24.11.2014 09:05 Uhr - 1. Bundesliga - fcb

Ania Rösler: "Ich muss vor der Mannschaft wirklich den Hut ziehen"

Ania RöslerAnia Rösler
Quelle: Marco Schultz
Die SG BBM Bietigheim hatte sich am Sonntag als „Team der Stunde“ auf die kurze Reise zum Derby nach Göppingen gemacht. Dort unterlag das Team von Bo Milton Andersen jedoch knapp mit 25:26. Dem Dänen war nach Abpfiff anzumerken, wie sehr es in ihm kochte, während Göppingen sich nach vier Spielen, aus denen nur ein Punkt heraussprang, sichtlich über den herbeigesehnten Erfolg freute. „Das war heute einfach nicht genug“, wählte Andersen zurückhaltende Worte dafür, dass ihm vieles an den vergangenen sechzig Minuten überhaupt nicht gefallen hatte. Auch die Gastgeberinnen zeigten zwar Licht und Schatten, kassierten am Ende aber nicht nur großes Lob von Trainer Knezevic.

Aus Göppinger Sicht war das Duell mit Bietigheim, nach dem Sieg, ein in höchstem Maße gelungener Abschied aus dem Wettkampfjahr 2014. So bedankte sich Geschäftsführer und Trainer Aleksandar Knezevic zunächst für die Kulisse, die 950 Zuschauer hatten sein Team zu dem Erfolgserlebnis getragen. „Danke für so eine Unterstützung, jede Minute, jede Aktion und jeder Jubel war wichtig.“ Aus Knezevics Sicht hatten sein Team die Bietigheimerinnen vor allem auf mentaler Ebene überragt: „Wir haben Emotionen und eine super Einstellung gezeigt. Wir hatten Glück heute, aber mit Herz, Kampf und Risiko haben wir das geschafft“, freute sich der Trainer offen über die zwei Punkte.

Knezevic, der zu seinen Spielerzeiten nur „Mister Cool“ genannt wurde, beschrieb die schwierige Ausgangssituation für das Derby: „In den letzten drei Wochen hatten wir große Probleme mit dem Kader. Marlene Windisch hat die ganze Woche nicht trainiert und mit Schmerzen gespielt. Beate Scheffknecht hat auch mit großen Schmerzen gespielt, Anouk hatte vor Anpfiff Probleme mit dem Sprunggelenk. Aber das hat man im Spiel alles gar nicht gemerkt“, zollte Knezevic seinen Spielerinnen Respekt für ihren vorbildlichen Einsatz. „So ein Engagement bei so einem wichtigen Spiel, das ist überragend“, beschrieb der 45-Jährige aber auch die Brisanz, die in dem Aufeinandertreffen steckte.

Bo Milton Andersen, Trainer der SG BBM Bietigheim, wirkte hingegen restlos bedient: „Verschiedene Dinge haben bei uns heute nicht funktioniert. Wir sind mit zu wenig Druck über die erste Welle gekommen, in der zweiten Welle hat nichts gestimmt“, ging er mit seinem Team hart ins Gericht.

„Es ist nicht so, dass wir keine Chance hatten, aber der Torwart von Göppingen war überragend gut“, lobt er Melanie Herrmann für ihre Leistung. „Am Ende fehlte uns ein bisschen der Mut daran zu glauben, dass wir vielleicht einen Punkt holen hier. Das ist einfach nicht gut genug, was meine Mannschaft heute gebracht hat. Heute hat die Power gefehlt, das kann ich nicht erklären.“

Dabei ging Bietigheim durchaus als Favorit in die Partie. Dem Kreuzbandriss von Anja Brugger geschuldet, spielt Göppingen derzeit ohne Rechtsaußen. Da Anika Leppert Rückenschmerzen plagen, gingen die Grün-Weißen auch ohne etatmäßige Kreisläuferin in das Derby. Zunächst rückte deswegen Nicole Dinkel an den Kreis, später übernahm Anouk van de Wiel diesen Part. Göppingen fehlte, derart durcheinander gewürfelt, zunächst ebenfalls das Timing in den Aktionen. Getragen von starken Leistungen, vor allem von Melanie Herrmann und den besten Werferinnen Beate Scheffknecht und Nicole Dinkel, fanden die Grün-Weißen aber in den 60 Minuten zu einem starken Gesamtpaket zusammen.

Göppingen muss nun lange auf das nächste Heimspiel warten. Erst am 17. Januar, also in acht Wochen, geht es gegen die Vulkan-Ladies Koblenz/Weibern wieder um Punkte. Langweilig dürfte es den Frisch Auf Frauen dabei nicht werden. Zwar heißt es jetzt erst einmal etwas Entspannen, bis Aleksandar Knezevic Anfang Dezember wieder zum Training bittet. Doch die Spielerinnen gehen neben ihrem Profisport einer geregelten Arbeit nach, oft über 40 Stunden pro Woche. Von Erholung im Wortsinn kann also keine Rede sein, vielmehr nimmt die körperliche Intensität kurzzeitig ab, um gestärkt in die zwei Monate ohne Heimspiel zu starten. „Das wird anstrengend“, kündigte Knezevic an.

Das Ziel lautet in der Vorbereitung auf die Rückrunde lautet dann vor allem daran zu arbeiten, „dass wir konstantere Spiele abliefern und im neuen Jahr weitere Punkte sammeln können“, so Ania Rösler. Ihr Trainer Aleksandar Knezevic stellte derweil in Aussicht, kurzfristig eine zweite Kreisläuferin vorzustellen. Auch Bietigheim setzt indes alles daran, das Lazarett zu lichten. „Diese Pause ist jetzt sehr wichtig. Wir müssen sehen, dass unsere verletzten Spielerinnen zurückkommen und wir müssen auch mental arbeiten, um topfit ins Jahr 2015 zu starten“, sagte Andersen. Als Tabellenelfter und -Zwölfter haben beide Teams weiterhin Abstiegssorgen und möchten diese möglichst bald vertreiben.



Stephan Weber und Marco Schultz hielten die Szenen des heftig umkämpften Derby-Duells fotografisch fest. Weitere Bilder sind auf den Webseiten groundshots.de und 2views.cc zu finden. Die Links finden Sie auch jeweils bei den einzelnen Bildern, indem Sie auf den Namen des Fotografen klicken.