Drei Minuten vor der Pause hatten sich die Kroatinnen erstmals ernsthaft abgesetzt. Da halfen auch die mittlerweile acht Paraden von Schülke nichts, die das Duell mit Marta Zderic (4) klar dominierte. Endlich griff Heine Jensen ein und zückte die Grüne Karte. Wohlbold besetzte nach der Besprechung als kämpferisches Element die Rückraum-Mitte. Nadja Nadgornaja erlöste das Team nach zehn torlosen Minuten beim 13:11. Dann rückte die Mannschaft als solche zusammen und legte in den letzten beiden Spielminuten wieder eine gute Leistung aufs Parkett. Wegweisend für das glückliche 14:13 zur Pause waren die Parade von Schülke gegen Penezic und der Last-Second-Konter Hubers.

Deutschland hatte Anspiel. Wohlbold gelang der Ausgleich, Kroatien verwarf und Minevskaja warf die Jensen-Sieben wieder in Vorlage. Anja Althaus kassierte aber danach im Duell mit Katarina Jezic eine Zeitstrafe, und Sonja Basic nutzte den Freiraum zum 15:15, und beim 16:16 hatte sie Glück, als der Ball vom Pfosten noch ins Tor fiel. Schnell ging es hin und her, auch einige Fehlwürfe waren zu sehen. Kroatiens Tatari traf dann zum 17:17, verletzte sich aber im Duell mit Nadja Nadgornaja und fiel aus. "Das konnten wir nicht kompensieren", sagte Kroatiens Trainer Canjuga nach Abpfiff. Einmal mehr geriet Team Deutschland in Unterzahl. Einmal mehr geriet man in Rückstand. Penezic stellte nach 41 Minuten auf 18:17. Marta Zderic hatte Kroatien mit ihren Paraden wieder in Vorlage gebracht. Vorne war bei der DHB-Auswahl wieder der Wurm drin. Shenija Minevskajas Doppelschlag senkte den Puls aus deutscher Sicht dann etwas.

Die zweite Zeitstrafe gegen Althaus, die sich anscheinend über die Schiedsrichter beschwert hatte, konnte sich nach 48 Minuten gegen die DHB-Auswahl auswirken, auch wenn die treffsichere Minevskaja Deutschland beim 20:21 weiter vorne hielt. Trotz der sechs Paraden von Maria Zderic, eine starke zweite Halbzeit von ihr, schienen die Gastgeberinnen jedoch nicht über das Remis hinaus zu kommen. Die Effektivität des deutschen Offensivspiels war höher. Geschke traf nach einer frühen Jensen-Auszeit aus spitzem Winkel zum 22:24. Fünf Minuten verblieben. Die Nerven des deutschen Teams hielten. Susann Müllers 23:26-Treffer 100 Sekunden vor Schluss bedeutete die Entscheidung.

Statistik

Kroatien: Zderic, Jelcic, Tatari, Benko, Grubisic, Gace 1, Micijevic 1, Horvat 2, Elez 1, Penezic 13/2, Jezic 1, Zebic, Milanovic Litre 1, Dzono, Maric 1, Basic 3

Deutschland: Schülke (HC Leipzig), Woltering (Buducnost Podgorica) - Zapf (TuS Metzingen), Lang (HC Leipzig), Anne Müller (HC Leipzig) 1, Anna Loerper (TuS Metzingen), Minevskaja (TuS Metzingen) 5/3, Naidzinavicius (Bayer Leverkusen) 1, Steinbach (Füchse Berlin), Althaus (Vardar Skopje) 3, Nadgornaja (Thüringer HC) 3, Huber (Thüringer HC) 3, Geschke (VfL Oldenburg) 3/1, Wohlbold (Thüringer HC) 2, Schulze (HC Leipzig), Susann Müller (Györi Audi ETO KC) 5